Kapitel 5

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Nachdem Slughorn die gesamte Liste vorgelesen hatte, stand Hermine wie in Zeitlupe auf und schritt auf die letzte Reihe zu. Sie setzte sich neben den immer noch verwirrt blickenden Malfoy. Sie wusste genau, dass diese Zusammenarbeit nicht lange funktionieren würde und dann würde Slughorn nicht zögern und Hermine alleine arbeiten lassen. Genau so würde es passieren, hoffte Hermine zumindest.

Professor Slughorn ließ den Paaren Zeit, sich erst ein mal kennen zu lernen und sich anzunähern. Während alle anderen sich unterhielten oder in Ginny und Hannahs Fall sogar lachten und sichtlich Spaß hatten, schwiegen Hermine und Draco sich an, ihre Blicke starr nach vorn an die Tafel gerichtet. Nach einigen Minuten rief Slughorn die Klasse zur Ruhe:"So meine Lieben, ich hoffe, Sie haben sich etwas akklimatisiert. Wenn dem so wäre, könnten wir nun mit dem Unterrichtsstoff beginnen. Ich habe mir zu Beginn etwas Leichtes ausgedacht. Sie werden mir eine Creme gegen Akne mischen.", der Professor fing an zu lachen, während die meisten der Schüler sich nicht ganz sicher waren, ob sie es genau so witzig finden sollten wie ihr Lehrer. "Na gut, ich hatte mir mehr Begeisterung erwartet", murmelte er,"Sie dürfen natürlich Ihre Tinkturen behalten, sobald sie fertig sind und ich sie mir angesehen habe. Wir wollen ja nicht, dass Sie sich ein schlecht gemischtes Zeug ins Gesicht schmieren." Er schien sich selbst unheimlich lustig zu finden, während die restlichen Menschen im Kerker immer noch verhalten schwiegen. "Die Zutaten und das Rezept können Sie entweder im Buch auf Seite 37 oder an der Tafel nachlesen. Fangen Sie an!"

Hermine und Draco redeten auch weiterhin nicht miteinander und arbeiteten still nebeneinander her. Hermine hatte das Buch aufgeschlagen und Draco fing an, die erste Zutat in dünne Streifen zu schneiden. Sie schaute ihm kurz dabei zu und war von seiner Geschicktheit beeindruckt. Nicht ein mal sie konnte Minidrachenflügel so genau schneiden und hacken. Vielleicht konnte sie doch noch etwas von Draco Malfoy lernen? Sie erschauderte und drängte den Gedanken schnell beiseite, Hermine musste sich daran erinnern, wer Malfoy war, was er gesagt und getan hatte und was er gesehen hatte. In diesem Momenet rutschte sein Umhang am linken Arm ein Stück weit hoch und sie konnte ein verblasstes dunkles Mal erkennen. Sie starrte es an und fragte sich , ob es verblasst war, weil Voldemort letztendlich gestorben war oder ob es einen anderen Grund hatte. Draco schaute sie für den Bruchteil einer Sekunde an und zog seinen Ärmel wieder herunter. Sein Blick war fast schon entschuldigend.

"Hermine du tust mir so leid! Malfoy!", sagte Ginny als sie zusammen mit Neville in die Große Halle zum Mittagessen gingen. "So schlimm war es nicht. Wir haben nicht geredet und er hat seine Arbeit gut gemacht. Wenn das so weiter geht, habe ich kein Problem mit seiner Anwesenheit", Hermine zuckte die Achseln und setzte sich an den Tisch der Achtklässler. "Aber er ist so... Malfoy eben, arrogant und  unfreundlich! Gut sieht er ja aus, aber man kann kein Wort mit ihm wechseln, ohne dass er beleidigend wird", sagte Ginny in Rage, doch Hermine ging nicht weiter auf das Thema ein, das ihre Freundin in den Raum geworfen hatte. Sie unterhielten sich noch eine Weile über die Akne-Creme, die sie gemischt hatten und anschließend über den Berg von Hausaufgaben, den Professor McGonagall ihnen schon am ersten Tag aufgezwängt hatte. Hermine bemerkte, dass eine grüne Krawatte am Tisch fehlte, Draco war nicht erschienen. "Gut so, sonst hätte er Ginnys Schimpftirade auf ihn mitbekommen", Hermine schmunzelte. Hatte Ginny nicht gesagt, er sähe gut aus? Hermine hatte noch nie darüber nachgedacht. Bisher hatte Malfoys Charakter sein Aussehen immer in den Hintergrund rücken lassen. Aber doch, er sah interessant aus. Würde Hermine ihn nicht kennen, hätte sie sicher einen anderen Eindruck von ihm, die weißblonden Haare, die lässig in sein Gesicht fielen und nicht mehr so streng nach hinten gekämmt waren wie früher, gaben ihm ein eher jungenhaft wirkendes Aussehen, das vergessen ließ, was dieser junge Mann schon alles gesehen und erlebt haben durfte. Hermine versuchte, sich seine Augenfarbe ins Gedächtnis zu rufen, doch scheiterte. Sie erinnerte sich an den Ausdruck seiner Augen, als sie sein Mal gesehen hatte, aber nicht an die Farbe. Hermine nahm sich vor, darauf zu achten, sobald sie ihn das nächste Mal sah. "So jetzt genug damit, an Malfoy zu denken! Du hast einen Aufsatz in Verwandlung vor dir!", rief sie sich selbst zur Ordnung.

Hermine stieg die Stufen zum Gemeinschaftssaal herauf, um ihre Sachen abzulegen, bevor sie in die Bibliothek gehen würde, damit sie dort den Aufsatz für Professor McGonagall schreiben konnte. Im Schlafzimmer warf sie ihre Tasche auf ihr Bett und war gerade im Begriff herauszugehen, als sie Lavender begegnete. "Oh Lavender! Freut mich, dich zu sehen, ich habe mir das linke Bett genommen, ich hoffe, das ist in Ordnung", stammelte sie und wartete auf eine Antwort. Lavender schaute sie nur an und musterte sie von oben bis unten. "Wenn Blicke töten könnten", dachte Hermine und schaute scheu auf den Boden. "Wie konnte Ron dich mir nur vorziehen? Wenigstens läuft es bei euch jetzt auch nicht mehr ganz rund," sagte Lavender langsam und lächelte schelmisch. "Was, woher weißt du das?", Hermine war verwirrt. Lavender antwortete:"Ach das wirst du noch früh genug erfahren." Sie ging heraus und ließ Hermine alleine stehen. 

Obwohl Hermine verwirrt und traurig zugleich war, machte sie sich auf den Weg in die Bibliothek, sie musste schließlich ihren Aufsatz schreiben. Ginny fing sie im Gemeinschaftssaal ab und gab ihr einen Brief von Ron, der in einem Paket dabei gewesen war, das Molly ihr heute Mittag geschickt hatte. Hermine nahm ihn ihr ab und ging in die Bibliothek. Sie begann, ihren Aufsatz zu schreiben. Glücklicherweise war außer ihr niemand in der Bibliothek, da es der erste Schultag war, deshalb konnte sie sich konzentrieren. Der Brief rutschte unterdessen zwischen ihre Blätter. Er fiel ihr erst wieder auf, als sie 4 Seiten des Aufsatzes geschrieben hatte. Hermine machte ihn auf und las.

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