Arya schreckte auf, als sich die Tür plötzlich öffnete. Sie war so in Gedanken gewesen, dass sie die Schritte wohl überhört haben musste.
Durza kam herein, hinter ihm zwei andere Männer in Rüstung und mit dem Wappen von Galbatorix auf der Brust.
Ach ja richtig. Sie wurde auf den anderen Raum 'verlegt'.
Durza grinste und kam zu Arya. Er beugte sich zu ihr herunter und sagte: ,,Hallo Elfe. Du bekommst neue ... 'Gemächer', das ist schön oder? Deine Arme schmerzen wohl schon ganz schön? Wir wollen dir nur helfen!
Deinen Schultern Linderung verschaffen."
Er lachte. Er lachte, als hätte er gerade ein kleines Kind getröstet und würde jetzt über dessen Tollpatschigkeit lachen.
Als sie diese Worte und dieses Lachen hörte, verschwand Aryas Gleichgültigkeit plötzlich, wurde aber nicht durch Angst ersetzt.
Sondern durch Wut. Sie war so von Wut, Hass und Verachtung erfüllt, dass sie glaubte, Durza mit bloßen Händen töten zu können.
Plötzlich gab sie einem undefinierbaren Drang nach und schrie den Schatten an.
Es war kein Schrei des Schmerzes.
Es war ein Schrei der Verachtung und des Hasses, mit einer Spur Verzweiflung, wie Arya erschrocken bemerkte.
Sie war entsetzt, wie schnell ihre Selbstbeherrschung, die eigentlich perfekt gewesen war, gebröckelt hatte.
Sie hatte ihren Gefühlen einfach freien Lauf gelassen und sie herausgeschrien.
Sie war schon von klein auf gelehrt worden, keine Gefühle zu zeigen und sie hatte diese Technik das letzte Jahrhundert zur Perfektion getrieben.
Ein Jahrhundert Arbeit von Arya nach zwei Tagen verloren - dank Durza.
Sie fürchtete sich fast vor sich selbst, aber Durza schien völlig unbeeindruckt.
Er richtete sich wieder auf und winkte einem der Männer, der, wie Arya jetzt bemerkte, ein etwa zwei Zoll breites Lederband mit einer Kette in der Hand hielt.
Der Mann kam aus seiner Ecke, in der er bis jetzt gestanden hatte, und stellte sich neben Durza. Auch er beugte sich herunter und begann wortlos, das Band um Aryas Hals zu befestigen.
Sie versuchte, ihren Kopf wegzudrehen, aber es war sinnlos. Innerhalb einer halben Minute hatte sie den Kopf in einem Lederhalsband, das so fest gezurrt wurde, dass kein Finger mehr zwischen Haut und Leder passte. Nicht einmal ein Blatt Papier.
Es lag direkt an Aryas Hals an, als wäre es extra für sie angefertigt worden. Was, wenn sie darüber nachdachte, wahrscheinlich gar nicht so abwegig war.
Der Mann hielt die Kette des Halsbandes in der Hand, während Durza begann, ihre Handfesseln zu lösen. Es dauerte verhältnismäßig lang, zwei- oder dreimal murmelte er ein paar Begriffe in der Alten Sprache, die Arya nicht verstehen konnte, dann wurde das Eisen etwas warm.
Nach einigen Minuten lösten sich die Fesseln und Arya konnte die Arme herunternehmen. Sie machte es vorsichtig, um ihre steifen Schultern nicht zu sehr zu strapazieren, trotzdem tat es weh, nachdem sie die Arme fast zwei Tage nach oben gestreckt hatte.
Sie keuchte auf, als eine erneute, starke Schmerzwelle ihren Oberkörper durchfuhr, da sie die Arme jetzt hängen ließ und das Gewicht der Hände und Unterarme für die Schultern fast zu viel war.
Durza nahm von ihren Qualen keine Notiz, sondern machte sich an den Fußfesseln zu schaffen. Es dauerte nicht ganz so lange, brauchte aber genügend Zeit, sodass Arya einen Versuch starten konnte, das enge Lederband um ihren Hals zu lösen.
Sie war so auf ihr Halsband konzentriert, dass der plötzliche Schmerz im Gesicht sie völlig unvorbereitet traf. Der Schlag war so heftig gewesen, dass ihre rechte Wange und das entsprechende Ohr taub wurden.
Sie blickte auf. Der eine Mann, der bis jetzt nichts gemacht hatte, war unbemerkt herangetreten und hatte ihr eine Ohrfeige verpasst.
,,Hör auf." Seine Stimme war etwas heiser, aber man hörte, dass der Mann es gewohnt war, dass seinen Befehlen Folge geleistet wurde.
Arya war jedoch kein Soldat, der seinem Befehl unterstellt war, und als er wieder zurück in seiner Ecke war, begann sie erneut, am Leder herumzuzerren. Sie wusste selbst nicht, was sie damit erreichen wollte, außer dass sie erneut einen Schlag bekam. Vielleicht war es Trotz. Oder Verzweiflung.
Durza nahm immer noch keine Notiz von dem was sich zwischen Arya und dem Soldaten abspielte, als der Mann wieder zu Arya kam und ihr abermals eine Ohrfeige gab. Auf die andere Gesichtshälfte.
,,Hör auf." Diesmal war seine Stimme gefährlich leise und wütend geworden.
Gerade als Arya sich fragte was er tun würde wenn sie dennoch weitermachte, öffneten sich auch die Fußfesseln und Durza stand auf.
Er zog irgendwo aus seinem Umhang ein weiteres Lederband hervor, dass er, ebenso fest wie das um ihren Hals, an ihren Handgelenken befestigte, sodass sie wieder gefesselt war. Er drückte die daran hängende Kette dem Mann in die Hand, der auch schon die des Halsbandes im Griff hatte und sagte: ,,Kommt."
Seine Stimme war vollkommen ruhig, trotzdem lief Arya ein Schauer über den Rücken. Es klang, als würde Durza ein Todesurteil sprechen.
Der Mann, der die Ketten hielt, zog an der, die zu ihrem Hals führte und zwang Arya so, aufzustehen. Der plötzliche Ruck an ihrem Hals ließ sie erst einmal nach vorne kippen, bevor sie sich langsam aufrichtete.
Voller Wut und Verachtung sah sie Durza an und spuckte ihm, in dem Wissen, wahrscheinlich einen Fehler zu begehen, ins Gesicht.
Wortlos wischte er sich den Speichel mit seinem Umhang ab.
Dann hob er die Hand zu Aryas Gesicht, bevor er sie wieder auf Gürtelhöhe sinken ließ. Aus dem breiten, schwarzen Lederband, das seine Hüfte zierte, holte er einen langen, spitzen Dolch heraus.
Blitzschnell hob er die Hand wieder und zog die Spitze der Waffe über Aryas Stirn. Alles war so schnell gegangen, dass sie nicht einmal mit dem Kopf nach hinten gezuckt war.
Plötzlich verschwand auch ihre Wut. Sie war diesen Männern so hilflos ausgeliefert, dass diese sie einfach von hinten erstechen könnten und sie würde nichts mitbekommen.
Arya würde einfach sterben, ohne gekämpft zu haben. Nur ins Nichts übergehen.
Diese Erkenntnis ließ auch die letzten Reste Verachtung oder Wut verschwinden. Ihr einziges Gefühl, das sie empfand, war Angst.
Pure Angst.
Nachdem Durza den Dolch wieder in dem Gürtel verstaut hatte, drehte er sich, noch immer ohne ein Wort zu sagen, um, und verließ den Raum.
Der Mann mit den Ketten folgte und zog Arya hinter sich her. Als letztes kam der Mann, der Arya die Ohrfeigen verpasst hatte und jetzt die Tür hinter sich schloss.
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Eragon - Aryas Gefangenschaft
FanfictionEine Elfe. Ein Schatten. Unzählige Qualen. Wenn dein größter Wunsch ist, zu sterben. [Die Gefangenschaft Aryas aus ihrer Sicht] 1K ✔ 3K ✔ 5K ✔ 7K ✔ (12.6.20) 10K ✔ (18.10.20) [WIRD ÜBERARBEITET]
