Kapitel 35

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„Hermine", hauchte Ron und schaute aufgeregt von seiner ehemaligen Freundin Hermine Granger zu seinem ehemaligen Feind Draco Malfoy. „Ronald", entgegnete sie kühl. „Was machst du am Arm von diesem dreckigen Todesser? Bist du vollkommen verrückt geworden?", fragte Ron und wurde langsam laut; es wandten schon einige ihrer Mitschüler – und auch Lehrer – ihre Köpfe und folgten der Szenerie mit ihren Augen. „Ich denke wirklich nicht, dass du dich in der Position befindest, mir Verrücktheit vorzuwerfen, Ronald", antwortete Hermine auf die wütende Frage ihres Exfreundes. „Du bist schließlich derjenige, der mich wochenlang angelogen hat und in der Zwischenzeit wer weiß was mit Lavender getrieben hast", fügte sie noch hinzu und sowohl Ron als auch Lavender sahen daraufhin sehr beschämt aus. „Wenigstens habe ich mich nicht auf einen verdammten Verbrecher eingelassen. Hast du vergessen, was er uns – dir – all die Jahre angetan hat? Wie oft er dich beleidigt hat? Dieser Feigling hat aus purer Angst vor seinem Boss versucht, Dumbledore zu töten!", sagte Ron und setzte damit nach kurzer Zeit zum Gegenangriff an. Hermine spürte, wie Draco sich von ihr losriss und aus der großen Halle stürmte. Sie war überrascht, dass er nicht aggressiv geworden war und Ronald verhext oder gar verprügelt hatte. „Ja, verschwinde du dreckiger Verbrecher!", rief Ron ihm hinterher; Hermine war sich nicht sicher, ob ihr Begleiter ihren Exfreund gehört hatte. „Habe ich in deinen Augen nicht das Recht dazu, glücklich zu werden, Ronald?", fragte Hermine ihren Gegenüber, während ihr langsam aber sicher die Tränen in die Augen schossen. „Du kannst mir doch nicht im Ernst erzählen, dass dieser Vollidiot dich glücklich macht? Hast du Amnesie?", fragte Ron erzürnt. „Draco hat sich geändert", flüsterte Hermine. „Draco! Jetzt nennst du ihn auch noch bei seinem Vornamen! Er ist eine Schlange und wird auch immer eine bleiben! Mach die Augen auf!", Ron schrie und packte Hermine am Arm. Die Anwesenden in der großen Halle verstanden jedes seiner Worte. „Wenn ich mich recht entsinne, warst du derjenige, der sich in den letzten Monaten wie eine Schlange verhalten hat. Du hast gelogen und betrogen. Draco hingegen hat sich wirklich bemüht, ein anderer Mensch zu werden und es allen zu zeigen. Frag Ginny oder Neville! Beide haben gesehen, dass er es nur allen recht machen wollte. Hör auf, immer andere für den Mist, den du angerichtet hast, verantwortlich zu machen. Ich bin nicht mehr da, um dein Leben in Ordnung zu bringen. Mich hast du endgültig verspielt", Hermine riss sich von ihrem ehemals besten Freund los und machte auf dem Absatz kehrt. Sie musste Draco finden und ihm Rons Gefasel austreiben. Hermine wusste genau, wo sie ihn als erstes suchen sollte.

Nach etwa fünf Minuten stieß Hermine die schwere Tür zur Bibliothek auf und schritt langsam durch die vollen Regalreihen. In der hintersten Ecke, dort wo sie Draco damals zum ersten Mal geküsst hatte, fand sie, wonach sie gesucht hatte. „Ich gebe zu, dass das hier wohl nicht das beste Versteck für mich war", sagte Draco und sah zu Hermine hoch. „Es ist ziemlich süß, dass du genau hier hergekommen bist", antwortete Hermine lächelnd und setzte sich zu ihm auf den Boden der Bibliothek. Nach einigen Minuten, in denen sie nur stumm dagesessen hatten, sagte Hermine: „Nimm dir das mit Ronald nicht so zu Herzen. Er war noch nie ein besonders großer Fan von dir, außerdem ist er eifersüchtig und schon immer jähzornig." „Nein", entgegnete Draco langsam, „Er hat doch mit allem recht. Ich habe dich und deine Freunde jahrelang gequält, war ein egoistisches und blasiertes Arschloch, ein Feigling. Wenn Snape mir nicht zuvorgekommen wäre, wäre ich zum Mörder geworden, Hermine." „Wie oft soll ich dir denn noch sagen, dass du nicht mehr derselbe Mann bist wie früher? Du hast dich von Grund auf geändert. Anstatt zu tun, was du willst und mit mir zusammen zu sein, nimmst du Rücksicht darauf, wie die Gesellschaft mich behandeln würde, wenn sie das von uns wüssten. Nicht besonders egoistisch oder? Du gibst Marietta uneigennützig Nachhilfe, schreibst deiner Mutter alle paar Tage Briefe und bist sofort nach Hause gereist, weil du wusstest, dass sie dich braucht. Du bist weder egoistisch arrogant. Ich habe dir verziehen, was du früher getan hast; ich verstehe dich nun besser und kann deine Taten nachvollziehen. Lass dir von Ron bitte nichts einreden", beeilte sich Hermine zu sagen. Doch Draco antwortete immer noch nicht. „Und nach seiner Szene in der großen Halle weiß ohnehin schon jeder das mit uns beiden. Es gibt keinen Grund mehr, es zu verschweigen", sagte Hermine, doch ihr Gegenüber entgegnete wieder nichts. Hermine legte ihre Hand auf Dracos Wange und drehte seinen Kopf sanft zu ihr, um ihm tief in die Augen schauen zu können. „Du machst mich glücklich. Glücklicher als ich es mit Ron jemals war. Ich denke, ich liebe dich, Draco", sagte Hermine und küsste ihn. Dieses Mal wehrte er sich nicht. Hermine spürte, wie er seine Arme fest um ihren zierlichen Körper schlang und sie an sich zog. Verlangen stieg in ihr auf, aber die Bibliothek – obwohl dieser Ort in den letzten Monaten so wichtig für ihre Freundschaft gewesen war – war einfach nicht der richtige Platz dafür. Schweren Herzens eiste sie sich von ihm los und teilte ihm ihre Einwände mit. „Ich denke, ich wüsste, wie wir dieses Problem lösen könnten", entgegnete er, „Warte hier, ich hole dich in spätestens 30 Minuten ab." Hermine lächelte und ließ Draco gehen. Sie war gespannt, was er sich würde einfallen lassen. 

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