Thom weckte Arya das nächste Mal. Er kam herein und rüttelte sie an der Schulter bis Arya die Augen geöffnet hatte. Er erklärte knapp: ,,Das Abendessen hast du verpasst. Ich konnte dich nicht aufwecken. Du hast lediglich das Gegenmittel bekommen. Das jedenfalls ist Frühstück."
Hatte sie so fest geschlafen?
Dann fiel Arya etwas auf. Sie fühlte sich ... freier. Ihr Geist war klarer als vorher. Zum ersten Mal seit langem versuchte sie, auf die Magie zurückzugreifen. Ihr Geist war zwar immernoch wie von Watte umwinkelt, die Magie draußen, doch die Watte schien nicht mehr so dicht.
Arya konnte die Magie spüren, sie musste nur noch zu ihr durchdringen.
Thom machte sie von dem Steinblock los, doch das nahm sie kaum wahr. Sie versuchte gerade durch die Watte zu kommen, die wie Spinnweben war und Arya nicht durchlassen wollte.
Dann zog Thom sie an den Schultern hoch und Arya kehrte schmerzvoll in die Wirklichkeit zurück.
Das Blut, das von ihrem Rücken gelaufen war und sich auf dem Stein gesammelt hatte, war getrocknet und hatte sich jetzt schmerzhaft von Aryas Rücken gelöst. Manche hatten auch wieder zu bluten angefangen.
Thom schien ehrliches Mitleid mit ihr zu haben, doch er sagte nichts. Er führte sie wieder in den leeren Raum und Arya tat, was erwartet wurde. Als sie wieder herauskam, legte Thom ihr die Hand auf die Schultern und führte sie wieder zurück.
Bei allem war sie geistlich abwesend, ihre Gedanken waren bei der Magie. Sie kam einfach nicht durch die Barriere. Doch es wurde immer lichter und irgendwann, als sie fast bei der Zellentür angekommen waren, kam sie durch.
Endlich konnte sie wieder Magie wirken! Alle Begriffe ihrer Muttersprache waren wieder da, alle Zauber und ihre Wirkungen. Alles wusste wieder.
Doch sie traute sich nicht, etwas laut auszusprechen.
Sie konzentrierte sich auf den Heilzauber.
Mit all ihrer Aufmerksamkeit dachte sie das Wort und an eine einzelne, blutende Wunde an ihrem Rücken.
Mit einiger Mühe stoppte die Blutung und die Messerwunde verheilte halb.
Thom und sie traten durch die Zellentür.
Die nächste Wunde heilte.
Noch eine.
Jetzt konnte Arya schon etwas Kraftverlust spüren, sie war nicht mehr so stark wie früher.
Sie setzte sich auf den Steinblock.
Eine Wunde auf ihrem Rücken heilte noch.
Arya kaute ein Stück Brot.
Ein Striemen noch fiel ihrem Zauber zum Opfer, doch er konnte nicht ganz heilen: Plötzlich wurde die Magie wieder verschwommen. Die Begriffe der Alten Sprache entglitten ihr wie Fische in Bach. Während Arya verzweifelt versuchte, sich an das Wort Heilen zu erinnern, bekam sie noch ein Stück Brot.
Jetzt waren alle Worte weg.
Sie fühlte sich leer und ausgesaugt, als wäre sie fünf Tage gerannt ohne sich einmal auszuruhen.
Dann kam sie darauf: Die Droge, mit der sie belegt sein musste, war im Essen! Deswegen hatte sie für kurze Zeit wieder Magie wirken können, weil sie eine Mahlzeit verpasst hatte.
Aber öfter konnte sie das nicht machen. Nicht nur wegen Durzas Drohung bei ihrer ersten Mahlzeit, sie brauchte etwas zu essen. Sonst würde sie viel schwächer und somit auch angreifbarer sein.
Arya wollte nicht weiter essen, doch sie hatte Hunger. Außerdem konnte sie sich ja jetzt schon nicht mehr erinnern, also wurde es nicht schlimmer.
Das Füttern machte ihr inzwischen nichts mehr aus. Nach dem Foltern brauchte sie etwas zum Essen, egal wer ihr das gab oder wie sie es bekam.
Aber der Hunger verging. Er kam zwar wieder, war aber nicht immer da. Immer da war der Schmerz. Doch auch der war nicht Aryas Hauptgefühl.
Es gab noch ein anderes. Eines, das nicht nur immer da war, es stand immer im Vordergrund.
Das Gefühl war auch jetzt wieder stark, weil Arya zum wiederholten Mal bewusst geworden war, wie hilflos sie war.
Angst.
Tiefe, ununbezwingbare Angst.
Sie glühte in Aryas Körper, in ihrem Kopf, in jeder einzelnen Wunde.
Als Arya es geschafft hatte, einige Wunden zu heilen, war sie ein wenig erloschen, doch mit der Droge war auch die Angst wiedergekommen.
Nach dem Essen schnallte Thom sie wieder auf den Steinblock. Arya leistete keinen Widerstand. Irgendwie fühlte sie sich zu enttäuscht um irgendetwas zu tun. Zu enttäuscht, dass sie ihre Magie wiedererlangt hatte, und sie nach so kurzer Zeit wieder verloren.
Sie nahm den Schmerz in ihrem Rücken kaum war als sie sich wieder hinlegte.
Arya war wie gefangen in ihrer Hilflosigkeit.
Die nächste Zeit verbrachte sie ohne viel nachzudenken. Als Durza kam, stöhnte sie innerlich auf, bei der Aussicht auf noch mehr Schmerzen, doch mehr machte sie auch nicht.
Es war keine Gleichgültigkeit, was sie so teilnahmslos machte.
Es war die Angst, die ihr so zu schaffen machte. Arya hatte noch nie so viel Angst gehabt. Oder so lange am Stück.
Immer nur kurz. Oder gar nicht.
Doch jetzt zerfraß die Angst ihr Inneres, machte sie Mürbe.
Da brauchte sie Durza gar nicht, auch wenn er mit seinen Foltern die Angst schürte und stärker machte.
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Eragon - Aryas Gefangenschaft
FanfictionEine Elfe. Ein Schatten. Unzählige Qualen. Wenn dein größter Wunsch ist, zu sterben. [Die Gefangenschaft Aryas aus ihrer Sicht] 1K ✔ 3K ✔ 5K ✔ 7K ✔ (12.6.20) 10K ✔ (18.10.20) [WIRD ÜBERARBEITET]
