Kapitel 23

3.4K 154 2
                                        

Er hatte wieder ihren Vornamen benutzt. An mehr konnte Hermine nicht denken, als sie neben Draco nach draußen in die Kälte stolperte. Er hielt sie nah bei sich, passte auf, dass sie nicht hinfiel und wie auch in der Bibliothek vor einigen Wochen wollte sie nicht, dass sich das jemals änderte. Seit jenem Vorfall war Draco abweisend gewesen und hatte jede Gelegenheit genutzt, um ihr aus dem Weg zu gehen. Er erschien oft nicht in der großen Halle zum Essen und in den Freistunden hielt er sich nicht mehr in der Bibliothek auf. Nur in Zaubertränke konnte Hermine es schaffen, ihm einige Worte zu entlocken, wenn sie ihn Dinge fragte, die sie eigentlich schon längst wusste. Je komplizierter die Frage war, desto länger musste er sprechen, um sie zu beantworten. In Hermines Kopf drehte sich alles, sie spürte eigentlich nur seine Arme, die sie sanft nach vorn schoben. Ihr Plan war es gewesen, an diesem Abend großartig und vor allem verführerisch auszusehen und ihn mit irgendwelchen wahllos ausgesuchten Männern eifersüchtig zu machen, damit er gar nicht mehr anders konnte, als sie wieder zu beachten. Das Ganze war nur etwas aus dem Ruder gelaufen, da Hermine es nicht besonders gut aufgenommen hatte, dass Draco Marietta mitgebracht hatte. Um die beiden aus ihrem Bewusstsein verschwinden zu lassen, hatte Hermine wohl etwas zu viel getrunken. Auch wenn alles nicht ganz so gelaufen war, wie zuvor geplant, war das Ergebnis doch dasselbe: Sie war mit Draco allein.

Sie wusste nicht genau, weshalb gerade er sie nach draußen begleitet hatte und nicht einer der Quidditch-Spieler, mit denen sie den ganzen Abend geflirtet hatte, aber es war ihr nur recht. Sie genoss jede Minute mit ihm. Hermine ließ sich draußen angekommen auf eine Bank fallen und er setzte sich neben sie. „Du frierst sicher", sagte Draco, zog sein Jackett aus und legte es ihr über die Schultern. Es war Hermine viel zu groß, aber es war warm und es roch nach ihm. Sie sah Draco an und ihr stockte der Atem. Die Haare, die Augen und die breiten Arme – alles sah einfach perfekt aus. Jedes Mal, wenn sie ihn sah, hatte sie Schmetterlinge im Bauch. Sie konnte sich nicht helfen. Hermine war in Draco Malfoy verliebt. „Was ist eigentlich mit dir los?", die Worte waren ihr entwichen, bevor sie überhaupt über sie nachdenken konnte. „Was meinst du?", fragte er und tat unschuldig. „Du weißt genau, von was ich spreche. Erst freunden wir uns an und ich bin überglücklich endlich jemanden gefunden zu haben, mit dem ich über alles reden kann und der mich versteht. Dann überrumple ich dich auf dem Boden der Bibliothek. Als ich mich anschließend dafür entschuldigen will und dir erklären möchte, warum das Ganze passiert ist, schließt du mich aus und gehst auf Abstand. Du beleidigst mich und bist wieder die damals, als ich dich noch verabscheut habe. Deswegen versuche ich, dich zu vergessen, aber du bist immer da. Jeden Tag sehe ich dich in diesem verfluchten Kerker und würde dich am liebsten anschreien, aber ich kann es nicht. Stattdessen mache ich mich zum Affen und versuche, dir so nah wie möglich zu sein. Dann nimmst du Marietta mit zur Party und ich spreche mit zwei netten Männern, die mir Drinks ausgeben, und ohne, dass ich weiß, was eigentlich genau passiert ist, liege ich auf dem Boden, du hilfst mir auf, kümmerst dich und nennst mich auch noch bei meinem Vornamen!", Hermines Worte sprudelten aus ihrem Mund heraus, ohne dass sie ihre Gedanken ordnen konnte. All das brannte ihr seit Wochen auf der Seele und sie war froh, den Gefühlen endlich freien Lauf lassen zu können. Während sie sprach, legte Draco die Hände vor sein Gesicht. Hermine wollte nicht, dass er noch weiter von ihr wegrückte und lehnte deshalb ihren Kopf an seine Schulter. Nach einiger Zeit legte Draco seinen Arm um sie, genau wie damals in der Bibliothek. Nach einigen Minuten sagte er traurig: „Es tut mir wirklich leid Hermine. Aber das Ganze mit uns wird niemals funktionieren können. Ich will gar nicht wissen, was alle anderen denken würden. Eine Gryffindor und ein Slytherin... Und das ist nicht mal der einzige Grund, weshalb ich mich unbedingt von dir fern halten sollte. Es gibt noch so viel mehr, das ich dir einfach nicht sagen kann. Ich würde es so gerne, aber es geht leider nicht. Ich will keinen Abstand zu dir halten, das kannst du mir wirklich glauben, aber es ist der einzige Weg. Es kann anders nicht gut gehen." Hermine hörte seine Worte, als wäre er weit entfernt. Sie nahm sie nicht mehr wirklich wahr, da sie kurz davor war, in einen tiefen Schlaf abzudriften. 

Warum Er?Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt