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Auf einmal hielt er an. Erschrocken sah Lucinda sich um und für einen winzigen Moment hielt ihr Herz an, aber dann merkte sie, dass sie mitten in der Stadt war. Nur selten war sie im Zentrum gewesen und wenn, dann um eine Zeit, zu der alles dunkel war und die Läden geschlossen. Aber der Mann hatte sie wie versprochen in die Stadt gefahren.
„Hier sind wir, meine Dame", verkündete er und stieg aus, dann ging er um den Wagen herum, liess Lucinda raus und hievte dann noch ihr Gepäck aus dem Auto. Lucinda sah ihn mit offenem Mund an. Selten hatte sie Menschen getroffen, die solch altruistische Taten machten, ohne etwas dafür zu verlangen und ohne falsche Absichten. Vielleicht waren die Flügelwesen einfach intriganter als die Fusswesen? „Ich bin Ihnen echt unendlich dankbar", sagte Lucinda aus vollem Herzen, als sie ihren Koffer in die Hand nahm und sich die Tasche umhängte. „Sie haben mir sehr geholfen."
„Hab ich gerne gemacht. Ich arbeite sowieso in der Nähe." Er zwinkerte, dann deutete er zu Lucindas Linke. „Schau, hier ist das Informationszentrum."
Lucinda folgte seinem Arm und erblickte einen kleinen Laden, dessen Ladentür rot angemalt worden war und in grossen, weissen Lettern stand ‚Informationszentrum' drauf. Daneben war ein Kleiderladen und ein Warenhaus, wo die Menschen zügig ein und aus gingen.
„Super, danke", bedankte sich Lucinda erneut. Dann schaute sie den Mann etwas unsicher an. Er schien wirklich saubere Absichten gehabt zu haben und lehnte jetzt an seinem Auto, wartend, was Lucinda nun machte. Aber sie wollte nicht einfach davon gehen. Vielleicht hatte der Mann ihr wochenlange Suche nach einem Job oder einer Wohnung erspart. Sie wollte ihm irgendwie danken können.
„Kann ich Sie irgendwie erreichen, um mich zu bedanken?", fragte sie geradeheraus, wie es eigentlich ihre Art war. „Schliesslich müssen Sie ja wissen, ob ich in einem Laden oder als Medikamentenlieferant arbeite." Sie grinste ein wenig.
Der Mann erwiderte das Lächeln und bückte sich zum Auto. Während er etwas auf einen kleinen Zettel kritzelte, korrigierte er sie: „Ich bin kein Medikamentenlieferant. Das gehört bloss zu meinem Job." Dann reichte er ihr den Zettel und Lucinda erkannte seine Emailadresse darauf.
Sie wedelte mit der Adresse vor seiner Nase herum. „Danke. Sie bekommen eine Mail, Herr Nicht- Medikamentenlieferant." Wie erfrischend es war, dass sie auf einmal wieder sie selbst war und nicht mehr ein eingeschüchtertes Mädchen.
Der Mann lachte wieder und reichte ihr dann die Hand. „Ich muss weiter. Sonst ziehen sie das von meinem Lohn ab. Ich wünsche Ihnen viel Glück!"
„Auf Wiedersehen", meinte Lucinda und gab ihm die Hand, nachdem sie seinen Zettel zu ihrer To-Do-Liste in die Jeans gesteckt hatte. Dann stieg der Mann wieder ins Auto und als er losbrauste, wandte sich Lucinda zum Informationszentrum. Mit Koffer und Tasche bewaffnet ging sie in das Lokal rein und fand sich in einer geräumigen Halle voller Menschen wieder. An den Seiten hingen Plakate, Flyer von Wohnungen und Touristenattraktionen und vor ihr gab es mehrere Schalter, vor jedem eine lange Schlange. Nach den Reiseführern und Fotoapparaten zu beurteilen waren das meiste Touristen, aber ein paar schienen auch Einheimische zu sein. Durch die vielen Gespräche innerhalb der Schlange und schliesslich die essenziellere mit der Person am Schalter war es laut im Raum, aber Lucinda kam das gelegen. Als sie sich in die optisch kürzeste Schlange einreihte, fühlte sie sich zum ersten Mal wohl, denn sie war es sich gewohnt, unter Leuten und Lärm zu sein. Natürlich hatte es auch auf der Strasse Menschen gehabt, aber nicht so viele wie hier und geredet hatten diese erst recht nicht.
Kurz darauf stand Lucinda nicht nur mit ihrem Koffer und der Tasche auf der Strasse, sondern auch mit einem Prospekt über billige Wohnungen für Minderjährige und einem Flyer mit Jobangeboten. Als sie die Löhne sah, war sie froh, dass ihre Eltern ihr bereits eine gute Summe vermacht hatten, sodass sie mit einem Job und dem Geld ihrer Eltern durchkommen würde. Doch beim Anblick der Wohnungen sah sie Bilder eine Dusche und der Küche und mit einem Mal bekam sie Hunger. Sie hatte seit bald 12 Stunden nichts mehr gegessen und prompt begann ihr Magen zu knurren. Auch eine Dusche erwartete sie bereits sehnlichst, aber zuerst würde sie in den nächsten Laden gehen und etwas zu essen kaufen.
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Engelsschwingen - Ausgestossen
ParanormalLucinda hat Flügel, aber sie ist kein Engel. Vielmehr hat sie die Aufgabe, Menschen aus ihrem Leidwesen zu erlösen - die Seele des Menschen entscheidet, ob sie leben oder sterben werden. In der Akademie der Erlöser werden neben ihr noch massenhaf...
