Kapitel 35

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Luzy

Die unzähligen Rufe der anderen ignorierte ich und verschnellerte mein Tempo, bis die verzweifelnden Stimmen auch verstummten.
Meine Schritte wurden langsamer und waren nicht mehr so hektisch wie am Anfang.
Ich schritt zum Ausgang des großen Gebäudes, trat die eiserne Tür auf und sofort peitschte mir eiskalt der Wind ins Gesicht.
Wortwörtlich.

Mit meiner Jacke, so nah wie möglich, an mich gedrückt ging ich zu meinem Auto, wie die anderen dann später nach Hause kamen war mir in dem Moment egal.
Hauptsache weg von diesem Gebäude, weg von ihm und seiner Neuen.
Seiner Neuen..pah.
Elender Bastard, wie kann er nur?
Er weiss ganz genau, wo er bei mir steht, er weiss, was genau ich für ihn fühle, verdammt, warum tut er das dann?!
Ich sollte mir eigentlich nicht darüber den Kopf zerbrechen, es geht mich ja schließlich nichts an, wann und wen er datet...war das überhaupt ein Date?
Aber bisschen Rücksicht hätte er schon nehmen können.
Dann auch noch ihre Hand zu greifen, nur um sie in unsere Richtung zu schleppen hat mir den Rest gegeben.
Was wollte er damit bezwecken?
Das ich ihn dann nicht mehr lieben würde?
Mir keine Hoffnungen mehr machen sollte?
Hat dieser Mensch denn kein Herz?
Anscheinend nicht.

Anscheinend doch, hätte er kein Herz, wäre er einfach weitergelaufen, ist er aber nicht, er wollte zu dir und was machst du?!, sie versuchte mir die Wahrheit unter die Nase zu reiben.

Was für eine Wahrheit, bitte?
Was will sie damit bezwecken, denn, eigentlich ist dann doch die Tatsache das er nur zu mir wollte, weit daneben gegriffen, bedeutet, schweift völlig vom eigentlichen Thema ab.
Das Mädchen.
Sie ist das Problem, denn, so ungern ich das zugeben will, ist sie wirklich eine Schönheit.
Ihre kastanienbraune Haare trug sie in einem Messy Dutt, wobei ein paar Strähnen ihr ins Gesicht fielen.
Im Gegensatz zu meinen langweiligen braunen Augen waren ihre grün.
Grün wie Smaragde.
Über ihren Körper konnte man überhaupt nicht meckern.
Sie war einfach die Art von Mädchen, welche man als Freundin haben wollte.

Ich setzte mich hinters Steuer von meinem geliebten Auto, startete den Motor und fuhr runter von dem überfüllten und vollen Parkplatz, welches nach binnen weniger Sekunden nicht mehr in Sicht war.

Ok, zugegeben, sonderlich reif für mein Alter war dies nicht aber Hey, ich könnte ja behaupten, die Panik, welche sich in dem Moment ausgebreitet hatte, als er zu uns kommen wollte, sei Schuld gewesen.
Und ich war zu 100% sicher das er zu uns oder zu mir nur kommen wollte, da hinter uns das Café und daneben jeweils ein Spielzeugladen war, warum grad genaue zwei ist mir ein Rätsel.
Außerdem ging ich mal stark davon aus, das sie nicht in diese Spielzeugläden wollten.
Wenn ja, dann hätte es mich schon gewundert.

Ohne Plan, wohin des Weges, fuhr ich die Straßen lang, weiter als gedacht.

***

Lilly

"Komm schon, Luke! Bitte!", bettelte ich meinen besten Freund an, doch dieser verdrehte nur genervt die Augen und konzentrierte sich weiter auf die Straße.

"Wie oft noch? Wir werden sie nicht besuchen gehen!"

"Aber warum nicht?", hackte ich weiter darauf rum.

"Weil ich das so sage!", für ihn war die Diskussion vielleicht schon beendet, doch bei mir eher weniger.

Ich versuchte nämlich den Vollpfosten neben mir zu überreden, Madison und ihren Freund besuchen zu gehen.
Klar, ich hatte sie nur einmal gesehen, sonst nicht.
Und sie zwar drei Jahre älter als ich, aber dies tut ja nichts zur Sache.
Ich fand sie sympathisch und wollte sie gerne besuchen gehen.
Bisschen reden,was war schon dabei?
Doch er verneinte ständig, aus welchem Grund auch immer.

"Nenn mir einen gescheiten Grund, weshalb wir nicht hingehen sollten?", ich verstand ihn echt nicht.

"Lilly, versuch's erst gar nicht,mich weiter zu überreden. Und wenn du nicht gleich deinen süßen Mund hälst, kannst du nach Hause laufen und ich glaube die Jungs da vorne hätten nichts dagegen dich zu begleiten", er nickte nach vorne und mein Blick schellte zu der kleinen Gruppe von Jungs, welche wahrscheinlich ein oder zwei Jahre älter als ich sind.
Ihr Anblick kotzte mich an,wie sie da standen, mit ihren Kippen im Mund und einer großen Anzahl von Bier Flaschen um sie herum.

"Ist das jetzt dein Ernst?!", zischte ich ihn bissig an.

Der würde mich tatsächlich denen überlassen?!
Auf seinem Gesicht zeichnete sich pure Verwirrung, er dachte anscheinend, ich nehme dies nicht so auf wie er.
Aber, wie konnte man sowas bitte normal aufnehmen?

"Komm mal runter, das war doch nur ein Scherz, dachtest du ernsthaft, das ich dich mit solchen Typen allein laufen lasse?!"

"Dann pass auf was du sagst.Nicht alle deine Scherze sind lustig!", ich verschränkte trotzig die Arme vor der Brust und ließ mich tiefer in den Sitz sinken.
Als wir schließlich paar Straßen weiter vor meinem Haus standen, packte ich meine Schultasche und wollte aussteigen, doch Luke's Griff um mein Handgelenk hinderten mich daran.
Er drehte mich zu sich, sodass unsere Gesicht nur Millimeter voneinander entfernt waren.
Sein heißer Atem streifte meine Wangen und hinterließen, wie üblich auch, ein warmes Kribbeln auf ihnen.

"Sei nicht sauer", flüsterte er, als wollte er nicht, das jemand uns hörte.
Die Tatsache, das wir im Auto saßen und uns so oder so niemand hörte, vergaß ich und konzentrierte mich nur auf ihn.

"Bin ich doch gar nicht", flüsterte ich ebenfalls ihm zu.

Für einen Bruchteil einer Sekunde konnte ich schwören das seine Augen runter zu meinen Lippen und wieder nach oben wanderten.
Und dasselbe machte ich bei ihm.
Mein Herz klopfte mir bis zum Hals und ich hatte schon Angst gehabt, er könnte es vielleicht hören.
Der Abstand zwischen uns hatte sich verkürzt, bis er dann schließlich seine Lippen auf meine legte und ein Feuerwerk in mir auslöste.
Er wartete erst darauf, das ich ihn erwiderte, was ich auch gleich tat indem ich meine Augen schloss und ihn am Nacken näher an mich heran zog.
Unsere Lippen bewegten sich synchron miteinander und seine Hände wanderten runter zu meinen Seite, er packte mich und setzt mich auf seine Schoß, was die Sache einfacher machte.
Meine Hände fuhren in sein schwarzes Haar und zogen leicht daran, er brummte etwas in den Kuss was mir den Anhieb gab weiterzumachen.
In diesem Kuss steckten so viele Gefühle mit drinnen und er fühlte sich gut an.
Sehr gut sogar.

Er löste sich von mir und legte seine Stirn gegen meine und sah mir dabei intensiv in die Augen.
Wie ich seine Augen nur liebte, einfach alles an ihm macht mich verrückt, verwundbar, schwach.
Es war still im Auto, außer unserer taktlosen Atmung, war nichts zu hören.
So saßen wir da, Stirn an Stirn, ich auf seinem Schoß.
So verweilten wir paar Minuten.

"Ich hab mich in dich verliebt", hauchte er mir gegen meine Lippen und überrascht zog ich mich etwas zurück um ihn besser sehen zu können.
In seinen Augen spiegelte sich etwas, was ich nie wirklich deuten konnte, nie gewusst habe, das sowas mal bei ihm zu sehen.
Verlangen, Zuneigung, Liebe.
Mein Herz setzte kurz aus um dann noch schneller und härter gegen mein Brustkorb zu schlagen, sodass ich angst hatte, es würde gleich herausspringen.

Er dachte schon, ich würde ihn abweisen, zumindest verriet mir das sein Gesichtsausdruck.
Langsam und behutsam wollte er mich von ihm runter schieben doch ich reagierte schnell.
Ich presste meine Lippen wieder auf seine, diesmal mit noch mehr Gefühlen.
Zuerst schien er überrascht doch erwiderte gleich auch und ich hoffte, das er jetzt meine Antwort ebenfalls bekommen hatte.

Real Shit?!Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt