Kapitel 25

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Matthew neben ihnen seufzte. „Ausserdem", begann er und Lucinda ahnte schon, dass er einen unbrauchbaren Kommentar abgeben wird, „hätte sie sich, wenn wir sie ausgeschlossen hätten, nur noch mehr in Gefahr gebracht."

Lizzie protestierte gekränkt, aber Lucinda war ausnahmsweise dankbar, dass Matt sie an dies erinnerte. „Da hast du Recht", meinte sie über Lizzies Proteste hinweg. Ein Passant mit einem Hund schaute kurz zu ihnen.

„Hast du gerade gesagt, dass ich Recht habe?", fragte Matthew ungläubig nach und beugte sich vor, die Arme verschränkt.

Lucinda schüttelte überrascht den Kopf. „Was? Wer? Ich? Nein, niemals. Du hast dich bestimmt verhört." Auf keinen Fall würde sie das wiederholen.

Lizzie hielt mitten in einer Beleidigung inne. „Ihr seid kindisch", motzte sie.

Lucinda und Matthew schauten zu ihr. Lizzie sah kurz auf und begegnete ihren Blicken. Und gleichzeitig brachen alle drei in Lachen aus. Zum ersten Mal, seit Lucinda Matthew nackt gesehen hatte, lachte sie wieder herzlich. Sie lachten über Lizzies Kommentar aber auch als Befreiung in dieser ernsten Situation. Und immer noch halb grinsend meinte dann Lucinda: „Leute, wenn ihr wissen wollt, was wir jetzt ab besten machen, müsst ihr euch kurz konzentrieren." Sie machte eine Pause, bis sie sicherging, dass beide zuhörten. Sie wollte die Importanz des Spionierens nur einmal erklären. „Wir werden ja, wie gesagt, erst von aussen beobachten, also-"

Lizzie unterbrach sie fragend. „Du meinst, von aussen spionieren?"

„Ähm." Lucinda schaute verdutzt. „Ja. Zuerst horchen wir ihn aus. Wir dokumentieren sein Leben. Wie gesagt so lange, bis wir einen Roman schreiben könnten. Wir müssen jedes Detail wissen, genauer als wir es überhaupt von uns selbst wissen." Lucinda schaute abwechselnd Matthew und Lizzie in die Augen, so wie es die Professoren gerne taten. „Dann werden wir intern zu handeln beginnen. Wir sprechen mit Leuten, die ihn kennen. Wir fragen nach, wo wir mehr über ihn erfahren könnten. Wir treten unbemerkt auf die Bildfläche." Wieder setzte sie einen dramatischen Moment der Stille ein, dann schloss sie: „Und dann kommt die aktive Handlung, nämlich die Erlösung des Mörders."

Lizzie und Matt sagten für eine Weile nichts, als warteten sie, ob noch eine Ergänzung kam. Als sie merkten, dass Lucinda fertig war mit ihrer Erklärung, sagte Matthew: „Und ich nehme an, du hast dir schon über die Details Gedanken gemacht?"

Lucinda kniff die Augen zusammen. „So gut das im jetzigen Stadium geht, ja", erwiderte sie betont geduldig. „Wir brauchen mehr Informationen darüber, was er ausserhalb des Hauses tut und was er auf seinen elektronischen Geräten treibt." Nur wusste sie nicht, wie sie an diese Informationen rankommen sollte. Klar war sie qualifiziert in den Sachen, aber meistens hatte sie diese tiefgründigen Informationen von der Akademie geliefert bekommen und sie hatte folglich keine Ahnung, wie sie an die Daten seines Laptops kommen sollte. Sie musste irgendeinen Informatiker finden.

„Kennt ihr jemand, der gut hacken kann?", fragte sie nachdenklich und durchforschte ihr Gedächtnis nach all den Gästen und Freunden, mit denen sie in den letzten Monaten kommuniziert hatte. Aber noch nie hatte jemand erwähnt, er sei Informatiker. „Matthew, können Männer das nicht normalerweise?", fügte sie dann hinzu, den Blick grübelnd auf den Fluss gerichtet, der langsam so dunkel wie der Himmel wurde.

„Ich hab andere Talente", meinte Matthew genervt. „Aber ich kenne vielleicht jemanden, der uns helfen kann."

Erstaunt schaute Lucinda zu ihm, ihre Flügel stellten sich aufgeregt auf. Kamen sie tatsächlich einen Schritt weiter? „Und wer ist das? Kannst du ihn kontaktieren?"

„Nein, ich sage nur, ich kenne jemanden, aber ich kann ihn nicht erreichen", erwiderte Matthew und erst als er auflachte, merkte Lucinda, dass er es ironisch gemeint hatte. Es war jetzt echt nicht der richtige Moment, um Witze zu reissen, fand sie. „Ja, bis morgen hab ich eine Antwort", sagte Matt dann besänftigend, als er Lucindas finsteren Blick sah. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass das klappen kann."

Womöglich wollte er sie nur beruhigen, aber vielleicht hatte er auch wirklich Grund für diese Aussage und letztere Variante gab Lucinda einen warmen Hoffnungsschimmer. „Super, danke, Matt", sagte sie ehrlich und schenkte ihm ein Lächeln. „Das ist gut. Ich kann schauen, ob ich in der Arbeit etwas herausfinde. Morgen besorg ich mir noch kleine Aufnahmegeräte, mit denen wir sein alltägliches Leben spionieren können", fügte Lucinda hinzu und überlegte kurz, was für Technologien sie bereits hatten. „Und damit sollte das reichen." Erleichtert atmete sie aus. Wenn das alles klappte, hatten sie bald schon einiges getan, damit sie sich beruhigt zurücklehnen konnte und abwarten, was passierte. Die Aussicht auf Erfolg war beruhigend und der innere Stress von Lucinda legte sich allmählich. In dem Elektronikladen in der Nähe ihrer Wohnung musste sie noch kleine Kameras finden, die sie an die Kleidung des Mörders heften konnte oder solche, die sie in die Wohnung werfen konnte. Denn irgendwie musste sie mehr über sein Inneres herausfinden und selbst wenn sie einen Plan von seiner Wohnung hatte, musste sie sich vergewissern, dass dieser auch stimmte und nicht veraltet war. Dies erklärte sie kurz Lizzie und Matt, damit diese darüber im Bilde waren, was sie sich morgen noch besorgen würde. Bei ihren Worten schaute Lizzie kurz zu Matt, Lucinda sah, dass sie grinste.

„Ja, ich weiss, sie ist echt ein Profi", meinte Matthew gedämpft zu seiner Schwester, seine Mundwinkel zuckten.

Lucinda hob die Augenbrauen und versuchte zu verbergen, wie sehr sie dieses Kompliment freute. „Naja, der Mörder aber auch", meinte sie deshalb und presste die Lippen aufeinander.

„Aber wir schaffen das zusammen, Luce", beruhigte sie Lizzie, die immer positiv eingestellt war.

Lucinda konnte ihr nicht ganz wiedersprechen. Der Mörder war mal ihre Mission gewesen. Zwar hatte sie versagt, aber es war in ihrer Liga gewesen und völlig machbar. Natürlich war das hier nicht mehr dieselbe Situation und das Ganze hatte sich durch verschiedene Umstände sehr erschwert, aber alles in allem war es realisierbar. Und das war auch der Grund, warum Lucinda es überhaupt durchzog und vor allem der Grund, warum sie die beiden daran teilhaben liess. Niemals würde sie ein kleines Mädchen und einen jungen Mann derart gefährden, wenn sie nicht damit rechnete, dass es gelingen konnte! Dass die beiden so viel Zuversicht in Lucinda hatten und ihr dies auch – je nach dem offensichtlich und weniger offensichtlich – zeigten, hatte tatsächlich einen Effekt auf Lucinda. Jetzt fuhr ein freudiges Kribbeln durch ihren Körper, als sie an die Mission dachte und daran, dass sie bereits Fortschritte gemacht hatten. Ja, Geduld war wichtig. Aber jeder Schritt war ein Schritt zum Ziel und man konnte jeden noch so kleinen Schritt feiern. Selbst dass sie schon etliche Aufzeichnungen über ihn hatten, versprach einen Fortschritt und bald würde weiteres folgen. „Ja, wir schaffen das, Kleine", bestätigte Lucinda. Ihr Blick lag auf Matthew.

***

Hättet ihr an Lucindas Stelle mit Matt und Lizzie zusammen gearbeitet? ;)

Und was denkt ihr über Matt und Luce? Betonung auf 'und' xD.

Freue mich über Feedback :).

Engelsschwingen - AusgestossenGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt