"Du sagtest, wir seien nur Freunde", sagte sie leise.
"Was hat sie da gerade gesagt? Sie ist sauer, weil ich zu Marietta gesagt habe, dass wir NUR Freunde sind? Will sie denn etwas anderes? Will sie mehr? Das kann doch nicht wahr sein? Sie hängt doch noch am Wiesel? Oder nicht? Sie hat nicht besonders traurig über die Trennung gewirkt... Wegen mir? Mag sie mich? Mag ich sie? Ich weiß überhaupt nicht was hier los ist", Dracos Gedanken überschlugen sich. "Hermine, was meinst du damit?", fragte er sie. Da sie immer noch den Kopf von ihm abgewandt hatte, legte er ihr sanft seine Hand unter das Kinn und drehte sie zu ihm um. Große braune Augen schauten in seine. Ohne genau zu wissen, was er tat, strich er Hermine die Haare hinter das Ohr, ihr Wangen wurden langsam rot. Plötzlich, ohne Vorwarnung schloss Hermine die Augen und küsste ihn. Im ersten Moment war Draco noch entsetzt, schockiert, verwirrt, doch dann schloss auch er die Augen und konnte an nichts anderes mehr denken als an ihre Lippen auf seinen. Hermine legte ihre Hände auf seine Wangen, er fuhr ihr mit der Hand durch die Haare, alles ging so schnell, dass er kaum Luft holen konnte. Fast schon gierig legte sie ihre Arme um seinen Hals und zog sich noch näher an ihn heran.
Erst nach einigen Minuten - oder Stunden, Draco wusste es wirklich nicht, schaltete sich sein Kopf wieder ein. Sofort rückte er von ihr ab und stand auf. Draco fuhr sich durch die Haare. "Hermine, es tut mir wirklich leid, aber..." er konnte seinen Satz nicht zu Ende bringen. Draco schüttelte den Kopf und wandte sich von ihr ab. Er musste hier raus, sonst konnte er nicht dafür garantieren, dass dies nicht wieder geschehen würde, aber das durfte es nicht. Er stürmte aus der Bibliothek heraus und lief auf das Schlossgelände. Nachdem Draco einige Minuten draußen herumgelaufen war, merkte er, dass es eiskalt draußen war und er keine Jacke dabei hatte, aber er konnte nicht in den Gemeinschaftssaal. Was wäre, wenn Hermine dort auf ihn warten würde? Was würde zwischen den beiden passieren?
"Ich bin nicht gut genug für Hermine Granger. Sie ist der zuvorkommendste, empathischste Mensch der Welt. Und dabei habe ich nicht mal erwähnt, wie klug sie ist. Sie ist einfach ein verdammt guter Mensch, der für seine Freunde einfach alles tun würde... Und ich? Ich bin ein ehemaliger Todesser, der immer nur an sich selbst denkt. Ich bin egoistisch und gebe anderen ständig das Gefühl, dumm und nutzlos zu sein, damit ich mich besser fühlen kann. Auch wenn ich versuche, mich zu ändern und das vielleicht auch schon einigermaßen geschafft habe... Auch wenn ich nicht mehr der Mensch von damals bin... Es könnte nicht funktionieren. Es gibt so viele Dinge, die ich ihr nicht sagen kann. So viele Dinge, die nicht mehr gut gemacht werden können. So viele Dinge, die ich ihren Freunden und auch ihr angetan habe. Ich bin nicht gut genug für Hermine Granger", diese Gedanken strömten durch Dracos Kopf, als er sich vor den See gesetzt hatte. Auch wenn er fast erfroren war, konnte er es nicht riskieren, wieder in das Schloss zu gehen. Er könnte es nicht riskieren, wieder Hermine zu begegnen, in ihre Augen zu schauen und sich darin zu verlieren. Es war nicht gut für sie, mit ihm zusammen zu sein. Er musste sie vor sich schützen. Draco war sich darüber im Klaren, dass er sich von Hermine fern halten musste. Er konnte nicht mehr als ihr Laborpartner sein. Er beschloss, ihr gegenüber wieder der Slytherin von damals zu sein und sie sonst nicht weiter zu beachten - nur aus der Ferne. Hoffentlich würde sie denken, dass er das Interesse an ihr verloren hatte. Auch wenn es ihm selbst das Herz zerriss.
Weit nach Mitternacht machte Draco sich auf den Weg ins Schloss, da er hoffte, dass Hermine längst schon schlief. Er stieg die Treppen hoch zum Gemeinschaftssaal der Achtklässler, nannte Shakespeare das Passwort und trat ein. Vor dem Feuer saß eine kleine brünette Hexe, die die Geschichte von Hogwarts auf ihrem Schoß liegen hatte. Gestern hatte sie erwähnt, dass sie dieses Buch meist nur zur Hand nahm, wenn es ihr nicht gut ging und sie sich einsam fühlte. Sie schlief. Draco entschied, dass sein Beschluss erst ab dem nächsten Morgen gültig sein sollte. Leise näherte er sich ihr, nahm eine Decke vom Sessel neben Hermine und wickelte sie ein. Er küsste sie sanft auf die Stirn und wandte sich anschließend der Treppe zu, die zu seinem Schlafsaal führte.
"Draco", murmelte Hermine und er drehte sich blitzartig um. Sie hatte die Augen auch weiterhin geschlossen. Dracos Herz hüpfte, als er bemerkte, dass sie im Schlaf seinen Namen gesagt hatte, was wohl bedeutete, dass sie von ihm träumte. "Nein, es geht nicht", rief er sich in Erinnerung, "Ich muss standhaft bleiben. Es wäre nicht fair, sie mit meinen Problemen zu belasten. Sie gehen nur mich etwas an, ich muss allein damit klar kommen. Ich bin nicht gut genug für Hermine Granger."
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Warum Er?
FanfictionHermine kehrt nach dem Kampf um Hogwarts wieder an ihre alte Schule zurück, um ihr siebtes Schuljahr zu vollenden. Da Harry und Ron beschließen, nicht mit ihr zusammen zu gehen, fühlt sie sich zunächst einsam. Doch dann lernt sie einen ehemals verha...
