Kapitel 43

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Das bevorstehende Treffen mit Narcissa Malfoy machte Hermine sehr nervös. Es waren nicht nur ihre letzten Erinnerungen an Dracos Elternhaus, die sie plagten. Hermine fürchtete sich auch vor seiner großen, wunderschönen Mutter, die ihr zuvor immer sehr distanziert vorgekommen war. Aus ihren Briefen konnte Hermine zwar schließen, dass Narcissa ausschließlich Dracos Wohl am Herzen lag und sie nicht oder zumindest nicht mehr an die antiquierten Werte des reinen Blutes glaubte, jedoch konnte Hermine ihre Angst vor ihr nicht ganz abschütteln.

Hermine und Professor McGonagall hatten vereinbart, dass Draco und Hermine am frühen Freitagabend den Kamin in ihrem Büro verwenden würden, um mit Hilfe von Flohpulver ins Malfoy Manor zu gelangen. Die Schulleiterin war etwas überrascht gewesen, dass Hermine und Draco gemeinsam seine Mutter besuchen wollten, doch sie fragte nicht weiter nach. Die beiden würden dort übernachten und zum Mittagessen wieder in Hogwarts sein. Hermine ging das Herz auf, als sie bemerkte, wie sehr sich Draco freute, seine Mutter wiederzusehen. Seit dem Tod seines Vaters hatte er sie nicht mehr getroffen. Für Hermine war dies der einzige Lichtblick, den die Bekanntschaft mit Narcissa brachte.

An jenem Freitag nach dem Mittagessen nahm Hermine Draco mit auf ihr Zimmer, damit er sie bezüglich ihres Outfits beraten konnte. Auch wenn ihr Freund es nicht gerne zugab, hatte er einen beeindruckend guten Kleidungsstil. Letztendlich entschied sich Hermine dank Dracos Zutun für eine dunkelgrüne Bluse, die sie mit einem schwarzen Rock kombinierte. Um ihr Handgelenk trug sie ein feines, silbernes Armband mit einem kleinen Löwenanhänger sowie einer Schlange. Jenes hatte Draco ihr einige Wochen zuvor zu Weihnachten geschenkt. Ihre Haare hatte sie zu einem lockeren Zopf geflochten, der ihr über die Schulter fiel. Nachdem sie mit ihrem Erscheinungsbild zufrieden war, nahm sie ihre kleine Tasche und die Flasche Elfenwein, die sie für Dracos Mutter besorgt hatte, vom Bett und machte sich auf den Weg zum Professor McGonagall. Im Büro der Schulleiterin angekommen, ergriff sie Dracos Hand und atme noch einmal tief durch, bevor sie in die grünen Flammen traten. „Malfoy Manor", hörte sie ihren Freund sagen und schon spürte sie, wie das Feuer sie verschlang.

„Draco Liebling! Ich bin so froh, dich wiederzusehen", rief Narcissa überschwänglich, als der junge Mann durch das Feuer trat. Einen Moment später stieg auch Hermine aus den grünen Flammen. „Miss Granger! Es ist mir eine Ehre, Sie kennenzulernen", sagte Narcissa glücklich und riss Hermine in eine Umarmung. Diese war etwas überrumpelt, doch froh, so schnell von der Mutter ihres Freundes akzeptiert zu werden. Draco lächelte bei dem Anblick und drückte leicht Hermines Hand. „Freut mich auch Sie kennenzulernen, Misses Malfoy", sagte Hermine mit einem Lächeln auf den Lippen und hielt ihr die Flasche mit dem Elfenwein hin. „Oh vielen Dank, den trinke ich am liebsten, und nenn mich doch bitte Narcissa, meine Liebe", lachte diese und die drei begaben sich in den Salon des Hauses. Hermine schauderte ein wenig, als sie jenen Ort sah. Vor nicht allzu langer Zeit lag sie hier auf dem Boden und wurde von der Schwester jener blonden Frau gefoltert. „Mum, könnten wir gleich ins Esszimmer gehen? Ich denke nicht, dass es hier wirklich gemütlich werden kann", sagte Draco leise, als er sah, wie Hermine zitterte. Narcissa verstand zunächst nicht, doch nach einigen Sekunden weiteten sich ihre Augen und sie erkannte wohl das zierliche Mädchen wieder, das damals von Greifern angeschleppt worden war. „Ja natürlich", schnappte sie nach Luft, „Hermine, es tut mir wirklich leid, daran hatte ich nicht gedacht." Sie schien wirklich aufgelöst zu sein. Da ihr Freund wohl merkte, dass ihr nicht zum Sprechen zumute war, übernahm Draco es für sie: „Schon gut, aber hier sollten wir besser nicht mehr rein."

Eine Stunde später saßen die drei beim Essen und die Stimmung hatte sich merklich gelockert. Auch wenn es Hermine nicht wirklich recht war, dass die Hauselfen das Essen servierten, sagte sie lieber nichts, um Misses Malfoy nicht noch mehr auf die Füße zu treten. Draco fing jedes Mal an, zu lachen, wenn er sah, wie Hermine versuchte, den Hauselfen zur Hand zu gehen und jene es stets vehement ablehnten. Narcissa fragte die beiden schamlos aus. Sie wollte nicht nur wissen, wie die beiden letztendlich zusammen gekommen waren, sondern auch wie ihre Freunde und Mitschüler ihre Beziehung aufnahmen. Auch Narcissa erzählte ihrerseits Geschichten über früher. Hermine spitzte vor allem bei Erzählungen die Ohren, in denen es darum ging, wie Draco als Kind war. „Hermine, hast du dich schon dazu entschieden, welche Laufbahn du einschlagen möchtest? Mit deinem makellosen Zeugnis muss doch alles möglich sein", fragte Narcissa. „Es ist nicht makellos", maulte Hermine, „in Verteidigung gegen die dunklen Künste habe ich die Erwartungen lediglich übertroffen." Beide Malfoys lachten, da es Hermine wohl wirklich an die Nieren ging. „Es stehen viele Dinge für mich zur Auswahl. Ich könnte mir vorstellen, als Heilerin zu arbeiten oder im Ministerium. Auch als Lehrerin in Hogwarts würde ich wirklich gern arbeiten. Ich habe mich aber dazu entschieden, mir erst mal ein Jahr eine Auszeit zu gönnen. Der Krieg", Hermine stoppte kurz, da sie bei dem Wort „Krieg" bei beiden Malfoys eine negative Gesichtsregung ausmachen konnte. Kurze Zeit späte setzte sie wieder an: „Der Krieg hat uns alle sehr geschlaucht und ich hatte noch nicht besonders viel Zeit, alles zu verarbeiten, weil wir schon wieder nach Hogwarts gerufen wurden." Narcissa nickte verständnisvoll; ihr ging es sicherlich genau so.

Am Abend als Draco und Hermine bereits auf dem Weg zu seinem Zimmer waren, resümierte Hermine, dass das Essen mit Narcissa alles in allem wirklich gut gelaufen war. Zwar gab es immer mal wieder peinliche Momente, meist ausgelöst durch eine Kriegserzählung oder Hermines Herkunft, doch es hätte viel schlimmer ausgehen können. 

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