VOR FÜNFZEHN JAHREN
Sergey wurde wütend, noch bevor sein Vater die Hand erhoben hatte.
Adrenalin schoss durch seinen Körper und blitzschnell reagierte er, packte den Arm seines Vaters, riss ihn herum und schlug kräftig zu. Er würde sich nicht jahrelang von seinem Vater verprügeln lassen! Nicht jetzt, wo er langsam stärker wurde, das ging zu weit. Jetzt konnte er sich wehren und das würde er tun. Er war nicht mehr der arme, verdruckte Junge von vor fünf Jahren, nein, er stand für seine Rechte ein! Und dazu gehörte, dass er von jetzt an seinen Vater zuerst verprügelte und nicht wartete, bis dieser ihn in die Ecke gedrängt hatte.
Sein Vater wurde rasend vor Wut, als er merkte, dass Sergey Widerstand leistete. Sein Gesicht wurde über und über rot und seine Schläge unkontrollierter und härter. Sergey aber war sich das alles schon gewöhnt. Er kannte die Taktik seines Vaters langsam, wusste, wo dieser zuschlug. Im Gegensatz zu seinem Erzeuger aber, entwickelte Sergey sich weiter und jetzt war er schneller. Er schlug seinem Vater die Faust weg, bevor dieser traf, er drängte ihn gegen die Wand, bevor sich der Spiess umkehrte und er riss ihm die Flasche aus der Hand, bevor diese zu Boden fallen konnte.
Verschwitzt und voller Adrenalin war Sergey nun über seinem Vater und hatte ihn seinerseits gegen die Wand gepresst, schlug auf ihn ein und sah zu, wie sein Vater immer kleiner wurde und Sergey freute sich über jeden Treffer.
Doch wo vielleicht jemand anderes aufgehört hätte und in sein Zimmer gegangen wäre, hatte Sergey noch lange nicht genug. Er boxte auf seinen Vater ein, die hysterischen Schreie seiner Mutter daneben, bis Sergeys Vater blutend am Boden lag und sich kaum noch rührte.
Keuchend machte Sergey ein paar Schritte zurück.
-
Lucinda, Lizzie und Matthew gingen nervös auf das Gebäude zu, in dem die Party stattfand.
Sie hatten sich alle herausgeputzt und Lucinda hatte eine halbe Stunde damit verbracht, ihre Augen und Lippen zu schminken und dann ihre blonden Haare hochzustecken, damit sie älter aussah, als sie es war. Jedes Haar war nun an seinem Platz und ihr Kleid sass perfekt.
Es war ein warmer Tag und Lucinda hatte keine Strümpfe angezogen, ihre Füsse steckten in wunderschönen weissen High Heels, die sich an ihre Füsse schmiegten und sie vier Zentimeter grösser machten.
Lizzie hatte hübsche Sandalen angezogen, da sie in ihrem Alter noch keine Absätze hatte oder brauchte und Lucinda war ihrer jüngeren Freundin noch beim Anziehen zur Hilfe gekommen, als diese bittend angerufen hatte.
Lucinda warf Matthew einen Blick zu, als sie sich dem Eingang des Anlasses näherten. Er hatte die Einladungen in sein Jackett gesteckt und kramte nun darin herum. Tatsächlich stand ihm ein Anzug ausgezeichnet, Lucinda hatte ihn erst kaum wiedererkannt. Das Hemd und das Jackett betonten seine breiten Schultern und er hatte die dunklen Haare mit Gel etwas geordnet, sodass man endlich sein ganzes Gesicht sehen konnte.
"Hast du die Einladungen?", fragte Lucinda nach einer Weile und hielt an, als sie beim Eingang waren.
Matthew nickte und zog sie schlussendlich heraus. Lucinda hatte sie am Abend zuvor in ihrem Briefkasten gefunden und heute Morgen dem Mann der Gruppe übergeben. Die Einladung war schön verziert und in Farbe, sodass man es nicht so einfach nachmachen konnte. "Hier", sagte er und zeigte sie kurz Lucinda. Darauf stand, dass der Lieferant Lucinda, ihren Partner und Familie einlud.
Die Drei gingen nebeneinander die breite Treppe hinauf, die durch eine grosse Türe in ein hohes Gebäude führte. Zwei Männer in Schwarz standen vor den offenen Türen und schauten sie abwartend an, offenbar erwarteten sie, dass sie die Einladung vorzeigten. Die Türsteher liessen den Blick misstrauisch über Lizzie gleiten und blieben dann bei Lucindas Flügel hängen.
Matthew trat ein wenig vor und reichte ihnen die Einladung. Der Mann links nahm sie zu sich und begutachtete sie von nahem, dann nickte er knapp.
"Gut, ihr könnt eintreten", sagte er nickend und gab Matt die Blätter zurück. Was für ein freundlicher Empfang.
Matthew ging vor und die beiden Mädchen hinter ihm in das Gebäude hinein. Sie fanden sich in einem Gang wieder, der ausser einem teuren Teppich nichts aufzeigte. Matthew ging weiter, ohne dem Teppich oder dem Kronleuchter gross Beachtung zu schenken.
Lucinda wusste nicht recht, ob Matt tatsächlich wusste, wie man sich an so Anlässen verhielt, oder ob er einfach sehr gut darin war, sich professionell zu verhalten, jedenfalls wirkte er so, als würde er tagtäglich im Anzug herumlaufen und nicht in verwaschenen Jeans, wie er es eigentlich tat. Lucinda und Lizzie folgten ihm durch den Gang in den nächsten Raum und als sie die Türe in den Festsaal passierten, blieb sogar Matt überrascht stehen.
Der Raum schien normalerweise die Funktion einer Eingangshalle zu übernehmen, aber für den Anlass war er exzellent herausgeputzt worden. Alles glänzte weiss und im Hintergrund lief leise Musik. Es standen Stehtische herum und vor einem grossen Fenster links stand ein riesiges Büffet. Weiter hinten im Raum konnte Lucinda eine Treppe erkennen, die einen ebenso schönen Teppich hatte wie auch der Boden zu ihren Füssen. Sehr gut, Teppiche waren praktisch. Dann würde man ihre Absätze nicht hören und sie konnte sich herumschleichen. Aber was Lucinda ebenso beeindruckte wie die Herrichtung, waren die Leute hier. Es waren tatsächlich alle elegant gekleidet und hatten aufwändige Frisuren und glänzende Schuhe an. In kleinen Gruppen unterhielten sich Geschäftsleute, Gäste und deren Angehörige. Manche liefen herum, andere standen an den Stehtischen oder am Büffet. Der ganze Raum war in Bewegung und es gab sogar Gäste, die die Treppe hoch gingen. Ausgezeichnet, dachte sich Lucinda leicht lächelnd. Die Treppe würde sie sich auch noch vornehmen.
"Was stehen wir hier rum?", fragte Lizzie ungeduldig und liess den Blick über die Gäste und das Essen gleiten.
Lucinda nickte. "Du hast Recht. Wir sollten uns unter die Leute mischen."
***
Der Teil ist etwas kurz, sorry...
Dennoch freue mich über alle, die bis hierher gelesen haben! <3
DU LIEST GERADE
Engelsschwingen - Ausgestossen
अलौकिकLucinda hat Flügel, aber sie ist kein Engel. Vielmehr hat sie die Aufgabe, Menschen aus ihrem Leidwesen zu erlösen - die Seele des Menschen entscheidet, ob sie leben oder sterben werden. In der Akademie der Erlöser werden neben ihr noch massenhaf...
