Kapitel 41

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Als sich die Drei den Büffet näherten und nach Tellern oder Servietten Ausschau hielten, spürte Lucinda die Blicke zweier Männer in der Nähe auf sich. Kurz warf sie ihnen einen Blick zu und errötend merkte sie, dass sie nicht etwa ihre Flügel anschauten, sondern ihren Körper in dem roten Kleid. Ihre Wangen wurden dunkelrot, als sie daran zurückdachte, wie Matthew bei ihrem Anblick reagiert hatte. Lucinda hatte die Haare gar nicht unbedingt wegen Lizzies Tipp hochgesteckt, aber offenbar hatte seine Schwester Recht gehabt, was seine Vorlieben anging. Matthew hatte die Augen geweitet und sie eine Weile lang bloss stumm und staunend angestarrt. Dann hatte er bemüht gefasst gesagt: "Schickes Kleid" und sie dabei taxiert. Lucinda war damals genauso verlegen gewesen, wie sie es jetzt wieder wurde, aber sie hatte sich natürlich sehr gefreut. Jetzt gab sie sich Mühe, sich auf ihre Mission zu konzentrieren und nahm sich hastig ein hohes Glas mit Champagner, das auf dem Büffet stand. Lizzie hatte einen Orangensaft in der Hand und Matthew tat es Lucinda gleich, dann nahmen sie alle drei ein klein geschnittenes Sandwich und stellten sich an einen freien Stehtisch.

Lucinda liess den Blick Ausschau haltend über die Gäste gleitend und schaute mit halbem Auge zu Matt und Lizzie, wie sie ihr gegenüber am Tisch standen. Sie schauten beide in Lucindas Richtung, aber mittlerweile wusste Lucinda, dass ihre Freunde schon geübt waren in Beobachtungen. Sie sah es an Lizzies Haltung und Matthews zuckendem Mundwinkel, dass die beiden ebenso die Umgebung begutachteten wie sie selbst es tat.

Mit einer geschmeidigen Bewegung und sehr gelassen nahm Lucinda ihr Champagnerglas in die Hand und tat so, als würde sie trinken. Wirklich Champagner trinken wollte sie nicht, denn es gelang mit leerem Magen schnell ins Blut und wer wusste, wo dieser Abend noch hinführte? „Dieser Typ dort rechts von mir mit der karierten Krawatte", sagte sie und schaute Matthew an. „Das ist doch der Mörder, oder?" Ihr Ton war, als würde sie über ein schönes Kleid sprechen und nicht über eine Bedrohung.

Lizzie beäugte ihr Sandwich und lugte ganz kurz zu Lucindas beschriebenem Ort. „Hm, hast Recht", sagte sie nickend, als würde sie zustimmen, dass die Spitze des Kleides tatsächlich sehr gelungen war.

Matthew drehte sich auf die andere Seite. „Manche Leute hier haben Nummern aufgeklebt", bemerkte er ebenso professionell wie die beiden Mädchen. Wieder herrschte eine Weile lang Ruhe am Tisch während Lucinda und Lizzie verifizierten, was Matthew gesagt hatte und Matthew sich nach dem Mörder umdrehte. Etwas nervös dachte sich Lucinda, dass sie bald eine normale Unterhaltung führen mussten, denn sonst wurde ihr Benehmen doch zu auffällig. Aber in der Tat trugen manche Männer hier einen Aufkleber mit einer vierstelligen Nummer darauf. „Ich vermute, das ist irgendeine Geschäftsnummer", sagte Lucinda nachdenklich und betrachtete das unberührte Sandwich vor ihr.

„Hat der Mörder auch eine?", fragte Matthew, ohne sich zu dem Mann umzudrehen.

Lizzie bewegte sich ein wenig, sie hatte ihr Sandwich bereits aufgegessen und auch Lucinda biss nun von ihrem ab, obwohl sie keinen Hunger hatte.

„Ja, er hat auch ein Schild", sagte Lizzie nach einer Weile und wandte sich wieder dem Tisch zu. „Was machen wir jetzt?"

„Wir sollten herausfinden, was der Mörder für eine Nummer hat", schlug Matthew nervös vor und warf Lucinda einen fragenden Blick zu.

Diese nickte anerkennend. „Genau. Irgendwann müssen wir noch den Lieferanten grüssen, schliesslich verdanken wir ihm die Einladung."

Lizzie nickte. „Okay, hast du ihn irgendwo gesehen?" Sie drehte sich erneut um, anscheinend fiel es ihr schwer, so lange an einem Ort zu stehen. Egal wie elegant sie in ihrem türkisenen Kleid aussah, sie war immer noch ein kleines, verspieltes Mädchen, das im Grunde genommen nicht an so einen Anlass gehörte.

Engelsschwingen - AusgestossenGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt