Kapitel 45

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Sehr geehrter Mister Malfoy,

wir bedauern sehr, Ihnen mitteilen zu müssen, dass wir Ihnen in der momentanen Lage leider keinen Ausbildungsplatz zusichern können. Natürlich ist uns klar, dass der Artikel aus dem Tagespropheten nicht der Wahrheit entspricht, da wir, wie Sie wissen, Ihren Zauberstab hinsichtlich den von Ihnen ausgeführten Zaubern überprüfen. Trotz allem führt die Schmutzkampagne gegen Sie, der sicher viele Zauberer und Hexen Glauben schenken dazu, dass Sie in der Öffentlichkeit in einem schlechten Licht dastehen. Dies könnte bei einer möglichen Aurorenausbildung Ihrerseits auch auf das Ministerium und im Besonderen auf unsere Abteilung abfärben.

Außerdem gibt es wohl einige unserer Mitarbeiter, die nicht erfreut wären, Sie als Kollegen zu haben. Wie Sie sicher verstehen werden, ist es besonders als Aurorenteam wichtig, Rückhalt von seinen Mitarbeiten zu bekommen.

Es tut uns wirklich leid.

Mit freundlichen Grüßen,

Personalabteilung des Ministeriums

Auch wenn Draco diesen Brief schon erwartet hatte, war er entsetzt, wie offen das Ministerium ihm diese Abfuhr erteilt hatte. Im Normalfall könnte er die Personalabteilung verklagen und dabei auf Millionen Galleonen Schadensersatz klagen – nicht, dass er es nötig hätte. Da sein Vater nun gestorben war, war er einziger Erbe des Malfoy Vermögens und aller Anwesen inklusive Interieur. Auch wenn Draco niemals arbeiten musste, wollte er der Zauberergesellschaft etwas zurückgeben, das er und seinesgleichen ihnen weggenommen hatten – Sicherheit. Er wollte die Menschen vor den Gefahren beschützen, mit denen er sie früher erst in Kontakt gebracht hatte. Doch daraus würde nun nichts mehr werden. Er hatte keine Ahnung, was er nun mit seinem Leben anstellen würde, keinen Plan B. Während Hermine groß Karriere machen würde, wäre er dazu gezwungen Zuhause zu bleiben und Hausmann zu spielen, da ihn keine Einrichtung in der Zaubererwelt haben wollte. Draco zerknüllte den Brief und warf ihn auf den Tisch der Achtklässler, während er zügig aus der großen Halle lief. Im Rücken spürte er Hermines traurigen Blick. „Sie wird wohl ahnen, um was es in dem Brief geht", dachte Draco bitter und verzog sich mit einem Zaubertränkebuch in die hinterste Ecke der Bibliothek.

Draco kannte die Tränke zwar in- und auswendig, aber die vertraute Arbeit beruhigte ihn ungemein. Als er spürte, dass eine Person an seinen Tisch trat, nahm er an, Hermine zu sehen, doch er sah seinen Professor in Zaubertränke. „Felix Felicis, Amortentia und der Trank der Lebenden Toten? Da bereitet sich wohl jemand auf seine UTZ-Klausuren vor, um einen angemessenen Ausbildungsplatz zu erhalten", sagte Slughorn freundlich, legte jedoch seinen Finger genau in Dracos offene Wunde. „Leider nicht Professor", sagte Draco mürrisch, „Ich denke nicht, dass ich mit meiner Vergangenheit einen guten Ausbildungsplatz bekommen kann." „Professor McGonagall und ich hatten uns das schon gedacht, wir hatten auch schon über verschiedene Möglichkeiten diskutiert", sagte der Professor nachdenklich und fuhr fort: „Es tut mir wirklich leid, wie der Tagesprophet und das Ministerium Sie behandeln, Draco. Das kann wirklich nicht mit rechten Dingen zugehen. Es wird höchstwahrscheinlich nur um persönliche Apathie gehen. Wenn Sie möchten, können wir uns gern zusammensetzen und über Ihre berufliche Zukunft sprechen. Wie Sie wissen, habe ich Kontakte in die verschiedensten Richtungen", versuchte Slughorn Draco aufzumuntern und klopfte ihm auf die Schulter. „Danke Professor", murmelte Draco und sah seinem Lehrer nach, wie dieser aus der Bibliothek lief.

Nach etwa einer weiteren Stunde fühlte Draco sich bereit, sich wieder unter Menschen zu trauen und vor allem Hermine zu begegnen. Müde stapfte er die Treppen zum Turm der Achtklässler hoch, nur um in seinem Gemeinschaftssaal einer Person zu begegnen, die er wirklich nicht sehen wollte. Diese saß auf einem der Sofas und hatte eine füllige Blondine auf dem Schoß. „Oh, das Frettchen ist auch aufgetaucht, wie ich sehe", sagte das Wiesel mit einem siegesgewissen Lächeln auf den Lippen. Draco hatte sich bereits gedacht, dass es sich bei dem Mitarbeiter, der nichts von seiner Einstellung halten würde, um Weasley gehandelt haben muss. Er sah seinen Verdacht bestätigt, da das Wiesel sicher nur aufgetaucht war, um seine Reaktion auf die Absage zu erleben. Um ehrlich zu sein, konnte er es ihm nicht einmal verübeln. Draco wollte nicht wissen, was er getan hätte, hätte sich Hermine für Ron entschieden und nicht für ihn. „Guten Abend, Ronald", Draco gab sich Mühe, höflich zu bleiben. Auf diese Weise könnte er Hermine zeigen, dass er im Gegensatz zu ihrem Ex-Freund erwachsen und reif genug war, um mit der Situation richtig umzugehen. „Ich denke, du bist dafür verantwortlich, dass das Ministerium meine Bewerbung abgelehnt hat", sagte Draco langsam und wartete aufmerksam auf die Reaktion des Wiesels; niemals wieder würde er sich von diesem Trampel aufs Kreuz legen lassen. „Da denkst du richtig, Todesser", sagte er und zog damit die Aufmerksamkeit der wenigen Achtklässler, die noch im Gemeinschaftsraum verweilten, auf sich. „Ich kann dich nicht Auror werden lassen. Ich weiß genau, dass du etwas im Schilde führst und so eine Position wäre dabei nur in deinem Interesse. Außerdem muss ich Hermine irgendwie aufwecken und ihr zeigen, dass du immer noch ein Verbrecher bist", als Ron anfing, über Hermine zu reden, warf Lavender ihm einen vernichtenden Blick zu, doch sagte nichts und blieb weiter auf seinem Schoß sitzen. „Von Anstand hat das Mädchen auch noch nie was gehört oder?", dachte Draco bitter und fragte sich, weshalb Hermine jemals eifersüchtig auf diese Pute gewesen war. „Gerade du solltest wissen, dass Hermine eine gute Menschenkenntnis hat, Weasley. Du wirst sehen, dass ihre Intuition auch bei mir recht behält", entgegnete Draco, um das letzte Wort zu haben, doch eine helle Stimme, die von der Treppe zu den Mädchenschlafsälen kam und zu einer kleinen Hexe mit buschigen, braunen Haaren gehörte, kam ihm zuvor: „Ich werde auf jeden Fall recht behalten Draco."

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