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______HARRY 𓆸___

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______HARRY 𓆸___

Flashback

„Du beschützt uns doch, oder, Harry?“, fragte mein kleiner Bruder an einem Weihnachtsabend vor etwa zwei Jahren.

„Natürlich. Aber warum denkst du, dass ich das jemals tun muss?“, entgegnete ich, während ich ihm sanft durch sein schwarz gelocktes Haar strich.

„Ich weiß nicht … da ist dieses komische Gefühl in meinem Bauch“, murmelte er und zog seine Knie an sich heran, um seinen Kopf darauf zu betten. Sein Blick glitt zum Weihnachtsbaum vor uns. Der war nur auf einer Seite geschmückt – für den Rest hatte der Schmuck nicht gereicht. Aber das störte uns Kinder nicht.

„Mach dir keine Sorgen. Ich werde dich immer beschützen, hörst du?“ Ich lächelte und drückte sanft seine kleine Hand.

„Ich hab Angst, dass du uns irgendwann verlässt. Du bist älter als ich, älter als Ophelia. Du könntest längst alleine wohnen …“ Seine Stimme war kaum hörbar. Er biss sich auf die Lippe, während sich Tränen in seinen Augen sammelten.

Sofort nahm ich beide seine Hände in meine. „Ich werde euch niemals verlassen. Und wenn ich doch einmal gehe, dann komme ich euch besuchen – immer. Ich lasse nicht zu, dass euch etwas passiert“, flüsterte ich. Vincent schlang seine Arme um mich. Es war einer dieser seltenen Momente, in denen er nicht verschlossen war, sondern voller Sorge – ich konnte seine Angst spüren, die ihn immer wieder einholte.

Flashback Ende

Mein Herz pochte schwer, während ich stumm zur Zimmerdecke starrte. Wenn Drakan nicht da war, sperrte er mich stets im Schlafzimmer ein. In diesen Momenten wurde die Sehnsucht nach meiner Familie unerträglich. Ob es Vincent gut ging? Und meiner kleinen Schwester Ophelia, deren Leben doch gerade erst begonnen hatte?

„Ich habe versagt“, flüsterte ich in die Stille und vergrub mein Gesicht in den Händen.

Wie sollte ich selbst Vater werden, wenn ich nicht einmal meine eigene Familie beschützen konnte? Ich verfluchte mich dafür, dass ich mich in Dracos Arme hatte fallen lassen. Er war ein Malfoy – wie hatte ich nur glauben können, dass er anders war? Er war mitverantwortlich für all das hier. Hätte er damals nur geschwiegen ...

„Ich hasse dich. Ich hasse dich dafür, dass mein Herz nicht aufhören kann, so wild zu schlagen, wenn ich an dich denke!“, murmelte ich, während ich mich zur Seite drehte und die verschlossene Tür anstarrte.

Solche Gefühle sollte ich nicht für meinen Schwager empfinden. Ich sollte ihn hassen – nichts weiter.

Genervt richtete ich mich im Bett auf – und erstarrte, als ich hörte, wie sich die Türklinke bewegte. Kurz darauf drehte sich der Schlüssel im Schloss. Firion trat ein.

„Firion dachte, Harry Potter hätte Hunger. Der jüngere Sohn der Malfoys bat mich, Ihnen diesen Brief zu überreichen“, sagte er mit gesenktem Blick und stellte ein Tablett mit Obst und Brötchen samt Marmelade vor mir ab.

„Danke …“, murmelte ich leise und nahm ihm das Tablett ab. Zögernd hob ich den weißen Briefumschlag auf. Mit einer leichten Verbeugung verließ Firion das Zimmer wieder –

Mit zitternden Fingern öffnete ich den Umschlag und entfaltete das Blatt Papier.


Hey,

Geht es dir gut?
Meine Eltern sitzen gerade im Wohnzimmer.
Ich dachte, du hast vielleicht Hunger – Firion hat mir geholfen.
Bitte gib mir ein Zeichen, dass es dir gut geht.

In Liebe,
Draco

Ich starrte das Essen an, doch in meinem Magen wütete längst ein Sturm. Ekel mischte sich mit Hunger. Ich war noch immer wütend – wütend auf Draco, der mich in diese Lage gebracht hatte. Hatte ihn jetzt etwa das schlechte Gewissen eingeholt?

Aber ich würde es ihm nicht so einfach machen.

Ich stand auf, griff nach einem Blatt Papier und einem Stift, kritzelte ein paar Worte darauf und schickte den Zettel mit einem einfachen Zauber zu ihm zurück.

Firion hatte vergessen, die Tür zu verriegeln – das war meine Chance. Mit einem Rest von Mut verließ ich das Zimmer und atmete erleichtert auf, als ich nach Tagen endlich wieder etwas anderes sah als diese vier Wände. Drakans Drohung hallte zwar noch immer in mir nach, aber mein knurrender Magen und ein sanftes Ziehen im Unterleib lenkten mich ab.

Ich legte vorsichtig meine Hand auf den Bauch. Mein Unterleib fühlte sich fester an als sonst – vielleicht war es das Baby, das langsam in mir heranwuchs.

Leise schlich ich mich in die Küche und öffnete den Kühlschrank. Mein Stolz verbot mir, Dracos Essen anzurühren. Stattdessen griff ich nach Milch und Müsli, schüttete es in eine Schüssel und setzte mich an den Küchentisch.

Doch plötzlich zuckte ich zusammen – die Haustür, nicht weit von der Küche, fiel mit einem lauten Knall ins Schloss.

An den Schritten erkannte ich sofort: Drakan. Er kam direkt auf das Schlafzimmer zu. Panik durchfuhr mich. Ich schob hastig die Schüssel weg und blickte mich hektisch um. Schließlich versteckte ich mich hinter der großen Gardine – es war die einzige Möglichkeit. Wenn er bemerkte, dass ich das Zimmer verlassen hatte, würde es ungemütlich werden.

„Wo ist er?!“, brüllte Drakan, seine Schritte polterten die Treppe hinunter. „Wer hat euch erlaubt, das Schlafzimmer zu betreten?!“

Durch den schmalen Spalt der Gardine sah ich, wie er wütend nach Firions Gewand griff.

„Firion weiß nicht, wo Potter ist … Firion hat versehentlich vergessen, die Tür zu schließen“, murmelte der Hauself. Sein Blick huschte nervös zur Küche.

Drakan stieß ihn unsanft von sich, sodass Firion rücklings auf den Boden fiel. Dann betrat er die Küche.

Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Ich konnte spüren, wie sich seine Wut auflud. Ich wollte es nicht schlimmer machen. Also trat ich zitternd hinter dem Vorhang hervor.

„Es tut mir leid. Ich hätte das Schlafzimmer nicht ohne deine Erlaubnis verlassen dürfen … aber ich hatte Hunger“, sagte ich leise.

Er ballte die Fäuste.

„Warum kannst du nie einfach tun, was man von dir verlangt?“, knurrte er und trat auf mich zu. Seine Finger schlossen sich fest um mein Handgelenk.

„Wenn du nicht hörst, brauchst du eben eine Strafe. Meinst du nicht auch?“

Ohne auf eine Antwort zu warten, zerrte er mich ins große Esszimmer. Der Tisch war vollständig gedeckt.

„Diesen Teller benötigen wir heute nicht. Entferne ihn, Firion“, befahl Drakan scharf und setzte sich auf seinen Stuhl. Dann drückte er mich grob zu Boden.

„Dein Kopf bleibt unten. Und wage es ja nicht, ihn zu heben – sonst gibt es heute Abend auch nichts zu essen.“

Hastig nickte ich und senkte meinen Blick.
Ich wusste, es war eine dumme Idee gewesen, das Zimmer zu verlassen ...

Die Sehnsucht in dir Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt