Ein erzwungenes Schicksal. Eine verbotene Liebe. Ein gefährliches Geheimnis.
Harry Potter wollte nie mehr, als sein eigenes Leben zu leben - frei von den Zwängen, die ihm schon als Kind auferlegt wurden. Sein Traum: Aus Liebe zu heiraten. Doch die P...
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______Drakan𓆸______
Mein eigener Bruder. Und mein Ehemann.
Ich starre auf die leere Stelle im Raum, wo Harry vor wenigen Stunden noch stand — so ruhig, so lächelnd, als sei überhaupt nichts passiert. Vor meinem inneren Auge sehe ich ihn noch einmal: das dünne Glas Kirschsaft in seiner Hand, die feinen Adern an den Fingern, das kaum merkliche Zittern. Es ist ein Bild, das sich in meine Netzhaut eingebrannt hat. Ich hätte es merken müssen.
„Wie dumm von mir“, murmele ich und lasse die Serviette achtlos auf den Tisch sinken.
Er hat mich hintergangen ...
Am Kamin knirscht meine Stiefsohle auf dem kalten Stein. Ich schiebe die Asche beiseite, die Hitze ist nur noch eine Erinnerung, doch unter einem verkohlten Rand schimmert etwas — Pergament, halb schwarz, halb unversehrt. Ich ziehe es heraus. Nur ein Bruchstück, ein halber Satz, halb verkohlt und doch klar genug.
„…Es ist die Hölle, Draco, er hat keinerlei Liebe in sich.“
Ich presse das Papier in der Faust, so fest, dass die Knochen meiner Finger schmerzen. Das Pergament bricht. Die Worte bleiben. Die beiden sind wahrscheinlich zusammen fort.
Etwas in mir flammt auf — heiße Wut, schneidend wie Glas. Doch ich zwinge sie hinunter, glätte mein Gesicht. Wut nützt nichts. Wut ist ein Ausbruch. Kontrolle ist Macht. Kontrolle ist Überleben.
„Severan soll seine Leute losschicken“, sage ich leise, die Stimme so ruhig, dass sie fast wie eine Anweisung klingt. „Jemand muss sie gesehen haben. Irgendwo.“
Mein Diener neigt den Kopf, verschwindet ohne ein weiteres Wort, und die Stille kommt zurück wie eine zweite Haut. Ich bleibe allein im Halbdunkel. Harry. Mein geliebter — und mein Verräter. Ich habe ihm alles gegeben: Schutz, Einfluss, ein Zuhause, Und er wendet sich gegen mich, mit Draco meinem Bruder.
Mein Mund formt ein Lächeln, doch es erreicht nicht die Augen. Es ist kein Lächeln der Zärtlichkeit, eher eines, das langsam schneidet. „Wenn du dachtest, du könntest mich einfach verlassen, Harry…“, flüstere ich, „…dann hast du mich nie wirklich gekannt.“ Ich schiebe den alten Polsterstuhl zurück, die Kufen quietschen, und mache mich auf den Weg in den Keller.
Die Dunkelheit dort ist eine andere Art von Stille: dichter, enger. „Vincent!“, knurre ich, und meine Stimme wirft einen Schatten in die Ecken. Eine kleine Gestalt tritt hervor, kaum so groß wie meine Hüfte. Die Brille auf seiner Nase ist viel zu groß, die Gläser schimmern im Funzellicht — eine verquerere Kopie von Harry, jünger, verletzlicher, unnütz für meine Zwecke, doch nützlich auf andere Weise. „I-ich habe den Boden geschrubbt, wie du es verlangt hast“, stammelt er. „Lässt du mich jetzt meinen Bruder sehen?“
Ich greife ihn am Kragen, ziehe ihn näher. Sein Atem riecht nach Dreck und Angst. „Du wirst ihn nie wieder sehen. Verstanden?“, frage ich und meine Stimme ist so kalt wie Marmor. „Und frag mich nicht noch einmal nach ihm — er ist ein Verräter, eine Schande für die Familie.“
Er schwankt, versucht, sich auf den Beinen zu halten. „Aber du hast es versprochen!“, klingt es weinerlich, und die Worte zerbrechen wie dünnes Glas. Als ich das Licht anknipse, sehe ich, wie Tränen seine Wangen hinunterlaufen. Er versucht, sie wegzuwischen, doch vergebens.
„Selbst schuld, wenn du einem Malfoy vertraust“, sage ich bitter. Er wischt sich hastig mit dem Handrücken das Gesicht, die Finger zittern. Seine Hände sind schmutzig, seine Kleidung schlaff — ein Kind, das zu schnell erwachsen gemacht wurde. Ganz ehrlich: die Verantwortung lastet schwerer, als ich es eingestehen will. Ich bin erschöpft, und doch ist da dieser kalte Kern, der keine Schwäche duldet.
Wenn Harry fliehen konnte, dann hat er mehr riskiert, als er eingeschätzt hat. Ich werde dafür sorgen, dass diese Flucht ihm teuer zu stehen kommt. Ich packe Vincent fester, ziehe ihn durch den Flur in ein noch kälteres Zimmer. Kein Bett — nur eine Mattensatz auf rohen Dielen. Keine Figuren, keine Bücher, keine Bequemlichkeiten. Seine Comics sind nicht mehr da.
Seine Augen suchen meine, flehend und groß. „Meine Comics! Bitte nimm sie mir nicht weg!“, fleht er.
Ich gehe hinaus, trete in das kalte Treppenhaus, greife nach der Kiste mit seinen Heften und komme zurück. Ich halte sie ihm hin, ein falsches Angebot. Sein Finger streckt sich nach einer glänzenden Ecke, doch als er greifen will, ziehe ich die Kiste weg. „Große Jungs brauchen keine Comics mehr“, gebe ich ihm zur Antwort. „Lies lieber dieses.“ Ich murmle das Wort wie eine Bestrafung und beschwöre mit einem kurzen „Accio“ ein Buch von der hohen Ablage. Es knallt ihm in die Hand: „Wie man ein guter Butler wird.“
Er betrachtet das Buch stirnrunzelnd, dann wirft er es auf die Matratze, als sei es eine Beleidigung. „Du hast mir versprochen, mich rauszulassen. Du hast gesagt, ich darf meinen Bruder sehen. Warum brichst du dein Wort?!“ Seine Stimme gerät außer Kontrolle, er schlägt verzweifelt mit den kleinen Fäusten gegen meine Brust. Seine Verzweiflung ist nicht gespielt.
„Sag das deinem Bruder“, zische ich. „Er ist abgehauen, obwohl er wusste, was auf dem Spiel steht. Er hat dich im Stich gelassen. Deine Eltern haben euch im Stich gelassen. Du solltest dankbar sein, dass ich dir ein Dach über dem Kopf gebe.“
Er schluchzt. „Aber meine Schwester — wo ist sie?“
Ich spüre, wie etwas unter der Oberfläche von mir zuckt. Ich unterdrücke den Reflex, mich umzudrehen und ihm beinahe die Wahrheit ins Gesicht zu schleudern. Stattdessen antworte ich kurz: „Das geht dich nichts an.“ Ich gehe zur Tür, die Hand an der Klinke, und füge hinzu: „Du solltest beten, dass ich dich heute nicht für diese Unverschämtheit bestrafe.“ Es ist eine Drohung, berechnet und eiskalt.
Vincent ist nur eine bestechung, ein Druckmittel — ein Kind aus Potters Linie, und doch ein Mittel zum Zweck. In seinen Händen halte ich das, was mir helfen könnte, die Fäden zu ziehen: Informationen, Nähe, eine emotionale Verbindung, die ich ausnutzen kann. Er hat die Ehre der Familie nicht nur verletzt; er hat sie in Gefahr gebracht. Ich habe nicht vor, Mitleid walten zu lassen.
Wütend schlage ich die Tür zu. Er prügelt und schreit gegen das Holz, tritt mit bloßen Füßen; die Flüsse seiner Angst malen kreisende Spuren in die Luft. Oben, auf dem Dachboden, liegt seine kleine Schwester in einer provisorischen Wiege, dünn eingehüllt, mit nur dem Nötigsten: Flasche, Windeln, das wenige, was ich zugestand. Ihr Laufgitter bleibt ihr Gefängnis. Vincent darf den Keller nicht verlassen. Sie sind beide klein, eingesperrt in meinem Reich — und ich bin derjenige, der die Regeln bestimmt.
Als ich die Kellertreppe hinaufsteige, balle ich die Hände zu Fäusten und beiße mir auf die Lippe. Es ist nicht nur Verrat. Es ist Demütigung. Es ist eine persönliche Beleidigung an meiner Macht und an der Ordnung, die ich geschaffen habe. Jemand hat ihm zur Flucht verholfen — und das kann nicht unbeantwortet bleiben.
Die Nacht draußen ist kalt. Der Wind zieht durch die Mauerritzen, trägt die entfernten Geräusche der Stadt heran, aber hier, in meinem Haus, dreht sich alles um einen Verrat, der wie ein schwarzes Loch alles verschlingt, was ich aufgebaut habe. Ich taste nach dem Mantel an der Garderobe, meine Finger finden den Stoff, und ich weiß, dass die Jagd begonnen hat. Ich werde meinen Schmerz in Kalkül verwandeln; aus Zorn mache ich Strategie. Harry wird dafür büßen — das schwöre ich mir mit jedem Atemzug. Und wer ihm geholfen hat, wird ebenso wenig davonkommen ...