28

552 25 9
                                        

Okay, jetzt ist es also so weit. Ich werde allen von meiner Vergangenheit erzählen. Und mit allen, meine ich auch wirklich alle. Denn Jack hat nicht nur Jonah geholt, sondern auch Corbyn und Dani mitgebracht. Was ja im Prinzip nicht schlimm ist, Corbyn weiß sowieso schon davon und meinen Bruder "betrifft" es ja selber, aber trotzdem sind es somit noch mehr Zuhörer, was mich in der ganzen Sache nicht gerade sicherer macht.

Ich setze mich auf die Couch neben Jonah und Dani, rechts von mir lässt Bell sich nieder. Erwartungsvoll blicken mich alle an. Ich werfe Jonah noch einen kurzen Blick zu. Er schaut mich fragend an, doch von Wut oder einer anderen negativen Reaktion auf das Gespräch von ihm und Corbyn ist nichts zu erkennen. Ich lächele ihn leicht an, woraufhin er seine Hand auf meine legt, was mich etwas beruhigt.

Tief durchatmend schaue ich wieder in die Runde. Jack, Zach und Corbyn sitzen auf den Sesseln gegenüber der Couch, auf der Jonah, Bell, Dani und ich sitzen.

"Okay. Also, wie ihr ja mitbekommen habt, hatte ich vorgestern eine Panikattacke. Ich habe so was zwar öfter mal, aber so eine schlimme hatte ich schon lange nicht mehr. Weil ihr euch alle so sehr um mich gesorgt habt, obwohl viele mich noch gar nicht wirklich lange kennen, finde ich es nur fair, euch jetzt auch zu erklären, wieso ich die Panikattacke hatte. Dani und Bell... und Corbyn, ihr wisst ja schon davon." Besagte nicken zustimmend. Dani wirft mir einen ermutigenden Blick zu und Bell drückt kurz meine Hand.

Jonah wird etwas unruhig und als ich seinem Blick folge, bemerke ich Corbyn, der anscheinend nur Augen für mich hat. Was mich allerdings noch mehr überrascht, ist, was für ein Ausdruck sich in seinen Augen widerspiegelt. In seinem Blick liegt so viel Wärme und Sanftheit. Er hält meinen Blick fest, seine Gesichtszüge ganz weich und freundlich.

Plötzlich kommt es mir so vor, als wären Corbyn und ich alleine in diesem Raum. Ich bin wie gefesselt. Und mit einem Mal bin ich mir doch nicht mehr so sicher, ob das vorhin wirklich nur ein Mitleidsbonus und nicht vielleicht doch ernst gemeint war.

Als Jonah seine Hand von meiner nimmt, komme ich unsanft wieder in der Realität an. Er blickt mich etwas verletzt an, vermutlich weil ich Corbyn schon von dem Ganzen erzählt habe, ihm aber nicht. Und das ist durchaus berechtigt, denn ihn kenne ich jetzt schon ein ganzes Jahr, Corbyn erst sein ein paar Tagen. "Tut mir Leid.", flüstere ich also, nur für ihn hörbar. Jonah nickt und bedeutet mir fortzufahren. Als ich noch einen winzigen Blick in Corbyns Richtung wage, schaut er uninteressiert auf seine Hände, so als hätte er das zwischen uns gerade eben nicht auch gespürt.

Etwas verunsichert fahre ich fort: "Genau. Ich hoffe, dass ihr alle danach immer noch so offen und locker zu mir seid und nicht die ganze Zeit so mit mir umgeht, als wäre ich irgendwie zerbrechlich oder so ein Mist. Das kann ich nämlich gar nicht ab." Ich werfe meinem Bruder einen Blick zu. "Das selbe gilt für Dani."

Jonah, Jack und Zach schauen verwirrt zwischen meinem Bruder und mir hin und her. "Okay, klar.", stimmt Jack dann allerdings trotzdem zu.

"Gut. Also, wo soll ich anfangen..." Ich halte kurz inne und fahre dann fort. "Okay, vor 3 Jahren ist Dani ja hier her gezogen und hat mit euch die Band gegründet. Mein... Dad hat das nicht wirklich gut geheißen, weil er immer wollte, dass sein Sohn einen anständigen Beruf hat, eine Familie gründet und ordentlich Geld verdient. Aber Dani war willensstark und hat seinen Traum verwirklicht - worauf ich übrigens unglaublich stolz bin. Es war damals zwar noch nicht wirklich klar wie zeitaufwendig und erfolgreich die Sache mit der Band wird, aber unser Dad hat Dani gedroht, ihn niemals wieder zu unterstützen - weder finanziell, noch als Vater - und ihn mit den Worten 'Wenn du jetzt gehst, denk gar nicht daran, dieses Haus jemals wieder zu betreten' förmlich aus dem Haus geschmissen. Unsere Mum hat das total fertig gemacht und durchgängig mit unserem Dad gestritten, weil sie es für richtig empfunden hat, Dani seine Träume leben zu lassen. Ihre Meinungen waren also grundverschieden. Ihr könnt euch bestimmt vorstellen wie schwer diese Zeit für mich, für uns war. Dani war nicht mehr da, das allein war schon schrecklich, da er für mich viel mehr als nur ein Bruder ist. Wir haben davor gefühlt jede Sekunde zusammen verbracht und waren unzertrennlich."

𝐈 𝐡𝐚𝐭𝐞 𝐲𝐨𝐮, 𝐈 𝐥𝐨𝐯𝐞 𝐲𝐨𝐮 || 𝐖𝐡𝐲 𝐃𝐨𝐧'𝐭 𝐖𝐞 𝐅𝐅Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt