Kapitel 48

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"Ich will, dass du mich in Ruhe lässt, was ist daran nicht zu verstehen?" Meine Stimme klingt fest, obwohl mein Herz rast. Ich will Abstand, ich will Klarheit, aber alles, was ich bekomme, ist dieser endlose Strudel aus Missverständnissen und Spannungen.

"Ach, ist das so? Willst du das wirklich?" Seine Stimme klingt herausfordernd, fast so, als würde er mir nicht glauben. "Ja," antworte ich, mit einem Anflug von Trotz in meiner Stimme. Kian zieht seine Augenbrauen hoch und spricht mit einem leicht spöttischen Ton, "Verhalte dich doch nur einmal wie eine erwachsene Frau."

Das trifft einen Nerv. "Ich soll mich erwachsen verhalten? Dabei bist du doch derjenige, der angeblich älter ist. Im Kopf bist du noch wie ein pubertierender Junge, der gerade dabei ist, sich selbst zu entdecken. Abgesehen davon springst du von Frau zu Frau, also sei du mal ganz still, bevor du mir hier eine Predigt über Erwachsensein hältst." Ich sehe, wie Verwirrung über sein Gesicht huscht. Er öffnet den Mund, als wolle er etwas sagen, aber dann hält er inne und schaut mich nur an, als versuche er, mich zu verstehen. "Gib doch einfach zu, wenn du eifersüchtig bist," sagt er schließlich, als hätte er die Lösung für all die Probleme gefunden.

Ich lache laut, fast hysterisch. "Ich? Eifersüchtig? Worauf? Auf einen angeblich erwachsenen Mann, der selbst nicht einmal weiß, was er will?" Ich lache weiter, aber das Lachen fühlt sich hohl an. "Ja, klar, das muss es sein."

Er nickt langsam, als würde er meine Worte abschütteln. "Heute bist du ja ganz frech unterwegs."

"Jaja, sag ruhig, was du willst. Es passt dir wohl nicht, wenn ich nicht das mache, was du sagst. Am besten soll ich nur ‚Ja' und ‚Amen' sagen, oder? Das ist es doch, was du willst." Sein Griff um mein Handgelenk wird plötzlich fester, und ein stechender Schmerz schießt durch meinen Arm. "Aua, du tust mir weh!" Ich ziehe an meinem Arm, aber er lässt nicht locker.

"Siehst du," schreie ich, "du kommst überhaupt nicht damit klar, was ich sage. Warum musst du immer so tun, als wärst du der komplizierteste Mensch überhaupt? Wieso ist es so schwer, sich entspannt mit dir zu unterhalten? Warum muss ich immer Angst davor haben, wie du auf das Gesagte reagieren wirst? Du rastest schon bei jeder Kleinigkeit aus. Ich weiß einfach nicht, wie man am besten mit dir kommunizieren kann, weil du an einem Tag der liebste Mensch überhaupt bist und am nächsten schaust du mich an, als würdest du mich umbringen wollen."

Es ist, als ob eine Last von meinen Schultern fällt, als ich all das ausspreche. Ich fühle mich plötzlich freier, als hätte ich endlich den Mut gefunden, die Wahrheit zu sagen, die mich schon so lange belastet. Doch dann wartet Stille. Ich sehe ihn an, warte darauf, dass er etwas sagt, irgendetwas, aber er schweigt. Nur sein Blick brennt sich in mich, und das Schweigen schmerzt fast mehr als alles, was er sagen könnte.

"Warum bist du nur so kompliziert?" murmle ich, mehr zu mir selbst als zu ihm, und versuche mich erneut aus seinem Griff zu befreien. Doch plötzlich packt er mich an beiden Schultern und drückt mich gegen die Wand. Die Luft entweicht aus meinen Lungen, und ich starre ihn schockiert an. "Bist du jetzt endlich fertig?" Seine Stimme ist kalt, fast gleichgültig, als ob meine Worte ihn gar nicht berührt hätten. Ich öffne den Mund, um zu protestieren, aber bevor ich sprechen kann, legt er seine Hand auf meinen Mund und drückt sie fest zu. "Heute redest du wieder so viel," sagt er mit einem süffisanten Lächeln und schnalzt dabei mit der Zunge.

Ich spüre, wie seine Nähe mich völlig überwältigt. Unsere Körper sind so nah beieinander, dass ich jeden Atemzug von ihm spüren kann. Mein Herz beginnt schneller zu pochen, als hätte es plötzlich Angst bekommen. "Wann haben wir eigentlich zuletzt so richtig rumgemacht?" fragt er leise, fast beiläufig, während sein Blick auf mir ruht. Ich starre ihn an, mein Kopf wirbelt vor Verwirrung.

Was zur Hölle geht hier vor sich? Ohne lange nachzudenken, beiße ich in seine Handfläche, die noch immer meinen Mund bedeckt, und nutze den Moment seiner Überraschung, um ihn von mir wegzudrücken. Dann drehe ich mich um und gehe einfach weg, ohne mich auch nur ein einziges Mal umzusehen. Mein Herz schlägt wild in meiner Brust, während ich mich entferne, und ich frage mich, was zum Teufel gerade passiert ist. Ich gehe schnell, fast rennend, um möglichst viel Abstand zwischen uns zu bringen. Meine Gedanken wirbeln wild durcheinander, doch bevor ich wirklich klar denken kann, höre ich seine Schritte hinter mir. "Arin, warte" ruft Kian, seine Stimme klingt fordernd, fast befehlend.

𝐏𝐟𝐥𝐢𝐜𝐡𝐭 𝐮𝐧𝐝 𝐒𝐞𝐡𝐧𝐬𝐮𝐜𝐡𝐭Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt