XVII. Ein neuer Diener

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Ungeduldig wartete Durza, bis sich das Eisen erneut erhitzt hatte. Das Fragen hatte er mittlerweile aufgegeben, noch würde die Elfe nichts preisgeben. Aber beim heißen Eisen gaben die meisten Menschen nach. Da brauchte er die nächsten beiden gar nicht.
Die beiden, die alles und jeden zum Schwur bereit machen würden.
Auch die Elfe. Aber wie Durza es seinem Herrn gesagt hatte, er wollte die Elfe zermürben. Langsam, schmerzvoll.
Das Eisen war bereit. Er zog es aus den Kohlen. Die Elfe keuchte, was er nicht beachtete. Langsam ließ er den Metallstab mit der Flammenform am Ende knapp über ihren Körper gleiten.
Ließ sie die Hitze spüren. Seine Gefangene war in der Zeit, in der sie hier in den Verliesen von Gil'ead war, abgemagert geworden. Das tägliche Essen reichte wohl nicht um den kämpferischen Körper unter diesen Bedingungen zu erhalten.
Als ob Durza das kümmern würde.
Jetzt suchte er eine Stelle wo er sie verletzen konnte. Ihre Haut war fast überall verbrannt, aufgeschnitten oder blutig. Er ging einmal um sie herum. An ihren Füßen fing er plötzlich zu grinsen an. Hielt das Metall vor die ausgewählte Stelle. Sah, wie noch mehr Schweiß auf der Stirn der Elfe entstand.
Als das heiße Eisen ihre Haut berührte, erfüllte ihr Schrei den ganzen Kerker. Der einzige Schnitt den er hier gemacht hatte fing prompt wieder zu bluten an.
Blut lief über die Ferse auf den ohnehin schon blutgetränkten Stein. Er liebte es, seine Gefangenen an der Fußsohle zu verletzen. Jetzt fügte er noch eine Wunde am Bauch hinzu. Dieser hatte am meisten abbekommen. Der Schrei der Elfe war dieses Mal schon etwas heiser.
Eine letzte Brandwunde noch am Oberschenkel und er löschte mit einem Zauber die Glut im Kessel. Durza vertraute darauf, dass die Elfe das Wort sofort wieder vergessen würde. Ohne einen Blick zurück schob er den Kessel aus dem Raum. Der Wache vor der Tür nickte er herablassend zu und ging an ihr vorbei. Der Mann senkte respektvoll den Kopf, er wusste wie man sich verhielt. Und was passierte, wenn man sich unangemessen verhielt.
Durza hatte heute noch zwei Dinge zu tun. Galbatorix Bericht erstatten und sich um einen Gefangenen der Varden kümmern. Der Wache am Ende des Ganges nickte er genauso zu, auch sie wusste dass er der Chef war. Aber eigentlich brauchte er die Wachen nicht, die dumme Elfe kam ja nicht einmal aus den Fesseln raus.
Jetzt war er auf den Straßen von Gil'ead und lief zielstrebig auf sein Haus zu. Leute die seinen Weg kreuzten verschwanden bei Durzas Anblick schnell in einer Seitengasse. Jeder wusste, wie mächtig er war.
Am Haus angekommen setzte er sich direkt an den Tisch und zog den Spiegel hervor. Nachdem er den Zauber gewirkt hatte und das Spiegelbild aufgeklart war, kam ein prunkvolles Arbeitszimmer zum Vorschein. Als ob Galbatorix jemals arbeiten würde. Hier arbeitete Barton, ein Heerführer von Galbatorix. Er war gerade nicht da, also musste Durza warten. Er hasste warten. Aber Barton und Durza waren gleichgestellt, das heißt der Schatten konnte ihn nicht einmal dafür bestrafen.
Jetzt kam Barton ins Bild und entdeckte Durza auf dem Spiegel. ,,Durza! Warum rufst du über d-" Erkenntnis machte sich auf Bartons Gesicht breit und er klatschte sich mit der Hand auf die Stirn. ,,Du musst dem König Bericht erstatten. Jaja. Ich bringe dich zu ihm."

Seufzend stand Durza auf. Das Gespräch mit Galbatorix war nicht gut verlaufen. Der Tyrann wurde langsam ungeduldig und wollte, dass Durza die Sache mit einem geistigen Kampf beendete. Aber er hatte Durza es nicht befohlen. Das heißt, er konnte die Elfe noch weiter foltern. Doch sobald dem König die Geduld endgültig ausgehen würde, hätte Durza keine Wahl mehr.
Nun hatte er jedoch etwas anderes zu tun. Er hatte Meldung bekommen, dass ein neuer Gefangener in den Verliesen auf ihn wartete. Zielstrebig ging er durch die Straßen, bis er wieder an der Treppe angekommen war, die hinunter führte. Die Wache fragte er barsch: ,,Wo ist der Spion?" Der Wachmann schaute ihn erschrocken an, dann antwortete er mit gesenktem Kopf: ,,Einmal links, dann rechts, Herr. Im zweiten Raum rechts."
,,Wie ist er gesichert?"
,,Er hat einen Halsring und Handfesseln. Er ist kein Magier.", gab der junge Mann Auskunft.
,,Danke.", kam es gebieterisch von Durza und mit einer tiefen Verbeugung des Mannes machte er sich auf den Weg.
Vor dem besagten Raum stand noch eine Wache, eine ältere diesmal. Auch diese senkte den Kopf und begann, die Tür aufzusperren als er Durza sah. Der hob jedoch die Hand und sagte: ,,Stopp." Mitten in der Bewegung hielt der Mann inne und blickte dem Schatten ängstlich entgegen. Dieser murmelte in der alten Sprache zwei Wörter und die Tür öffnete sich von alleine. Mit großen Schritten ging Durza hindurch und schloss die Tür hinter sich.
Der Gefangene schaute ihn mit großen, angsterfüllten Augen an. ,,B... Bitte töte mich nicht.", krächzte er. Durza lachte grausam auf. ,,Ohh, nein. Ich werde dich nicht töten." Nach einer kurzen Pause fügte er schmunzelnd hinzu: ,,Zumindest noch nicht." Der Varde war zwischen fünfundzwanzig und dreißig Jahre alt, schätzte Durza. Er hatte blondes Haar und eine große Nase. Seine blauen Augen waren von Entsetzen und Angst gepackt. ,,Möchtest du mir verraten, wie du heißt?" Diese eigentlich freundliche Frage klang aus Durzas Mund wie eine Drohung. Sag es mir oder du stirbst. Der Spion schaute auf den Boden, dann murmelte er: ,,Matt." Durza klatschte in die Hände. ,,Schön schön, Matt. Die erste Frage hat schon mal gut geklappt. Besser als bei eurer Elfe." Schrecken machte sich auf Matts Gesicht breit. ,,Elfe?? Du meinst, sie lebt noch? Aber ihre Weggefährten-"
Er brach ab. Verwirrt starrte Matt auf den Boden. Durza ergriff das Wort: ,,Heißt das, ihr denkt, sie ist tot?" Doch Matt sagte nichts mehr. Der Schatten zuckte mit den Schultern. Wenn er nichts mehr erzählen wollte, musste Durza es sich eben anschauen. Er griff den Geist seines Gegenübers an. Der Schutzwall - falls man es überhaupt so nennen konnte - ging komplett unter in Durzas Angriff. Rücksichtslos stöberte er in Matts Erinnerungen herum, ohne das Stöhnen und Schreien des Mannes zu beachten. Schließlich fand er eine Erinnerung an eine Versammlung der Varden, in der Ajihad erzählte, dass die Botschafterin der Elfen getötet worden war, und das schöne Volk den Kontakt abgebrochen habe. Durza schaute sich das ganze Gespräch an, bis zu dem Zeitpunkt, als ein Freiwilliger gesucht wurde, der als Spion in Gil'ead arbeiten sollte und Matt sich meldete. Der Rest der Erinnerung war belanglos und Durza kehrte wieder in die Gegenwart zurück. ,,Also gut, die Varden denken, die Elfe sei tot. Das ist eigentlich ganz gut. Dann bemitleidet sie auch keiner.", sagte Durza. Matt murmelte leise, mehr zu sich selbst: ,,Wenn ich das Ajihad erzähle!" Als Durza diese Worte hörte, lachte er laut auf. ,,Ajihad erzählen?? Denkst du wirklich, du kommst hier als Varde wieder heraus?" Ohne eine Antwort abzuwarten, griff er den Geist erneut an. Abertausende von Nadeln bohrten von allen Seiten auf Matts Geist. Immer tiefer drangen sie vor. Dann sagte Durza: ,,Schwöre mir die ewige Treue." Der Varde war zu sehr mit schreien beschäftigt, als dass er antworten könnte. Also zog Durza den Angriff kurz zurück und wiederholte den Satz. Keuchend schüttelte Matt den Kopf, kurz darauf brach er unter einem erneuten geistigen Dolch Durzas zusammen. Er kauerte auf dem Boden, zitterte, schrie und schluchzte. Noch einmal zog Durza den Angriff zurück, doch noch immer wollte der Spion keinen Schwur leisten.
Da beschloss der Schatten, es schnell zu beenden. Innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde hatte er die Kontrolle über den anderen Körper. Durza richtete ihn auf und kniete ihn dann vor sich selbst nieder. Mit Matts Mund sprach er die bindenden Worte. Als der Körper mit dem Geist darin vollständig unterworfen war, kehrte er in seinen zurück und bedeutete Matt, aufzustehen. Dieser schien noch ganz verwirrt, doch er befolgte Durzas Aufforderung. Mit kalter Stimme sprach der neue Herr: ,,Regel Nummer eins. Du wirst dich vor mir verbeugen, sollte ich den Raum betreten, an dir vorbeilaufen oder vor dir stehen."
,,Ja, Herr."
,,Gut. Regel Nummer zwei. Du bist den Wachen hier gleichgestellt, aber allen Heerführern unterworfen. Trotzdem wirst du einzig und allein meine Befehle ausführen." Durza konnte sehen, wie Matt versuchte, die Worte zurückzuhalten, doch der Schwur ließ im keine Wahl.
,,Ja, Herr."
Durza begann, die Fesseln zu öffnen. ,,Du wirst mir jetzt genau zuhören. Es ist dir nicht erlaubt, irgendjemandem von unserem Gespräch hier zu erzählen. Weder einem Varden noch einem anderen Diener. Du wirst zurück zu den Varden gehen. Erzähl ihnen, dass manche Soldaten in Gil'ead Verdacht geschöpft haben und du deswegen nicht mehr sicher bist. Überzeuge sie. Sie werden dich wieder aufnehmen und du wirst für mich spionieren. Einmal pro Woche erstattet du mir über den Spiegelzauber Bericht. Keiner darf dich belauschen oder sehen. Du wirst dich unauffällig verhalten und so tun, als wärst du noch ein Varde. Der Zauberspruch für den Spiegel lautet..."
So ging es noch eine Weile weiter, in der Durza Anweisungen gab und Verbote aussprach. Die ganze Zeit über stand der neue Diener ihm gegenüber und sagte nichts. Als Durza fertig war, fragte er noch: ,,Hast du alles verstanden?"
,,Ja, Herr."
Zufrieden nickte Durza, drehte sich um öffnete die Tür. ,,Komm mit, Diener." Würdevoll verließ er den Raum und Matt folgte. Die Wache vor der Tür hatte das Schwert schon halb aus der Scheide, als Durza ihm Einhalt gebot. ,,Halt. Er ist jetzt ein Diener wie ihr." Die Wache nickte und steckte das Schwert zurück.
Zu zweit liefen sie zurück, der Schatten und der Diener. Als sie wieder am Tageslicht waren, sagte Durza: ,,Geh in die Stadtställe und hole das schnellste und stärkste Pferd das sie haben. Sie werden keine Fragen stellen. Wenn doch, schick sie zu mir."
,,Ja, Herr.", kam die allgegenwärtige Antwort und Matt drehte sich um und lief in Richtung der Ställe. Doch plötzlich rief Durza ihn nochmal zurück. Als Matt wieder vor ihm stand, holte Durzas wortlos sein Messer aus dem Gürtel und hinterließ einen tiefen Schnitt auf Matts Stirn. ,,Was hast du vergessen?"
Kurz schauten Mattverwirrt, bis die Antwort wie von selbst aus seinem  kam: ,,Das Verbeugen, Herr."
,,Genau. Hol das nach, dann darfst du gehen." Matt verneigte sich tief, dann ging er erneut los. Bei neuen Dienern war Durza noch nachsichtig. Bei einem erfahrenern hätte er die Peitsche herausgeholt.
Trotzdem hatte die dunkle Seite ein vielversprechendes neues Mitglied.

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Hey,

tut mir sooo mega leid dass so lange nichts kam, aber ich war einfach komplett unmotiviert. 😔😬😭
Dafür heute ein extra langes Kapitel von Durza. Ich denke, ich kann jetzt wieder öfter updaten, vielleicht nicht alle zwei Tage aber ein bis zwei Mal die Woche sollte klappen 😊

~N.

P.S. Ein neues Cover ist da! Wie gefällt es euch?

Eragon - Aryas GefangenschaftGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt