Kapitel 32

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Nach seinem kurzen Gespräch mit Hermine nach der Zaubertränkestunde hatte Draco wieder einmal seine Meinung geändert. Da er es ohnehin nicht mehr länger schaffen würde, sich von der kleinen Hexe fernzuhalten, würde er wieder wie der Draco sein, den sie am Anfang des Schuljahres kennengelernt hatte. Sie hatte es verdient, gut behandelt zu werden. Und vielleicht hatte er es verdient, endlich glücklich zu werden? In Hermines Gegenwart verhielt Draco sich immer noch zurückhaltend, doch er blieb trotz allem, was in den letzten Wochen zwischen ihnen vorgefallen war, freundlich. Er bemerkte, dass Hermine sichtlich mehr von ihm wollte, doch er konnte ihre neu errungene Freundschaft nicht schon aufs Spiel setzen. Außerdem war Draco sich nicht wirklich sicher, ob Hermine schon ganz über das Wiesel hinweg war und der Vorfall an Halloween nur ein kleiner Ausrutscher gewesen war.

So vergingen die Wochen und Draco sah an einem verregneten Montagabend im Dezember auf das schwarze Brett im Gemeinschaftssaal der Achtklässler. Neben einem Aushang für den Winterball, bei dem die Mädchen sich einen Jungen ihres Jahrgangs aussuchen konnten, hing die Liste für die Schüler aus, die über die Weihnachtsferien nicht nach Hause fahren, sondern weiterhin auf Hogwarts bleiben würden. Es war noch niemand eingetragen. Da Dracos Mutter über die Feiertage mit seiner Tante Andromeda in die Karibik flog, um sich von den Strapazen der letzten Zeit etwas auszuruhen, würde er sich eintragen müssen. Da er die beiden Damen nicht stören wollte, hatte er seiner Mutter gesagt, dass er dringend für seine Prüfungen lernen musste, weshalb es ihm nicht möglich sein würde, dieses Jahr nach Hause zu fahren. Draco nahm an, dass er der einzige seines Jahrgangs sein würde, der die Ferien in der Schule verbrachte. Außer ihm hatten alle seine Mitschüler intakte Familienverhältnisse; Hermine würde sicher auch zu ihren Eltern fahren oder gar zu den Weasleys? Er nahm sich eine Feder und trug mit seiner eleganten Schrift seinen Vor- und Zunamen in die dafür vorgesehenen Felder. Anschließend studierte er das Plakat des Winterballs. Draco war sich sicher, dass Hermine ihn bitten würde, sie zu begleiten. Zunächst hatte er noch beschlossen, dass es ein Fehler sein würde, in dieser romantischen Atmosphäre mit gedimmtem Licht, Sternen und eleganter Abendgarderobe einen Abend mit Hermine zu verbringen. Draco hatte Angst, dass sie beide sich nicht beherrschen könnten und dann sofort alle wüssten, was Sache war. Doch Hermine und er hatten sich die letzten zwei Wochen sehr gut benommen, wie er fand. Sie hatten eine wirkliche Freundschaft aufgebaut und würden sie sicher beide nicht riskieren wollen. „Draco!", unterbrach eine weibliche Stimme seine Gedanken, „Das hier ist jetzt mein letzter Versuch. Wenn du mich abweist, lasse ich dich ein für allemal in Frieden." Marietta klang zwar, als würde sie scherzen, aber Draco wusste, dass dieses Mädchen auch ganz anders konnte. „Gehst du mit mir zum Winterball?", fragte sie süßlich und er fühlte sich, als hätte man ihm mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Marietta war wirklich die letzte Person, mit der er auf eine Verabredung gehen wollte. „Marietta, ich sage es nicht gerne nochmal, aber ich habe nur freundschaftliche Gefühle für dich. Ich weiß, dass ich dir wahrscheinlich falsche Signale übermittelt habe, aber ich möchte lieber mit jemand anderem zum Ball gehen", sagte er und achtete darauf, kühl aber trotzdem höflich zu bleiben. „Mit Granger? Hätte ich doch nur nicht gefragt, das ist wirklich zu demütigend", entgegnete sie schnippisch und Draco verdrehte die Augen. „Es geht dich wirklich nichts an, mit wem ich zum Ball gehen möchte, Marietta. Du solltest wirklich aufgeben, das aus uns könnte nie etwas werden. Tu doch einfach, was du mir eben versprochen hast und lass mich in Ruhe", Draco hatte nun wirklich keine allzu große Lust mehr auf Diskussionen. „Oh diese Unhöflichkeit wirst du noch bereuen Draco Malfoy", sagte Marietta kalt und machte auf dem Absatz kehrt; Draco dachte sich nicht allzu viel dabei, er ging davon aus, dass sie einfach nur überreagierte und ihm gern eine Szene machte.

Als Draco Neville in ihrem gemeinsamen Schlafzimmer traf, schien dieser auf Wolke sieben zu schweben. Hannah Abbott, das schüchterne Hufflepuff-Mädchen, hatte ihn zum Ball gebeten. Hermine hatte ihm erzählt, dass Neville schon lange ein Auge auf sie geworfen hatte, weswegen er jetzt wohl unendlich glücklich war. Draco gratulierte ihm herzlich und machte sich dann auf den Weg zum Abendessen. Hermine saß schon am Tisch der Achtklässler und wartete wohl bereits auf ihn. „Draco, ich habe gesehen, dass du dich auf der Liste derjenigen eingetragen hast, die über die Weihnachtsferien auf Hogwarts bleiben. Eigentlich dachte ich, dass du deine Mutter besuchen willst, nach allem was passiert ist", sagte Hermine und schaute ihm in die Augen. „Nein, sie fliegt mit meiner Tante in den Urlaub und ich will die beiden nicht stören. Außerdem muss ich ohnehin noch für die Abschlussprüfungen lernen. Ich will ja schließlich die klügste Hexe meiner Zeit in den Schatten stellen", er lachte und Hermine schaute zunächst etwas pikiert, verstand jedoch nach kurzer Zeit, dass ihr Laborpartner nur einen Scherz gemacht hatte. „Ich habe mich kurz nach dir in die Liste eingetragen. Scheint so, als wären wir die einzigen aus unserem Jahrgang", sie lächelte verschmitzt und Draco wusste genau, was ihr gerade durch den Kopf ging. „Dann können wir uns gegenseitig beim Lernen unterstützen", sagte Draco langsam und Hermine musste nur noch breiter grinsen. „Ich meine das genau so, wie ich es gesagt habe", sagte er, doch konnte bei Hermines schelmischem Gesichtsausdruck nicht weiter ernst bleiben, „Hermine ich will unsere Freundschaft nicht aufs Spiel setzen, du bedeutest mir zu viel." Erst jetzt wurde ihre Mimik wieder düster. „Nur wenn wir etwas riskieren, bekommen wir beide endlich, was wir wollen.", sagte sie, „und deshalb fordere ich dich hiermit dazu auf, mit mir auf den Winterball zu gehen." „Oh Hermine, du machst mich wirklich fertig", Draco fuhr sich mit den Händen durch die Haare und sah spielerisch verzweifelt aus. „Natürlich begleite ich dich. Ich würde mit niemandem lieber gehen."

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