Kapitel 26

37 2 0
                                        

Lissa

"Wie kann er mir das nur antun, hm? Was stimmt mit mir denn nicht?", ich rotzte in ein weiteres Taschentuch, welches Luz mir entgegen reichte und ich es dankend annahm.
Sie lächelte mich bemitleidend an doch das war das letzte was ich jetzt gebrauchen konnte.Ich wollte Antworten verdammt.
Warum tat er mir das an?

Seinen abwertenden Blick konnte ich vor meinem geistigen Auge wiedererkennen und mein Herz zog sich schmerzhaft zusammen beim dem Gedanken wie er mich angestarrt hatte.So kalt, ohne jegliche Emotionen, nichts spiegelte sich in seinen Augen wieder wodurch ich erkennen konnte was er fühlte.
Einfach nur pure Leere, wie ich feststellen musste.

Es tat verdammt nochmal scheiße weh und, da es nicht noch schlimmer werden konnte, musste ich an seine Worte von vorhin denken die er mir gesagt hatte.

Es war ein Fehler.

Es hätte nie passieren dürfen.

Es hatte nichts zu bedeuten.

Ich wollte ihm das nicht glauben.Doch er hatte es so rübergebracht, da kann man nur denken das es stimmen würde.
Gestern war doch alles so toll, ich war glücklich, habe mich frei gefühlt, habe gedacht er empfindet das selbe für mich.
Wie konnte ich nur so naiv sein?
Wie konnte ich wissen ob er das alles ernst meinte?
-Richtig, gar nicht!

Sein verschlossener Blick und seine, vor Kälte sprudelten Augen, jagten mir einen unangenehmen Schauer über den Rücken.
Ich hatte ihn noch nie so gesehen gehabt, so fremd mir gegenüber.
Er war nicht der Tyler den ich kannte, er war komisch, so verschlossen als läge jegliche Last auf seinen Schultern.

Ich wusste nicht was in ihn gefahren ist, aber ich werde es herausfinden.
Wahrscheinlich wollte er nicht mit mir reden,doch ich werde ihn zum Reden zwingen müssen, egal wie.

Ich liebte ihn, das wusste er doch.Warum?
Ich verstehe es einfach nicht wieso er mich so verletzen konnte.
Er spielte mit mir, mit meinen Gefühlen.
Mein Herz blutete und klopfte mir, vom vielen Weinen, so schnell gegen meinen Brustkorb das ich dachte es springt mir gleich aus der Brust.

Luz, die sich etwas beruhigt hatte, streichelte mir leicht über den Rücken während mein Kopf auf ihrem Schoß ruhte.
Mein Gesicht war bestimmt schon rot angelaufen und die roten, geschwollenen Augen hätte man wahrscheinlich vom Weiten schon erkennen können.
Wie musste sich Luz wohl fühlen, nach der miesen Aktion von gestern.

Sie hatte mir alles erzählt, jedes Detail.
Natürlich floss ein Strom von Tränen über ihr Gesicht die sie nicht zurückhalten konnte.
Ich hatte mich neben sie gesetzt, ihre Hand gehalten und sie versucht zu trösten was dann auch einigermaßen geklappt hat.
Doch als sie mein, von Tränen überströmtes Gesicht erkannte lag Sorgnis in ihren Augen und ich erzähle ihr was geschehen war.

Von dem Gespräch mit Kyle bis hin zu dem Kuss, und letztendlich wie er mir vorhin an der Tür deutlich klar gemacht hatte das absolut gar nichts zwischen uns lief und er es einfach vergessen wollte.
Vielleicht konnte er es vergessen doch etwas hatte er zurückgelassen.
Mein kleines gebrochenes Herz, welches sich nach ihm so stark sehnte das es noch mehr schmerzte.
Wie konnte ich mich ihm so hingeben lassen?
Wie konnte ich ihm vertrauen ohne zu berücksichtigen das er mich verletzen könnte?
Warum hatte mich niemand aufgehalten mich in ihn zu verlieben, ihm mein Herz zu schenken?
Doch es war zu spät, er war weg und ich innerlich am Ende.

Ich weiss nicht wie lange wir so auf dem Bett saßen, es kam mir wie eine gefühlte Ewigkeit vor.
Wir schreckten beide hoch als die Tür aufgerissen wurde und eine scheinbar gut gelaunte Lu das Zimmer betrat.
"Guten Morgen, Cuties!", trällerte sie fröhlich, nahm anlaufen und flog förmlich aufs Bett drauf.
Sie drehte sich auf den Bauch, stützte ihre Ellbogen ab und platzierte ihren Kopf drauf um uns besser sehen zu können.

Als sie unsere verheulten Gesichter sah richtete sie sich schnell auf und sah uns prüfend gleichzeitig auch besorgt an.
"Was ist passiert?", die Wörter kamen so leise aus ihrem Mund das man sie gar nicht hätte verstehen können.Sie sprach sie so langsam und vorsichtig aus, aus Angst sie könnte etwas falsches sagen das uns wieder zum heulen brachte.
Sie wollte die Antwort brennend wissen,wir konnten ihr sowas nicht verschweigen.
Also fingen sowohl sie als auch ihn an, es ihr zu erzählen, alles.

Am Ende lagen wir beide in ihren Armen die sie beschützend um uns gelegt hatte und uns den nötigen Halt gab den wir beide gebrauchen konnten.
Sie sagte nichts, sie hatte keine passende Antwort parat.
Und sie wusste das wir nicht drüber reden wollten stattdessen hielt sie uns einfach fest und diese Umarmung hatte ich mehr als nötig gehabt.
"Wo ist Luna eigentlich?", sie brach die Ruhe zwischen uns ab doch aus der Umarmung lösten wir uns nicht.

"Sie ist weg",nicht weiter als ein kratzen kam aus Luz' Mund raus,"sie ist einfach gegangen, wahrscheinlich konnte sie mir nicht in die Augen sehen ohne zu wissen ob ich verletzt war oder nicht"

Dann kehrte ich begehrenswerte Stille wieder ein und ich verlor mich darin.
Mein Mund blieb geschlossen, das einzige was man hören konnte war der Regen, der immer noch gegen das Fenster prasselte und unsere regelmäßige Atmung.
Schweigsam wie eh und je saßen wir zu dritt da.
Luz versuchte etwas zu sagen doch jedes mal scheiterte sie daran, immer mehr Tränen bildeten sich in ihren Augenwinkeln und bahnten sich den Weg nach unten frei.

"Ich liebe ihn doch", nicht mehr als ein Flüstern war wahrzunehmen, sie schluchzte drauf los und die Umarmung wurde noch inniger als sie vorher war.

***

"Ich habe es gewusst!", Lu saß neben uns auf der breiten Couch im Wohnzimmer und hatte dieses, für sie typische, Grinsen im Gesicht wenn sie herausfand das sie, wie immer, im Recht war,"wurde auch langsam Zeit das du es checkst", sie beäugte ihre Fingernägel beiläufig und richtete ihren Blick wieder auf Luz.

Sie aber verdrehte genervt die Augen und bereute es insgeheim es ihr erzählt zu haben.
Wie Lu sowas immer erkennen konnte war mir ein Rätsel.
Ich konnte das nicht, doch sie wusste immer sofort Bescheid.
Meistens auch, bevor die andere Person es selber erst verarbeiten musste was in ihr vorging.

"Ändert aber immer noch nichts dran das er mit meiner Besten Freundin rumgemacht hat", warf sie bockig ein und war kurz davor wieder in Tränen auszubrechen, doch sie hielt sich zurück.

Wie vom Blitz getroffen sprang Lu auf und sah uns geschockt an.
"Wann fahren wir nochmal nach London?", fragt sie viel zu schnell, wie ich finde, als würde ihre Zeit ablaufen und sie müsste schnell etwas los werden.
"In 2 Wochen warum-", sie unterbrach uns hastig und rannte in den Flur um sich ihre Schuhe anzuziehen, dicht gefolgt von uns blieben wir am Ende hinter ihr stehen und musterten sie leicht verwirrt.

"Willst du uns vielleicht erzählen was das-", ich zeigte auf das Schauspiel was sich vor uns ereignete, "-werden soll?".

"Wir müssen shoppen gehen natürlich.Ich hab nichts zum anziehen und-", wir unterbrachen sie schnell und starrten sie belustigt an.
"Was guckt ihr so blöd?", sie stemmte ihre Hände in die Hüfte und legte ihren Kopf schräg.

"Erstens,wir haben noch 2 Wochen Zeit", fing ich an und Luz fuhr fort.
"Und zweitens, heute ist Sonntag".
Wir brachen in schallendes Gelächter aus und es tat unheimlich gut zu lachen.

Wir liefen wieder ins Wohnzimmer und Lu setzte sich beschämt zwischen uns hin, während wir immer noch lachen mussten.
Doch da kam mir plötzlich ein Gedanken.
"Du Lu", ich rammte ihr leicht meinen Ellbogen in ihre Rippen,"was ist jetzt zwischen dir und Kyle?", ich wackelte mit den Augenbrauen und sah sie abwartend an.
Sofort stieg ihr die Röte ins Gesicht und fühlte sich ertappt.
"Uhh, ist unsere Lu etwa verliebt?", Luz sah zu mir und anschließend wieder zu ihr die sich immer noch nicht rührte.
Das machte es doch offensichtlich.

"Stimmt nicht, ich mag ihn, als Freund", protestierte sie.

"Ja, komm, erzähl das irgendjemand anderen! Du kannst uns nicht verarschen."

"Ahh, ihr seit scheiße! ",mit lautem Seufzer erhob sie sich von der Couch, warf ihre Hände in die Luft und machte sich, mit stampfenden Schritten, Richtung Küche und ließ uns, mit einem allwissenden Grinsen, zurück.

Real Shit?!Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt