„Du willst dort arbeiten?" Offenbar war Matthew heute etwas schwer von Begriff.
„Das hat sie nur dem Lieferanten erzählt, oder, Lu?", antwortete Lizzie für sie und warf ihr dann einen leicht fragenden Blick zu.
Lucinda lachte und nickte. „Genau. Wobei ich auch nichts dagegen hätte in ein paar Jahren. Man verdient glaub ganz gut." Schliesslich war das Büchercafé bloss eine Zwischenlösung und wenn sich ihr Leben nicht noch drastisch veränderte, wollte sie, sobald sie erwachsen war, einen richtigen und guten Job haben.
„Aha", machte Matthew und hob einen Mundwinkel. „Gehört das denn schon zu Phase zwei?", fragte er dann hoffnungsvoll.
Lucinda nickte zögernd. „Ja, schon", meinte sie und beobachtete erfreut, wie Matthew sich deutlich mehr öffnete. „Obwohl es ja keine grosse Rolle spielt, wie du das jetzt nennst."
„Und wann ist das Fest?", fragte Lizzie, die schon ganz aufgeregt schien und um einiges ausgeschlafener als Lucinda.
„In acht Tagen, also am Samstag in einer Woche", sagte Lucinda und rief sich seine Mail in Erinnerung – die Einladung war noch auf dem Postweg. „Um sieben Uhr abends beginnt sie." Etwas zögernd sah sie zu Lizzie, sich fragend, ob sie häufig am Abend noch irgendwo hinging. Da Lucinda keine Geschwister hatte und selbst in der Akademie aufgewachsen war, wusste sie nicht so genau, ob das üblich war in dem Alter. Doch entweder war das normal oder Lizzie machte es nichts aus, denn sie nickte bloss und schien dann nachzudenken.
„Und was genau machen wir dann dort?", wollte Matthew noch wissen. „Ausser, dass Buffet zu suchen."
Lucinda lachte, nicht wissend, wie ernst er das gemeint hatte. „Erstens beobachten wir, ob unser Mörder da viele Freunde und Kontakte hat, denn das bedeutet immer, dass er mehr Möglichkeiten hat, gegen uns zu kämpfen, egal, in welcher Form", zählte sie auf. „Und zweitens ist das Fest in ihrem Hauptgebäude, das heisst, wir schleichen uns hoch und suchen einen Plan, auf dem seine Arbeitszeiten stehen." Das sollte gewöhnlich in der Administration zu finden sein, wenn es nicht gar irgendwo aufgehängt war. Um diese Information konnte sie den Lieferanten unmöglich bitten, denn das liess sich mit keinem plausiblen Grund rechtfertigen und sie musste unbedingt seine Sympathie behalten, zumal sie ihm viel verdankte.
„Und muss man sich schön anziehen?", wollte Lizzie wissen und schaute grinsend von Matthew zu Lucinda. Lucinda wollte gar nicht wissen, was sie damit sagen wollte, sondern beantwortete hastig ihre Frage, ohne zu interpretieren. „Ja, die Frauen müssen in eleganten Kleidern kommen und die Männer in Anzügen." Jetzt musste auch sie lächeln. „Habt ihr das? Oder müssen wir shoppen gehen?"
Lizzie und Matthew wechselten einen Blick. „Ich hab einen Anzug", sagte Matthew dann und wenn Lucinda sich nicht täuschte, errötete er. „Aber Lizzie hat keine eleganten Kleider."
Alle drei trugen, wie meistens, Jeans und T-Shirt, nicht besonders schick. Aber Matthew hatte wohl mal einen Anzug gebraucht. Lucinda hingegen hatte zwar massenhaft Cocktailkleider und Miniröcke, aber nichts Elegantes. Und ein Mädchen in Lizzies Alter hatte das wohl erst recht nicht in der Garderobe. „Okay, dann gehen Lizzie und ich mal zusammen shoppen!", bestimmte Lucinda erfreut. Sie freute sich sogar darauf, endlich wieder einmal etwas mit Lizzie zu unternehmen. Seit sie die Mission begonnen hatten, glitt das immer mehr in den Hintergrund, weil sie schlicht keine Zeit dafür hatten. „Ich bezahl es dir", fügte Lucinda noch hinzu. „Ich spare schon sonst die ganze Zeit." Für das Haus musste sie nicht viel ausgeben und auch ansonsten hielten sich ihre Ausgaben in Grenzen.
„Danke Lucinda", sagte Matthew höflich. „Das ist besser, wenn du es mit ihr kaufst."
Lucinda schaute ihn überrascht an, verblüfft über seine Worte.
„Yeah, danke Lu!" Lizzie lächelte glücklich und bewegte sich auf ihrem Platz auf dem Sofa, Lucinda riss sich von Matthew los. „Ich geh total selten shoppen", meinte Lizzie mit grossen Augen. Ihre langen, braunen Haare fielen ihr ins Gesicht und sie schaute durch sie hindurch zu Lucinda.
Lucinda lächelte ihre Freundin an und klopfte ihr etwas unbeholfen auf die Schulter. „Dann wir das ja höchste Zeit!", erwiderte sie und ignorierte Matthew, der belustigt die Augen verdrehte und etwas murmelte, das sich verdächtig nach „zum Glück habe ich schon einen Anzug" anhörte.
Die Shoppingtour war tatsächlich eine gute Abwechslung und Lucinda genoss die Zeit mit Lizzie alleine. Sie trafen sich am Montag nach ihrer Arbeit in der Stadt und spazierten in die ersten Läden, während erst Lizzie von ihrem Tag und ihrem neuen Buch erzählte, das sie las. Und danach wollte sie mehr über Lucindas Arbeit wissen und sie plauderten unentwegt, parallel ständig den Blick über das Angebot gleitend, auf der Suche nach schönen Kleidern.
Erfreut stellte Lucinda fest, dass Flügelwesen beim Shoppen nicht benachteiligt waren. Die Kleider waren immer doppelt in den Läden, einmal so geschnitten, dass Flügel durchpassten und einmal für Fussmenschen. Für einen Moment hatte sie nämlich befürchtet gehabt, dass sie Schwierigkeiten haben würde, mit ihren Flügen ein Kleid zu finden, denn in der Akademie hatte sie immer in Läden extra für Sotíras eingekauft. Doch zum Glück war dem nicht so und Lucinda entspannte sich wieder.
Die beiden verbrachten die erste halbe Stunde damit, in Läden hinein und enttäuscht wieder hinauszugehen. Elegante Kleider gehörten nicht zum Grundsortiment und obwohl sie in einer der Hauptstrassen der Stadt waren, in denen es Unmengen von Shops gab, mussten sie eine Weile lang suchen. Endlich kamen sie in einen Laden, der speziell Kleider für Frauen und Mädchen verkaufte und Lucinda war froh, dass Lizzie für ihr Alter eher gross war und sie somit im selben Laden einkaufen konnten. Der Laden war schön gestaltet, die Kleider waren nach Stil angeordnet und einige Verkäuferinnen wuselten in den Gängen umher. Helles Licht gab gute Sicht auf die Kleider frei und der Laden war gut besucht, vor allem von Gruppen von Frauen oder Teenagern. Die Kleider waren in allen Längen, Farben und Formen, stellte Lucinda passiv fest. Wenn sie hier nichts fanden, wusste sie auch nicht weiter.
Lizzie, die gerade mitten in einer Erzählung über eine Freundin war, hielt in dem Laden plötzlich an und deutete grinsend auf ein Kleid. „Wow, das ist schön, Luce", schwärmte sie. „Das musst du anprobieren."
Lucinda schaute, wohin sie zeigte. An einem Kleiderhaken hing ein schwarzes, enges und langes Kleid, unten schräg abgeschnitten und mit einem schönen Ausschnitt. Es war tatsächlich sehr schön.
***
Langweilen euch so Shopping-Szenen?
Ist ziemlich typisch, aber ich persönlich lese noch gerne, was die Protas anziehen... Wie steht's bei euch?^^
& findet ihr die Handlungen und Charakteren bis jetzt glaubwürdig?
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Engelsschwingen - Ausgestossen
ParanormalLucinda hat Flügel, aber sie ist kein Engel. Vielmehr hat sie die Aufgabe, Menschen aus ihrem Leidwesen zu erlösen - die Seele des Menschen entscheidet, ob sie leben oder sterben werden. In der Akademie der Erlöser werden neben ihr noch massenhaf...
