"Wieso habt ihr das getan?", platze ich stürmisch ins Wohnzimmer und sofort zucken meine Eltern erschrocken zusammen. Mit großen Augen sehen sie mich an.
"Was meinst du mein Schatz?", fragt meine Mutter, wenn ich sie überhaupt so nennen kann, und schaut mich verwirrt an.
"Ihr wisst ganz genau was ich meine!", schreie ich sie wieder an und Kämpfe mit den Tränen. Ich habe mich gerade einfach nicht unter Kontrolle.
Auf dem Heimweg ist mir alles nocheinmal klar geworden. Meine 'Eltern' haben mich entführt und in ein anderes Land verschleppt. Sie haben mich von meiner Familie getrennt. Wie krank kann man bitte sein?
Und obwohl sie mich all die Jahre aufgezogen haben und mich behandelt haben, als wäre ich ihr leibliches Kind sind all diese familiären Gefühle auf einmal verschwunden.
Ich fühle nichts mehr. Nur noch Hass. Hass, dass sie so eiskalt sein konnten. Dass sie einer Mutter das Kind nehmen konnten. Dass sie die Mutter in Unwissenheit und Angst zurück gelassen haben. Dass sie das Kind verschleppt haben, in ein anderes Land. Dass sie so getan haben als wäre es ihr eigenes. Dass sie Lügen erfunden haben. Dass sie alles verheimlicht haben. Dass sie so vielen Menschen das Leben zerstört haben.
"Jasmine! Nicht in diesem Ton!", meint der Mann, der mich großgezogen hat, streng und legt die Zeitung in seinen Händen bei Seite.
"Du kannst mich mal. Du hast mir gar nichts zu sagen!", schieße ich sofort zurück. Ich habe einfach eine so unfassbare Wut in mir.
"Jasmine! Zügel deine Zunge! So spricht man nicht mit seinem Vater!", ermahnt mich nun auch meine Mutter und ist wütend aufgesprungen von der Couch.
"Er ist nicht mein Vater, genauso wenig wie du meine Mutter bist", zische ich und sofort entweicht den beiden all ihre Farbe aus dem Gesicht.
"Woher weißt du es?", stottert meine 'Mutter' und schaut mich mit großen Augen ängstlich an.
"Sie haben mich gesucht! Meine Familie hat nie die Hoffnung aufgegeben und mich hat heute in der Stadt ein Kamerateam angesprochen! Sie haben mich gesucht und gefunden!", meine ich immer noch aufgebracht. Für einen kurzen Moment schauen wir drei uns schweigend an.
Dann renne ich einfach aus dem Wohnzimmer, die Treppe nach oben und knalle hinter mir meine Zimmertür zu.
Erschöpft lasse ich mich auf mein Bett fallen und langsam laufen Tränen an meinen Wangen hinunter.
Es will nicht so richtig in meinen Kopf gehen, dass sie nicht meine Eltern sein sollen. Das ist also irgendwie so unreal. Ich bin Engländerin, wer hätte das vor ein paar Tagen gedacht?
Das Klingeln meines Handys reißt mich plötzlich aus meinen Gedanken und erschrocken zucke ich zusammen.
Wie in Trance nehme ich den Anruf entgegen und halte mir mein Handy ans Ohr.
"Hey, Babe. Wie war's in der Stadt? Ich wollte fragen ob du noch vorbei kommen willst?", klingt die Stimme meines Freundes aus dem Hörer.
Bei dem Klang seiner Stimme fährt mir ein wohliger Schauer den Rücken hinunter, jedoch ist mir auch echt unwohl zu mute. Am liebsten würde ich zu meiner Familie. Dann würde ich weit weg von ihm sein und das würde ich einfach nicht aushalten. Aber wer weiß, vielleicht will meine Familie nicht, dass ich zu ihnen komme sondern einfach nur ein bisschen Kontakt.
"Babe? Alles in Ordnung? Ist was passiert?", reißt mich Jason's besorgte Stimme aus meinen Gedanken und energisch schüttel ich meinen Kopf um nicht wieder in meine Gedanken zu verfallen.
"Jason, alles ist eine Lüge", bringe ich hervor und beiße mir fest auf die Unterlippe, um nicht wieder anfangen zu heulen.
"Was? Aber Jasmine! Ich liebe dich. Über alles! Das kannst du doch nicht einfach wegwerfen!", meint er nervös und fleht mich schon fast an.
"Was?", frage ich verwirrt. Was meint er denn?
"Ich dachte, du willst Schluss machen", meint Jason traurig und es zerreißt mir mein Herz ihn so zu hören.
"Was? Nein! Wie kommst du denn darauf? Es geht um mein Leben! Mein ganzes Leben ist eine große Lüge", meine ich verzweifelt, nehme Jason trotzdem die Angst Schluss machen zu können.
"Ich dachte, das hat sich so angehört. Aber mal langsam. Wieso eine Lüge? Was ist denn passiert?", fragt er besorgt und liebevoll nach.
"Kannst du bitte vorbei kommen?", frage ich mit schwacher Stimme und beiße mir erneut auf die Unterlippe um nicht loszuheulen.
"Aber natürlich, Babe. Ich bin in 10 Minuten da". Und damit hat er schon aufgelegt. Seufzend lasse auch ich mein Handy wieder sinken und Falle in mein Kopfkissen zurück. Sofort umgibt mich der weiche Stoff, des frisch bezogenen Bettbezuges und in mir flammt das Gefühl von Geborgenheit auf.
Ich schließe meine Augen und stelle mir meine Familie vor. Meine Mum, die auf einer grauen Couch in einem großen Wohnzimmer sitzt, 4 Jungs, 2 die ebenfalls gemütlich auf der Couch sitzen. Die anderen 2 tollen durch das Zimmer und mein Vater kommt mit einem Tablett voll mit Teetassen aus der Küche.
Und ich mittendrin. Wohlig seufze ich auf bei dem Gedanken an meine Familie.
"Babe? Kannst du aufmachen?", klopft Jason nach einigen Minuten an meine immer noch abgeschlossen Tür und hört sich ziemlich besorgt an.
Kurzerhand stehe ich auf, schließe die Tür auf und ziehe ihn in mein Zimmer. Sobald er drin ist, schließe ich die Tür wieder ab und lehne mich erschöpft an die Brust meines Freundes.
Sanft legt Jason seine Arme um mich und drückt mir liebevoll einen Kuss auf mein Haar. Sofort fühle ich mich beschützt und wie zuhause.
"Babe, was ist denn passiert? Bitte rede mit mir, dann kann ich dir helfen", flüstert Jason sanft und drückt mich noch enger an sich heran.
"Meine Eltern sind gar nicht meine Eltern", schluchze ich gegen seine Brust und sofort drückt er mich von sich weg und schaut mich mit großen Augen an.
"Was redest du denn da?", fragt er irritiert und streicht mir sanft meine Tränen weg.
"Ich wurde in der Stadt von einem Kamerateam angesprochen. Sie waren sowas wie vermisst mit Julia Leischik. Meine Familie sucht mich, meine richtige Familie. Sie leben in England und ich habe vier Brüder. Meine 'Eltern' haben mich entführt und nach Deutschland verschleppt. Meine richtige Mutter hat mich mein ganzes Leben lang gesucht und nie die Hoffnung aufgegeben. Und jetzt haben sie mich durch Amanda, also die vom Fernsehen, gefunden", schluchze ich erneut und vergrabe mein Gesicht wieder in seinem Oberteil.
"Was? Babe, das ist ja schrecklich. Es tut mir so leid", meint Jason schockiert und drückt mich noch fester an seine Brust.
"Willst du mit zu mir kommen? Dann hast du etwas Abstand zu deinen Eltern und so wie ich dich kenne brauchst du das jetzt", schlägt mein Freund vor und küsst mich liebevoll auf die Stirn.
"Ich glaube das ist eine gute Idee. Erstmal brauche ich etwas Abstand. Ich liebe dich", lächel ich Jason an und blicke zu ihm hoch.
"Ich liebe dich auch, Babe", lächelt Jason und legt liebevoll seine Lippen auf meine.
Ich bin so froh ihn in dieser Zeit an meiner Seite zu haben. Was würde ich nur ohne ihn machen?
Hey ihr Lieben!
Ein neues Kapitel ist da und ich hoffe, dass es euch gefällt.
Wie hättet ihr an Jasmine's Stelle reagiert?
Und was haltet ihr von Jason?
Lasst gerne Feedback da!
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Changes (Roadtrip Fanficton)
FanfictionWas ist wenn plötzlich dein komplettes Leben auf dem Kopf steht? Wenn alles anders kommt wie du es dir jemals vorgestellt hast? Wenn du plötzlich die kleine Schwester deines Idols bist. Genau das passiert Jasmine. Ihr Leben ist eigentlich total lang...
