Hermine war in Draco Malfoy verliebt. Diese Erkenntnis hatte sie errungen, als er am Vortag nach dem Vorfall in der Bibliothek einfach hinausgestürmt war, ohne sein Verhalten zu erklären. Sie konnte an nichts anderes mehr denken. Wenn Hermine die Augen schloss, sah sie Dracos graue Augen, die sie erwartungsvoll anblickten. Ständig musste sie daran denken, wie er mit seinen Händen durch ihre Haare gefahren war, wie stark sich seine Arme angefühlt hatten, als er sie festgehalten hatte. Sie dachte an seine Lippen, spürte noch seinen Atem an ihrem Hals und merkte, wie sein Geruch an ihr langsam verblasste. Nachdem er gegangen war, war Hermine über eine Stunde auf dem Boden der Bibliothek sitzen geblieben, um zu verarbeiten, was kurz vorher passiert war. Sie hatte Draco geküsst, hatte ihn fast schon überfallen. "War er mit der Situation überfordert? Ich könnte es ihm nicht verübeln, mir geht es nicht anders", dachte Hermine, als sie aufstand und sich für den nächsten Schultag zurecht machte. Obwohl sie nicht wollte, dass Dracos Geruch verschwand, sprang sie unter die Dusche. Sie machte sich auf den Weg in die große Halle und hoffte, ihn dort zu sehen und mit ihm über das Vorgefallene sprechen zu können.
Und da saß er, ihr Herz machte einen kleinen Sprung, als sie ihn sah. Seine weißblonden Haare fielen im lässig ins Gesicht; er trank einen Kaffee und hatte seine Nase in einem Astronomiebuch vergraben, das Hermine zwei Jahre zuvor ebenfalls gelesen hatte. Hermine musste sich zwar etwas überwinden, aber sie setzte sich Draco gegenüber und sagte: "Guten Morgen, Draco." Er schaute kurz hoch: "Granger." Sofort las er weiter in seinem Buch, ohne sie eines weiteren Blickes zu würdigen. Hermine war verwirrt darüber, dass Draco wieder dazu übergegangen war, sie bei ihrem Nachnamen zu nennen. Doch sie ließ sich nicht entmutigen und fuhr fort: "Ich wollte mit dir über gestern reden... Ich kann verstehen, dass es für dich ziemlich verwirrend gewesen sein muss, das war es für mich auch, aber..." Draco unterbrach sie prompt: "Hör zu Granger, ich muss das Buch hier noch zu Ende lesen, bevor ich zum Unterricht gehe und wenn du es nicht schaffst, ruhig zu sein, dann muss ich mich wohl oder übel auf den Weg in den Gemeinschaftssaal machen, um das dort zu tun." Hermine war sprachlos, was war nur mit ihm los? Was hatte sich in den letzten 10 Stunden zwischen ihnen geändert? Warum entzog Draco sich ihr? Seine Stimme war so kalt wie in der ersten Nacht, als sie ihn bei seinem emotionalen Zusammenbruch beobachtet hatte. Sie hatte gedacht, dass ihre Beziehung seitdem einige Schritte vorwärts gemacht hatte. "Aber Draco", sagte sie leise, woraufhin er prompt seine Sachen packte und fast schon aus der großen Halle rannte. Hermine verstand die Welt nicht mehr.
Kurze Zeit später flogen die Eulen in die große Halle und verteilten die Post. Auf Hermines Schoß landete ein Brief, der mit krakeligen Buchstaben beschriftet war. Dieses Gekritzel würde sie überall erkennen: Harry hatte sich endlich bei ihr gemeldet.
Liebe Hermine,
es tut mir leid, dass ich mich erst jetzt melde, aber im Aurorenbüro geht es im Moment drunter und drüber. Wir haben dutzende Meldungen über irgendwelche Goblins, die im Untergrund einen großen Coup planen. Aber du hast sicher ganz andere Sorgen. Ich weiß, dass Ron mit dir Schluss gemacht hat und es tut mir wirklich leid. Er ist ein Vollidiot. Ich kann ihm nicht böse sein, wenn er sagt, dass seine Gefühle für dich mit der Zeit abgeklungen sind und auch nicht, wenn er meint, dass ihr einfach nicht mehr viel gemeinsam habt. Wofür ich ihm aber böse sein kann, ist dass er dich mehrere Wochen lang angelogen hat und sich hinter deinem Rücken mit Lavender getroffen hat. (Ich hasse sie immer noch. Sie war am Wochenende hier. WonWon hier und WonWon da.) Ich habe ihm dafür auch gehörig die Meinung gegeigt und spreche im Moment nur das Nötigste mit ihm. Ich weiß, dass du nicht möchtest, dass ich zwischen die Fronten gerate und deswegen möchte ich auch nicht unbedingt mit Ron über dich sprechen. Du weißt aber, dass ich immer für dich da bin und sobald mein Haus fertig renoviert ist, lade ich Ginny und dich zu mir ein und wir verbringen ein Wochenende ohne Ron. Du schaffst das schon, du bist die stärkste Hexe - und Frau, die ich kenne.
Ich hab dich lieb und vermisse dich. Kopf hoch Hermine.
Harry
"Wenn Harry nur wüsste, dass es nicht die Sache mit Ron ist, die mich so beschäftigt", dachte Hermine. Sie war zwar froh, dass Harry sich endlich gemeldet hatte und auf ihrer Seite war, aber trotz allem war ihr nicht zum Lachen zumute. Was war mit Draco passiert?
Hermine beschloss, dass sie in Zaubertränke den nächsten Versuch starten würde, mit Draco über die Sache vom Vortag zu sprechen. Es konnte doch nicht sein, dass er sich ihr gegenüber ewig so abweisend verhalten würde. Als sie den Kerker betrat, saß er schon an ihrem gemeinsamen Tisch und präparierte die Zutaten für ihren nächsten Zaubertrank. Wieder begrüßte er sie nur knapp und vermied es, ihr in die Augen zu sehen. "Draco, wegen gestern", stammelte sie und versuchte so, seine Aufmerksamkeit zu erregen. Er holte tief Luft, hob den Kopf und schaute sie aus kalten Augen an: "Was willst du von mir Granger? Mit der Zeit wirst du wirklich lästig. Bist du irgendwie besessen von mir oder warum rennst du mir ständig hinterher?" Hermine war den Tränen nah. Sie spürte, wie sie in ihre Augen schossen, aber sie konnte nicht zulassen, dass Draco sie weinen sah. Schnell lief sie zu Professor Slughorn und ließ sich für den Rest des Tages entschuldigen.
"Was ist nur passiert? Was habe ich falsch gemacht? Ich war einfach zu stürmisch, zu leicht zu haben. Hat er das Interesse an mir verloren? Oder nur mit mir gespielt, sich mein Vertrauen erschlichen, um mich dann zu demütigen?"
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Warum Er?
FanfictionHermine kehrt nach dem Kampf um Hogwarts wieder an ihre alte Schule zurück, um ihr siebtes Schuljahr zu vollenden. Da Harry und Ron beschließen, nicht mit ihr zusammen zu gehen, fühlt sie sich zunächst einsam. Doch dann lernt sie einen ehemals verha...
