- VII -

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Schlaff hing Arya in den Ketten. Ihr ganzer Körper schmerzte und das Wissen, dass das nur ein Auftakt ihrer Folter machte es nicht besser.

Sie hatte Hunger. Aber Durza hatte ja gesagt ,,Schönen Nachmittag", das hieß, es konnte nicht mehr lange dauern, bis sie etwas zu essen bekommen würde.

Es war schon einige Zeit vergangen, seit Durza gegangen und Arya in Selbstmitleid versunken war.

Sie würde hier nie als freie Elfe herauskommen. Entweder sie ertrug für unendlich lange diese Schmerzen, da die Zeit sie nicht vom Leid erlösen würde. Oder sie starb an den Schmerzen.

Oder sie schwor Galbatorix die Treue.

Arya musste zugeben, nach dieser ersten Folter kam ihr das Angebot frei gelassen zu werden ein wenig verlockender vor. Einfach nur ein paar Worte sagen und sie konnte wieder gehen, wohin sie wollte.

Nein.

Wohin Galbatorix wollte, dass sie ging.
Wie konnte sie über so etwas überhaupt nur nachdenken? Sie war eine Elfe! Elfen waren stark und gaben nicht nach ein paar Peitschenhieben einfach auf.

Sie kämpften.

Genau das würde Arya auch tun. Und zwar härter als irgendjemand aus ihrem Volk es jemals getan hatte.

Sie würde dem König nicht die Treue schwören! Lieber starb sie als freie Elfe als endlos versklavt zu leben.

Trotzdem konnte sie nicht leugnen, dass die tiefen Striemen auf ihrem Körper höllisch brannten und sie das Gefühl hatte niemals ihre Schultern wieder nach unten nehmen zu können.

Ihre Handgelenke waren inzwischen von Schorf bedeckt und schmerzten nicht mehr, aber jetzt wären ihr aufgerissene Handgelenke lieber als das, was sie stattdessen ertragen musste.

Mit der Zeit wurde sie seltsam müde. Müder, als sie hätte sein dürfen. Arya grübelte darüber nach, kam aber auf kein Ergebnis, außer, dass so etwas auf eine Folter folgte.

Nach einer halben Ewigkeit, wie es Arya vorkam, kam Thom und gab ihr Essen und Trinken.

Es war eine Wohltat, ihren trockenen Hals mit Flüssigkeit zu füllen. Das Essen war wie immer, aber das Wasser schmeckte leicht süßlich.

Sie wusste nicht, was es damit auf sich hatte, fragte aber auch nicht nach. Er hätte ihr sowieso keine Antwort gegeben. Also trank sie es wortlos und erst, als er wieder gegangen war, dachte sie darüber nach.

Rein aus Freundlichkeit würde Durza Aryas Wasser nicht versüßen. Töten würde er sie wohl auch nicht, er wollte, dass sie noch viel mehr litt.

Eine schlaflose, schmerzerfülle Nacht bescheren? Wohl eher nicht, er würde Arya dabei zusehen wollen.

Dann fiel es ihr wie Schuppen von den Augen: Das Gift! Durza hatte gesagt, sie würde jeden Morgen Gift verabreicht bekommen und am Abend den heilenden Nektar.

Deswegen war sie auch so müde geworden. Der Nektar musste einen süßen Geschmack haben, weswegen Arya ihn bemerkt hatte.

Aber das Gift? Wann hatte sie es bekommen? Auch im Wasser? Oder im Essen?

Doch mitten in ihren Überlegungen kam der Schlaf und übermannte sie.

Als Arya wieder aufwachte, war irgendetwas anders. Aber sie wusste nicht, was.

Sie sah sich in ihrer Zelle um. Die Tür war geschlossen, das Gitterfenster darin sah genauso wie immer aus. Die Steinwände so schwarz wie eh und je.
Es war wie gewohnt ganz still.

Zu still.

Das leise Tropfen war verstummt, und als Arya zu der Stelle schaute, wo das Wasserrinnsal die Wand hinab gelaufen war, sah sie nur noch eine leicht feuchte Stelle auf dem Boden.

Irgendwie beunruhigte sie diese Tatsache. Das Wasser musste ja von der Stadt oberhalb dieser Verliese gekommen sein.

Ein flüssiges, keinen Zoll breites Band zur Außenwelt war gerissen und hatte sie alleine in ihrer Folterkammer zurückgelassen, ohne den leisteten Schimmer, was mit dem Drachenei passiert war, oder was gerade in Alagaesia vorging.

Sie war allein.
Ganz allein.

Plötzlich durchbrach das Geräusch von Schritten die neue Stille und Aryas erneut erwachtem Selbstmitleid. Thom.

Sie glaubte, es müsste Frühstück sein, was er brachte. War sich aber nicht sicher.

Zeit war hier egal.

Tag und Nacht waren hier egal.

Freundschaft war hier egal.

Alles war hier egal.

Teilnahmslos aß und trank sie. Das Brot war ein bisschen matschig, das war ihr bei der letzten Mahlzeit nicht aufgefallen.

Vom Gift? Es war ihr egal. Es könnte auch nur Einbildung gewesen sein. Auch das war ihr egal. Einfach egal.

Eragon - Aryas GefangenschaftGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt