C A S S A N D R A
Als Corbyn nach 10 Minuten immer noch nicht wieder zurück zu uns in das Büro gekommen ist, erhebe ich mich von meinem Stuhl und gebe Jonah Bescheid, dass ich nach Corbyn sehen werde. Nicht, dass er es sich doch anders überlegt hat und einfach in sein Zimmer verschwunden ist.
Ich schließe die Tür hinter mir und will schon in Richtung Wohnzimmer davongehen, da höre ich ein leises Schluchzen rechts von mir.
Verwundert drehe ich mich um und entdecke Corbyn, der zusammengekauert an der Wand lehnt.
Erschrocken keuche ich auf und knie mich sofort zu ihm hinunter. Egal wie viel Streit wir vorhin hatten, Corbyn so zu sehen, gefällt mir nicht - im Gegenteil, es bereitet mir Sorgen.
"Hey, was ist los?", frage ich besorgt und nehme vorsichtig seine Hand um auf mich aufmerksam zu machen. "Lass mich in Ruhe, Cassandra.", presst er hervor, zieht seine Hand allerdings trotzdem nicht aus meiner.
Trotz seiner Zurückweisung lasse mich neben ihm auf den Boden sinken und streiche beruhigend über seinen Handrücken. "Alles wird gut..."
Sobald diese Worte meinen Mund verlassen haben, könnte ich mich selbst ohrfeigen, weil sie einfach total bescheuert sind und eigentlich fast immer total unpassend sind. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Doch jetzt sind sie schon draußen und ich kann sie nicht mehr zurücknehmen.
Wütend entzieht Corbyn mir nun doch seine Hand und hebt den Blick. Seine Augen sind vom Weinen gerötet und seine Haare total durcheinander - und trotzdem sieht er immer noch verboten gut aus.
Gott, was denke ich denn da? Ich bin doch echt bekloppt, Corbyn geht's offensichtlich schlecht und das einzige was mir einfällt, ist ernsthaft, dass er immer noch gut aussieht? Wow.
"Was weißt du denn schon davon? Du mit deinem kleinen, verflucht perfekten Leben!", flucht Corbyn laut und schaut mich mit blitzenden Augen an. Fassungslos rücke ich von Corbyn ab.
Okay, äußerlich mag er zwar vielleicht anziehend sein, über seinen Charakter kann man das allerdings definitiv nicht sagen.
Ich meine, was habe ich ihm denn getan, verdammt? Ja, meine hirnlose Bemerkung war wirklich nicht gerade passend, aber so anschreien muss er mich trotzdem nicht. Und was fällt Corbyn ein so über mein Leben zu urteilen? Er kennt mich doch so gut wie gar nicht, und erst recht hat er keine Ahnung, was ich alles schon durchgemacht habe.
"Wag es nicht so über mein Leben zu urteilen, bevor du mich überhaupt kennst, Corbyn. Wag es nicht." Bei so was bin ich echt empfindlich. Doch Corbyn lacht einfach nur freudlos. "Ach, was machst du dann, hm? Es ist doch so!" Von außen wirke ich vielleicht ruhig, innerlich koche ich nur so vor Wut. "Jetzt sagst du nichts mehr, hm? Hat es dir wohl die Sprache verschlagen?", fragt Corbyn mit einer Stimme, als würde er mit einem Kleinkind reden. Ich balle meine Hände zu Fäusten. Corbyn hat kein Recht, so mit mir zu reden. "Das ist aber schade, ich mag deine süße Stimme doch so.", bemerkt Corbyn mit vor Sarkasmus triefender Stimme.
Ich atme tief durch um mich nicht von der Wut, die sich immer weiter in meinem Inneren ausbreitet, überwältigen zu lassen und Corbyn eine zu verpassen.
"Du lebst wie eine kleine, verwöhnte Prinzessin in deinem perfekten Wunderland. So ist es doch!"
Okay, das reicht. Bevor ich mich stoppen hätte können, habe ich Corbyn eine Ohrfeige verpasst.
Er keucht auf und fasst sich an die Wange. Überrascht schaut er mich an.
"Ja, du hast recht! Mein Leben ist perfekt, was sonst?! ...Verdammt, du hast ja keine Ahnung wie beschissen es sich anfühlt wenn der eigene Vater sich umbringt! Nicht zu vergessen mein Bruder, der seit 3 verdammten Jahren nicht mehr zu Hause war, das ist noch die Kirsche auf dem Sahnehäubchen, nicht wahr?! Ja, du hast recht, mein Leben ist so verflucht perfekt!"
Meine Augen füllen sich mit Tränen. Tränen der Trauer, aber auch Tränen der Wut. Wut auf Corbyn, der über mein ach so perfektes Leben urteilt. Wut auf meinen Vater, der sich einfach umgebracht hat, ohne dabei an seine Familie zu denken. Wut auf meine Mutter, die seit dem Vorfall nur noch vor sich hin vegetiert. Wut auf meinen Bruder, der sich zu Hause seitdem einfach nicht mehr hat blicken lassen und mich mit Mum alleine gelassen hat. Wut auf mich. Weil ich meinem toten Vater, verdammt nochmal, immer noch nicht vergeben habe.
Ich will an Corbyn vorbeistürmen, doch plötzlich legt er seine starken Arme um mich und hält mich eng an seine Brust gedrückt. "Es tut mir so Leid, Cassandra. Ich bin bescheuert." Ich will mich wehren, mich von ihm losreißen, aber ich habe keine Kraft mehr.
Und ich muss zugeben, nach einer Weile will ich es auch gar nicht mehr. Denn Corbyns Umarmung fühlt sich so vertraut und geborgen an, dass ich mich am liebsten nie wieder von ihm lösen würde.
Ich vergrabe meinen Kopf an seiner Brust und lasse meinen Tränen freien Lauf.
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𝐈 𝐡𝐚𝐭𝐞 𝐲𝐨𝐮, 𝐈 𝐥𝐨𝐯𝐞 𝐲𝐨𝐮 || 𝐖𝐡𝐲 𝐃𝐨𝐧'𝐭 𝐖𝐞 𝐅𝐅
Fiksi Penggemar𝔼𝕤 𝕕𝕒𝕦𝕖𝕣𝕥 𝕝𝕒𝕟𝕘𝕖 𝕍𝕖𝕣𝕥𝕣𝕒𝕦𝕖𝕟 𝕒𝕦𝕗𝕫𝕦𝕓𝕒𝕦𝕖𝕟, 𝕊𝕖𝕜𝕦𝕟𝕕𝕖𝕟 𝕖𝕤 𝕫𝕦 𝕫𝕖𝕣𝕤𝕥ö𝕣𝕖𝕟 𝕦𝕟𝕕 𝕖𝕚𝕟 𝕘𝕒𝕟𝕫𝕖𝕤 𝕃𝕖𝕓𝕖𝕟 𝕖𝕤 𝕨𝕚𝕖𝕕𝕖𝕣 𝕙𝕖𝕣𝕫𝕦𝕤𝕥𝕖𝕝𝕝𝕖𝕟. **Erster Teil** -> Fortsetzung: "I hate that I love...
