Kapitel 24

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Okay, mir ist gerade aufgefallen, dass die ständigen Sichtwechsel in diesem Kapi ziemlich nervig werden würden, deshalb bin ich einfach mal ganz böse und schreibe das Kapi aus der Sicht von Caprice UND dem anderen Werwolf. Verzeiht es mir! *sich hinter Händen versteck*

"Dann erzähl doch mal: warum bist du hier und wie hast du diese Höhle gefunden?"

Ein wenig unsicher schlag er die Decke, die ihm Caprice zugeworfen hatte, um sich und ließ sich neben ihr an der Felswand heruntergleiten. Er war sich nicht ganz sicher, was er von der ganzen Situation halten sollte, da sie einfach so abwegig war. Immerhin war er unerlaubter Weise ins Gebiet des Gyala-Rudels eingebrochen und statt ihn sofort rauszuwerfen, hatte die Alphawölfin ihn zuerst sanft geweckt, sich dann über seine nicht ausreichend warme Bekleidung aufgeregt und ihm dann angeboten, sich mit ihr hinzusetzen und mit ihr zu quatschen.

Während er dankbar wahrnahm, dass ihm unter der Decke zunehmend wärmer wurde, begann er zu erklären: "Nun, ich bin in euer Gebiet eingedrungen, da ich eine ganz besondere Person suchen wollte: meine Seelengefährtin. Dann habe ich zwei Gespräche zwischen deinem Beta und zwei anderen Wölfen belauscht; ich glaube, der eine hieß Nathan." Caprice nickte. "Er war der Beta des Amarok-Rudels und gehört zu den oberen Wölfen. Fahre fort." "Ähm... genau. Auf jeden Fall habe ich so mitbekommen, dass sie sich große Sorgen um dich machen und vor allem auch darum, dass du alleine deinen Sohn suchen willst, der entführt wurde..." Caprice einzige Reaktion war ein minimales Weiten der Augen, was der junge Werwolf als Zeichen des Erstaunens wertete; ansonsten schwieg sie. Vorsichtig fragte der fremde Werwolf: "Ich schätze mal, da du alleine hier bist, hast du ihn noch nicht gefunden?"

Mit dieser einen Frage stürzten alle ihre Gefühle und Gedanken mit verdoppelter Wucht wieder auf sie ein. Geknickt ließ sie ihren Kopf sinken und murmelte von ihren Gefühlen überwältigt: "Nein... Ich komme mir fast schon verantwortungslos vor, weil ich hier sitze und ihn nicht suche. Ich bin eine fürchterliche Mutter..."

Der fremde Werwolf war völlig überfordert von der Situation und stammelte so nur wenig überzeugend: "Das darfst du dir nicht einreden... Du... du kümmerst dich doch super um ihn... Ich meine, schon alleine, wie sehr du dich um ihn sorgst, zeigt doch schon, dass... dass du alles für ihn tun würdest..." Caprice lachte ironisch auf und entgegnete nur: "Was weißt du denn schon? Du kennst weder mich, noch meine Situation!" Doch nur einige Augenblicke später ließ sie ihren Kopf wieder hängen und entschuldigte sich kleinlaut: "Sorry, das war... unfair. Ich mache mir einfach nur totale Sorgen um meinen Kleinen..." Ohne ein weiteres Wort legte der junge Mann einfach tröstend einen Arm um Caprice, zwar zuerst unsicher, ob sie es zulassen würde, aber dann durch ihre Reaktion darin bestätigt, dass er das Richtige tat. Sie schmiegte sich in seine Umarmung und schluchzte auf einmal auf. Verzweifelt sah sie ihn aus mit Tränen gefüllten Augen an und schluchzte: "Warum muss alles immer so scheiße sein? Reicht es denn nicht, dass ich quasi keine Eltern mehr habe, seit ich 7 bin? Warum muss denn immer mir sowas passieren?"

Caprice hatte nicht die leisteste Ahnung, warum sie dem Fremden das erzählte und gerade im Begriff war, ihm noch mehr zu erzählen, doch es tat gut, sich einfach mal alles von der Seele zu reden. Und warum auch immer spürte sie ein tiefes Band der Zugehörigkeit zu dem ihr noch immer unbekannten Werwolf. Ihren Kopf gegen seine Schulter lehnend, fuhr sie in ihrer Selbstbemitleidung fort - diese Mal allerdings ein wenig weiter ausholend: "Mein Leben ist einfach völlig im Eimer... Weißt du, ich hatte nie ein leichtes Leben. Meine Kindheit verdient den Titel nicht mal, meine Mutter ist gestorben, als ich gerade mal 3 Jahre alt war und mein Vater musste das Rudel verlassen, als ich 7 war... Danach war ich den Launen meines neuen Alphas, Riley, ausgesetzt und nur seine Gefährtin hat sich halbwegs um mich gekümmert. Als mein Vater ging, war auch sie gerade erst 15 Jahre alt und entsprechend konnte sie mich nur wenig vor den Attacken Rileys schützen. Mit der Zeit wurden wir zu guten Freunden und sie verhalf mir zu einem eigenen Zuhause, als ich 14 wurde. Sie besuchte mich danach fast täglich... Eines Abends, einige Wochen nach meinem 16 Geburtstag, kam sie völlig aufgelöst zu mir, erzählte mir, dass sie schwanger war und Riley ihr das nicht glauben wollte und bat mich ihr zu helfen unterzutauchen. Gesagt, getan: ich verbreitete das Gerücht, dass sie eine Freundin besuchen wollte und sie verschwand für die nächsten 8 Monate spurlos.

Zwar erfuhr ich durch das ein oder andere Telefonat, wo sie sich zu dem betreffenden Zeitpunkt aufhielt, aber das war auch das einzige... In einer Nacht mitten im Winter kam sie... kam sie zu mir, in den Armen ihren 2 Tage alten Sohn. Sie bat mich, mich um ihn zu kümmern und ihn als mein eigenes Kind auszugeben... Das war auch weiter kein Problem, da ich, seit sie weg war, sehr zurückgezogen lebte und somit eine Schwangerschaft gut hätte verheimlichen können. Sie nahm mir das Versprechen ab, ihn immer zu beschützen, vor allem da sie als einzige Person wusste, dass ich zu den mächtigen Werwölfen gehöre... Dann tötete sie sich selber... Vor meinen Augen beging meine beste Freundin Selbstmord..." Mit dem Handrücken wischte sich Caprice über die Augen. Sie war sich nicht darüber bewusst gewesen, wie sehr diese Geschichte sie noch immer aufwühlte, doch bei dem fremden Wolf fühlte sie sich erstaunlicherweise geborgen - das erste Mal seit fast 20 Jahren. Wieder etwas gefasster erzählte sie nun noch den Rest: "So zog ich ihn auf und erzählte allen, dass er mein Sohn war. Vor ein paar Wochen kam dann mein großer Streit mit Riley. Die genauen Details sind unwichtig, aber am Ende lief es, wie du ja sicher schon weißt, darauf hinaus, dass ich ihn im ehrlichen Kampf besiegte. Um genau zu sein, war ich beim ersten Kampf unaufmerksam und er hätte mich fast getötet. Mein Vater - der nach 15 Jahren als der Alpha des Amarok-Rudels wieder auftauchte - griff ein und rettete mich vor meinem sicheren Tod, dann... tötete Riley ihn. Woraufhin er sich wieder auf mich stürzte. Letztendlich musste ich ihn töten, da er mir niemals die Führung des Rudels überlassen hätte... Und dann nahm es alles seinen Lauf. Jetzt ist mein Sohn ist bei irgendwelchen fremden Wölfen und ich sitze hier und verzweifle..."

"Das war jetzt... viel zu verarbeiten.", stellte der junge Mann nüchtern fest. Caprice hob ihren Blick wieder und blickte ihm in die Augen: "Jetzt habe ich dir so viel von mir erzählt... Und ich weiß nicht einmal deinen Namen..."

NachtjägerGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt