XXV. Jonathans Folter

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Voller Angst wartete Arya darauf, was Durza mit Jonathan anstellen würde. Sie glaubte nicht, dass er ihn zu seinem Diener machen wollte. Nein, Durza wollte den Jungen tot sehen. Und es würde kein kurzer und schmerzloser Tod werden.
Plötzlich schrie der Junge auf. Der Schatten musste in seinen Geist eingedrungen sein. Jonathan schrie immer wieder, krümmte sich zusammen, bettelte um Gnade. Und Durza machte immer weiter, drang in die tiefsten Ecken seines Bewusstseins ein. Der Junge schrie und weinte. Arya versuchte panisch, den Jungen mit ihrem Geist zu schützen, doch ihrer war nach wie vor betäubt. Sie konnte nichts dagegen tun. Kraftlos lag das Kind am Boden, zitterte, bettelte in einer kurzen Pause der Qualen. Durza stand aufrecht, wie so oft grinste er genüsslich.
Nochmal drang er in den Geist des Kleinen ein, nochmal schrie dieser auf. ,,Bitte ... B ... Bitte ... Hö .... Hör auf ... Bitte.", schluchzte Jonathan, dann schrie er erneut.
Für Arya fühlte es sich an wie ein ganzer Tag, in dem sie den grauenvollen Schreien zuhören musste, bis Durza genug zu haben schien.
Der Junge lag als Bündel auf dem Boden, von Weinkrämpfen geschüttelt. Doch noch war er nicht tot. Durza würde so lang weitermachen, bis Jonathan leblos zu seinen Füßen lag, davon war Arya überzeugt.
Jetzt zog Durza ein Messer hervor, drehte es locker in der Hand, als überlege er, wo es am meisten weh tun würde.
Schließlich riss er grob das Wams des Jungen auf, setzte das Messer auf der Brust an. Zog einen langen Schnitt, quer über den Oberkörper. Arya schloss die Augen, sie wollte es nicht sehen. So sehr sie sich sich dafür verachtete, sie konnte das Blut nicht sehen. Vor einigen Stunden war Jonathan noch fröhlich und voller Tatendrang gewesen, jetzt lag er neben ihrem Kopf, mit blutüberströmtem Körper und verquollenen Augen.
Nochmal schrie er. Vorsichtig öffnete Arya die Augen, sie war schuld an seiner Situation, sie musste es wenigstens mitansehen.
Jonathan hatte jetzt nur noch eine Unterhose an. Auch seine Beine hatte das Messer zu spüren bekommen, das Blut lief auf den Boden, vermischte sich mit dem Aryas. Angeekelt holte Arya Luft. Mühsam brachte sie ein Wort heraus. ,,Durza. H ... Hör auf. Es ... ist genug." Kurz unterbrach der Schatten seine 'Arbeit'. Mit Lachen. Er richtete sich auf, sah Arya in die Augen. ,,Ach, Elfe. Das tut weh, nicht wahr? Einen kleinen Jungen sterben zu sehen... Und es ist auch noch deine Schuld.", seine Stimme war so sanft wie die eines Vaters. Seine Augen so kalt wie Eis. ,,Aber ich bin ja kein Unmensch. Ich gebe dir die Chance, ihn zu retten." Feierlich breitete er die Arme aus. Dann flüsterte er leise: ,,Gib mir die Informationen." Er beugte sich zu ihr herunter. ,,Sag mir alles was du weißt und ich werde ihn gehen lassen. Beantworte mir die Fragen die ich dir stelle und dein kleiner Freund hier ist frei."
Zitternd schloss Arya die Augen. Eine Träne lief ihr die Wange hinunter. So sehr sie das Leben von Jonathan retten wollte, das Schicksal Alagaësias hing von ihrer Entscheidung ab. Verriet sie Durza die Geheimnisse ihres Volkes, gab es keine Hoffnung mehr. Egal wie sehr Arya sich dafür hasste, ihre nächsten Worte mussten sein.
,,D ... Das kann ich nicht.", sagte sie zitternd. Durza zuckte mit den Schultern. ,,Okay. Wenn du ihn sterben lassen willst..."
Er spielte mit ihr. Wollte Arya ein schlechtes Gewissen machen. Er wusste bar nicht, wie viel Erfolg er damit hatte. Noch eine Träne enkam Aryas Augen, doch sie durfte das Wohl eines kleinen Jungen nicht über das ihres Landes stellen.
Durza erhob sich wieder und trat Jonathan in den Magen. Der schrie auf, was von Durza nur mit einem abfälligen Blick quittierte.
,,Weißt du was, Elfe? Ich lasse dich einfach eine Zeit lang mit deinem Freund hier allein. Ihr könnt ja ein nettes Pläuschen halten, nicht wahr?", sagte der Schatten und lachte selbstgefällig. Im Vorbeigehen schlug er Arya mit der Faust zwischen die Rippen, was sie aufkeuchen ließ, dann ging er.
Er ging einfach. Ließ die beiden einfach blutend zurück. Brachte es nicht zuende. Durza wollte Jonathans Leiden noch so lange wie möglich ziehen.

Eragon - Aryas GefangenschaftWo Geschichten leben. Entdecke jetzt