Kapitel 37 (Nea)

445 19 0
                                        

"Das Zeug brauch ich jetzt", meinte Wendy zu mir, als wir in der Bar saßen - gegenüber an einem Holztisch. Sie trank von dem Whiskey und ich trank einen kräftigen Schluck vom Corona.
"Da stimme ich dir zu", meinte ich und nickte.
"Eigentlich hätte ich Jax darum gebeten, aber er war ja nicht da."
"Ja, Clubinterna", meinte ich. "Ihr wart verheiratet. Also du und Jax."
Wendy nickte. "Ja, er hat die Scheidung eingereicht, gab Probleme. Er vögelt sich jetzt durch die Gegend. Und so wie er dich immer anguckt, hat er dich schon mehrmals als einmal in seinen Gedanken ausgezogen."
"Probleme, wegen den Drogen die du nimmst?", fragte ich und blickte Wendy an. Ich hatte keine Lust über Jax zu reden. Absolut keine Lust.
"Das geht dich jetzt aber wirklich nichts an", motzte Wendy mich an.
"Naja, schon irgendwie. Ich hab dir vor nicht mal einer halben Stunde dabei geholfen-"
Ich wollte Wendy mit ihrem Dealer, der sie immer wieder übers Ohr zog helfen und ich wollte auch endlich mal aus dem Clubhaus raus. Ich konnte es nie länger irgendwo aushalten, die ganze zeit die selben Gesichter sehen, und zu wissen, dass ich hier für eine Weile eingesperrt war, machte mich absolut Kirre.
Und naja, außerdem war ich verwirrt wegen Juice. Was war das hier eigentlich zwischen uns? Nur so was lockeres, oder doch etwas nicht so lockeres.
"Sei leise!", unterbrach Wendy mich und schlug leicht auf den Tisch. "Ich hab nichts mehr. Ein beschissenes Leben, das hab ich. Und mit dem Crank wird es besser."
Wendy kratzte sich die Einstiche an den Armen und ich schüttelte nur dem Kopf.
"Hast du jemals Gras geraucht?", fragte ich sie.
Wendy nickte.
"Ich rauche das Zeug schon seit Jahren. Ich bin zwar nicht abhängig, aber ich mach das nur, um einen freien Kopf zu bekommen. Und ich hatte nie das Verlangen auf Crank, oder andere Drogen. Nie. Und weißt du wieso, dass bei dir anders geworden ist?"
Wendy blickte mich fragend an.
"Weil du verdammt noch mal schwach bist", sagte ich und trank noch einen Schluck vom Bier, ehe ich aufstand und zu Wendy guckte. "Das geht ja wohl als Ausgleich auf dich, hm?"
"Miststück", meinte Wendy.
Ich blieb stehen und ging Rückwärts zurück.
"Du bist ziemlich undankbar", bemerkte ich und stierte auf Wendy herunter. "Meine Mutter, hätte mich schon längst mit ihren Hausschuhen beworfen, die sie zufällig vorher mit einem Stein verwechselt hätte."
"Du drohst mir?", fragte Wendy mich.
"Nur eine kleine Warnung, dass du dich lieber nicht mit mir anlegen solltest. Sonst wirst du wie dein Dealer enden."
"Was hast'n daran nicht verstanden im Clubhaus zu bleiben?", hörte ich Juice fragen. Wenig später blieb er neben mir stehen.
"Hey, Juice", begrüßte Wendy ihn.
"Ja, hi", meinte Juice und blickte Wendy nicht mal an. "Im Ernst, hattest du Kartoffeln auf den Ohren, oder wieso bist du einfach abgehauen?"
"Komm runter. Ich hab nur Wendy geholfen. Jax war ja nicht da. Also."
"Okay und um was ging es?", fragte Juice.
Wendy blickte mich warnend an.
"Frauenprobleme", meinte ich und blickte zu Juice, der die Augen leicht zusammen kniff.
"Okay, darf ich dir dann die Ehre erweisen und dich zurück zum Clubhaus bringen?", fragte Juice.
"Uhm, eigentlich wollte ich noch bleiben", meinte ich und deutete auf mein Bier.
"Wolltest du das?", murmelte Wendy leise.
"Du bist doch aufgestanden", meinte Juice.
"Weil ich für kleine Mädchen musste", sagte ich.
"Ein Bier kannst du auch im Clubhaus trinken, sowie die Toilette benutzen."
Ich seufzte und nickte. "Klar, wieso nicht."
"Ciao, ihr beiden", meinte Wendy und ich warf ihr einen angesäuerten Blick zu, als ich Juice nach draußen folgte.

"Bist du jetzt mein Aufpasser?", fragte ich Juice, als wir auf dem Gelände des Clubhauses waren. Ich war von seinem Bike auf gestanden und schaute Juice an, der noch auf dem Bike saß.
"Nein, ich hab mir nur sorgen gemacht."
"Ich kann auf mich alleine auf passen", meinte ich und schnitt eine kleine Grimasse.
"Ach, ja?"
Ich öffnete meine Handtasche am Reißverschluss und zog meine Beretta M9 hervor.
Juice schien wenig beeindruckt. "Aha."
Ich steckte die Waffe wieder weg und blickte Juice an.
"Ich kann verstehen, wenn du dich eingeengt fühlst und am liebsten für eine Weile abhauen willst, weil du nicht weißt, was mit uns los ist. Sammy meinte, dass du mich wohl ziemlich mögen tust, wirklich dolle - dass wenn es dir zu schnell geht und du nicht weißt was los ist, dass du gerne mal die Flucht ergreift. Das du Angst hast."
"Hat Sammy das?", fragte ich biss die Lippen aufeinander.
Sammy war tot. Sammy war so was von tot. Wie konnte die das Juice einfach sagen. Und ich und Angst? Soweit kam es ja noch!
"Ich- ich habe nie angst. Ich kann im Gegensatz zu Sammy mit Menschen reden, ohne besoffen zu sein."
Wütend stampfte ich mit dem Fuß auf den Boden und machte mich dann auf dem Weg zum Clubhaus. Laut fluchend und meckernd, wohlgemerkt, als ich den Flur mit den Schlafzimmern entlang ging.
"Was ist denn bei dir kaputt?", fragte Jax mich, der gerade aus seinem Zimmer kam.
"Nichts. Es ist alles Bestens. Ich werde meiner besten Freundin nur den Hals umdrehen. Aber sonst läuft es bei mir ja gerade ziemlich prächtig!"
Jax schien Irrtiert, dass ich wirklich so an die Decke gehen konnte.
"Was hat Sammy gemacht?", fragte Jax.
"Das. Das geht dich beim besten Willen ja mal überhaupt nichts an!"
Ich schubste Jax bei Seite und stampfte auf Sammys neues Zimmer zu.
"Sammy!"

Charming- Our Name Says It All (SonsOfAnarchyFF)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt