Kapitel 34

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Lucinda klingelte bei Matthew zu Hause, nachdem sie sichergegangen war, dass der Mörder laut Kameras nicht hier war. Im Gang war es ruhig und sie hörte nur die Schritte hinter der Wohnungstüre. Ausnahmsweise war sie zu Fuss gekommen und auf dem Weg hatte sie dem Nicht-Medikamentenlieferanten eine Mail geschrieben, um ihre sich im Kreis drehenden Gedanken zu verdrängen und gleichzeitig etwas für ihre Mission zu unternehmen. Denn egal, wie lange sie während der Arbeit noch über Matthew nachgedacht hatte, sie wusste keine Antwort. Sie wusste nicht, was sie Matthew gegenüber fühlte und sie wusste nicht, was er ihr gegenüber dachte. Fluchend massierte sie ihre Schulter, während sie wartete, bis Matthew ihr öffnete. In ihre Mail vertieft, hatte sie einen Passanten übersehen und als sie ausgewichen war, hatte sie tatsächlich eine hektische Bewegung mit ihrem rechten Arm gemacht, sodass der bereits gezerrte Muskel wieder zu schmerzen begonnen hatte. Echt toll.

Die Türe ging auf und Matthew stand darin. Lucinda sah auf. Er trug eine Jeans und ein lockeres T-Shirt, seine Haare waren wie immer zerzaust. Kurz warf er einen Blick auf Lucindas Schulter, da sie immer noch die Hand dort hatte. „Oh, hallo, Lucinda", sagte er dann überrascht und nicht wirklich erfreut. Das würde doch anders klingen, wenn er sie mögen würde, oder? „Komm rein." Immerhin liess er sie rein und schloss sachte die Türe wieder hinter sich. Lucinda stand ungewohnt unsicher im Eingang herum.

Ein weiteres Mal sah sie sich in der Wohnung um, diesmal wusste sie, dass sie nicht identisch war mit der des Mörders. Die Drei hielten sich mehr in Lucindas Wohnung auf als in der der Geschwister, weil da die Gefahr allgegenwärtiger war. Deshalb wusste Lucinda nicht mehr genau, wie die Wohnung von Matthew eingerichtet war und erkannte jetzt, dass es überraschend schön und aufgeräumt aussah.

„Bist du noch verletzt?", fragte da auf einmal Matthew von hinten.

Lucinda zuckte zusammen und liess die Hand sinken. Errötend schüttelte sie den Kopf. Hatte sie ihre Schulter etwa gestern erwähnt gehabt? Für einmal sprach sie noch weniger als Matthew, der sie nun ins Wohnzimmer führte. Die beiden setzten sich auf das Sofa und nachdem Lucinda immer noch stumm war, meinte Matt sarkastisch: „Willst du mir beweisen, dass du auch ruhig sein kannst, oder gibt es einen anderen Grund für deinen Besuch?"

Lucinda hob den Blick, nicht in Stimmung für Witze, obwohl sie etwas lachen musste. „Hasst du mich?", platzte sie heraus und konnte ihm nicht in die Augen schauen. „Sei einfach ehrlich."

Matthew schaute schockiert drein. Seine dunkelblauen Augen musterten sie, als mache er sich Sorgen um ihren geistigen Zustand und er stemmte die Ellbogen auf die Knie. „Luce?", fragte er leicht irritiert und schien Zeit gewinnen zu wollen. „Was genau willst du damit bezwecken?"

Lucinda schüttelte hastig den Kopf. Nein, sie meinte das ernst! Das war kein Spiel, sondern eine ernste Frage! Sie konnte damit leben, wenn jemand sie nicht mochte oder ständig mit ihr stritt, wenn es einen Grund dafür gab. Aber nicht, wenn sie keine Ahnung hatte, was falsch war, nicht, wenn sie diese Person geküsst hatte... Erschrocken schnappte Lucinda nach Luft und sie merkte, dass ihre Augen seltsam brannten. „Nichts, Matt, ich... meine das ernst. Erklär's mir, warum bist du so mit mir?" Nun klang sie beinahe anklagend.

Matthew schaute sie immer noch verständnislos an, den Mund leicht geöffnet. Wahrscheinlich hatte Lucinda etwa so ausgesehen, als Carmen ihr die Situation hatte erklären wollen. Nur, dass jetzt Lucinda auch nicht wusste, was sie erklären sollte. „Ich befürchte, du musst das präzisieren", gab Matthew dann zu und warf ihr wieder diesen besorgten Blick zu. „Ich verstehe nicht, was du meinst."

Lucinda holte tief Luft und wollte zum Reden ansetzen, als es auf einmal an der Tür klingelte.

Matthew und Lucinda zuckten synchron zusammen und Matt sprang hastig auf. „Das ist Lizzie. Sie war in der Bibliothek." Damit rannte er zur Tür und öffnete sie, um seine Schwester reinzulassen. Und als diese den Raum betrat, war der Moment mit Matthew und Lucinda zu Ende. Dabei wusste Lucinda wieder einmal nicht, ob sie das gut oder schlecht fand

„Lucinda!", rief Lizzie angenehm überrascht, rannte zu ihr und nahm sie in den Arm.

Lucinda schlang die Arme um das Mädchen und vergrub ihr Gesicht in ihren kastanienbraunen Haaren und dachte sich dabei, dass es sich wohl so anfühlte, wenn man eine Person wirklich liebte. „Lizzie, alles gut?", fragte sie routinemässig und erntete ein Nicken von ihrer Freundin.

„Habt ihr schon mehr rausgefunden heute?", wollte Lizzie dann wissen, löste sich von Lucinda und schaute fragend zu ihrem Bruder. „Oder warum herrscht so Grabesstimmung?"

Matthew schaute stumm zu Lucinda, fast, als wolle er es ihr überlassen, was sie sagten. Lucinda zögerte. „I-ich hab dem Lieferanten eine Mail geschrieben", verkündete sie dann mit einem aufgesetzten Grinsen und kramte ihr Handy aus dem Hosensack. Sie wollte endgültig das Thema wechseln. „Mal schauen, ob ich schon eine Antwort habe." Ohne Matt oder Lizzie in die Augen schauen zu können, rief sie ihre Mails auf und lächelte erfreut, als sie eine neue Mail bekam. Sie war tatsächlich von dem Lieferanten und mit klopfendem Herzen klickte sie darauf.

„Er hat geantwortet", flüsterte sie und für einen Moment konnte sie Matts verwirrten Blick zu ihrer Rechten ignorieren. Sie las die Mail durch und ihre Hand zitterte immer mehr, je mehr Informationen sie las. Wow, der Lieferant hatte ihnen sehr weitergeholfen, angenommen, er sagte die Wahrheit.

„Was schreibt er?", fragte Lizzie aufgeregt und sie hopste zu ihr hin.

Matt stand noch an derselben Stelle und wirkte nachdenklich. Was er eigentlich immer tat.

Lucinda fasste zusammen: „Es ist der Mörder, der bei ihnen arbeitet. Ich sehe hier sein Foto und seinen Job, er hat mir das als Bild geschickt. Er arbeitet mit den Finanzen der Firma, also nicht direkt im Kontakt mit den Kunden, zum Glück. Dafür aber rechnerisch, was viel über seine Person aussagt..." Lucinda warf einen Blick auf ihr Handy. „Und der Lieferant sagte, er habe kaum Kontakt mit ihm, auch, weil er einen unsympathischen Ruf habe."

„Kann ich mal lesen?", bat Matthew und streckte die Hand aus. Er wich ihrem Blick geflissentlich aus, seine Stimme war emotionslos.

***

Was haltet ihr von der Stimmung zwischen Lucinda und Matt?

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