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Diesmal laufe ich ihr nicht hinterher, sondern starre auf den Punkt, an dem sie gerade noch stand. Verdammt. Verdammt, verdammt, verdammt.

Als ich realisiere, was ihre Worte bedeuten, werde ich plötzlich wütend. Wütend auf mich selbst. Wieso habe ich es denn erst so weit kommen lassen? Es war doch klar, dass es irgendwann so kommen wird, wenn ich mich Cassandra gegenüber nicht anders verhalte. Ich trete gegen den Sessel. Nochmal. Und nochmal. Und nochmal, nochmal, nochmal.

Ich renne aus der Eingangstür und in den Wald hinter unserem Grundstück. Ich renne einfach nur, ohne auf meine Umgebung zu achten, ohne zu wissen wohin ich renne. Die Bäume um mich herum verschwimmen und ziehen rasend schnell an mir vorbei. Ich renne, renne, renne, und stoppe erst, als meine Lungen vor Schmerz brennen und ich den Geschmack von Blut auf auf der Zunge habe. Inzwischen befinde ich mich nicht mehr im Wald, sondern auf einer weiten Fläche aus vertrocknetem Gras, abgestorbenen, kahlen Bäumen und weit und breit nichts als Wiese. Mein Atem geht stoßweise und bildet in der Luft weiße Wolken. Ich stütze mich auf meinen Knien ab, huste in paar Mal, dann verschwinden die Sterne, die davor vor meinen Augen getanzt haben.

Das hat gut getan. Endlich mal wieder zu rennen, ohne an irgendetwas zu denken, ohne etwas zu fühlen, einfach nur zu rennen. Das habe ich schon lange nicht mehr getan. Eigentlich schon seit Jahren nicht mehr. Früher habe ich das regelmäßig gemacht, um in Form zu bleiben und den Kopf frei zu bekommen. Aber dann haben wir die Band gegründet und unser Manager hat es mir verboten, weil es angeblich zu gefährlich sein könnte, ich könnte mich ja verlaufen oder verletzen. Stattdessen müssen wir jetzt regelmäßig ins Fitnessstudio.

Beim Gedanken daran verdrehe ich genervt die Augen. Aber diesmal brauche ich tatsächlich erst mal eine Weile, bevor ich mich orientieren kann. Dann erkenne ich die Gegend. Ich bin auf dem Plateau, ungefähr 3 Kilometer entfernt von unserem Haus, von dem man normalerweise einen wunderschönen Blick auf das Meer hat. Heute ist es allerdings nebelig, grau und kalt, sodass die Sicht nicht wirklich weit reicht.

Es dämmert auch schon langsam, also beginne ich zurück zu joggen. Dabei denke ich darüber nach, wie ich den ganzen Mist mit Cassandra wieder in Ordnung bringen kann. Denn das muss ich. Das muss ich auf jeden Fall.

C A S S A N D R A

Ich habe gedacht, dass ich mich besser fühlen würde, nachdem ich den Kontakt zu Corbyn abgebrochen habe. Aber das tue ich nicht. Nicht einmal ansatzweise.

Jetzt sitze ich wieder in der Küche und versuche meinen Tortilla aufzuessen, aber ich bekomme ihn einfach nicht runter, da mir der Appetit vergangen ist. "Was ist los? Du isst ja gar nichts.", wundert sich Jack, der noch als Einziger in der Küche ist und mir Gesellschaft leistet. Ich schrecke aus meinen Gedanken hoch und schaue ihn an. "Hm?" Jack zieht die Augenbrauen zusammen. "Was ist passiert?" Ich tue dumm und setze ein unschuldiges Lächeln auf. "Was soll passiert sein?" Er mustert mich durchdringend mit zusammengekniffenen Augen. "Ich weiß nicht, du isst so gut wie gar nichts und bist seit du von deinem Gespräch mit Corbyn zurückgekommen bist so nachdenklich." Bei Corbyns Namen verschwindet mein Lächeln. Doch gleich darauf habe ich meinen Gesichtsausdruck wieder unter Kontrolle. "Nein, es ist alles gut." Jack seufzt. "Das glaube ich dir zwar nicht, aber okay. Du weißt doch, dass ich immer für dich da bin, was auch immer es ist, oder?" Diesmal ist mein Lächeln echt und ich umarme ihn kurz. "Danke, das ist lieb von dir." Er lächelt mir zu und sagt: "Ich muss jetzt mit ins Musikzimmer, die anderen warten schon auf mich, wir wollen die Party planen. Ruh dich einfach ein bisschen aus, okay?" Ich nicke. "Okay, bis dann." Er steht auf, lächelt mich nochmal an und geht aus der Küche.

Ich seufze tief, nehme dann meinen Tortilla und schmeiße ihn schweren Herzens weg, obwohl man das eigentlich nicht tun sollte. Aber ich fühle mich so, als müsste ich mich übergeben wenn ich auch nur noch einen weiteren winzigen Bissen davon essen müsste.

𝐈 𝐡𝐚𝐭𝐞 𝐲𝐨𝐮, 𝐈 𝐥𝐨𝐯𝐞 𝐲𝐨𝐮 || 𝐖𝐡𝐲 𝐃𝐨𝐧'𝐭 𝐖𝐞 𝐅𝐅Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt