Part II

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Part II

San PoV

Sofort war es still im Klassenraum. Verwirrt sah ich auf meine Hand, die noch immer nach oben gestreckt war. Langsam zog ich sie zurück, während ich mich räusperte: „N-nichts. Hab' vergessen, was ich sagen wollte." Daraufhin fuhr Mr Song mit seinem Unterricht fort. Vielleicht war ich auch selbst langweilig, aber trotzdem sagte ich im Unterricht nur in den seltensten Fällen etwas, wenn es um die eigene Meinung ging. In Mathe ein Ergebnis vortragen war kein Problem für mich, sobald ich allerdings meine eigene Meinung vertreten sollte fühlte ich mich alles andere als wohl dabei. Selten vertrat ich die Meinung der anderen, hatte immer eine andere Vorstellung als sie, deswegen hielt ich mich bei solchen Diskussionsrunden eher zurück. Viel lieber folgte ich, wie jetzt auch, schweigend dem Geschehen und machte mir meine eigenen Gedanken.

„San, würdest du noch einen Moment warten, bitte?", hielt mich Mr Jung auf, als ich grade den Klassenraum verlassen wollte. Verwirrt drehte ich mich um und ging zu den beiden Lehrkräften an das Pult, ehe ich beide abwartend ansah: „Ja, Mr Jung?" „San, du wolltest doch vorhin etwas sagen, richtig?", sah besagter Lehrer von seinem Stuhl aus zu mir auf, woraufhin ich antwortete: „Es war nichts wichtiges gewesen." „San, ich bin schon etwas länger dein Lehrer und seitdem Mr Song euch unterrichtet beobachte ich auch euch Schüler und mir ist aufgefallen, dass du dich aus solchen Diskussionsrunden immer zurückhälst. Auch sonst lässt deine mündliche Note zu wünschen übrig. So kenne ich dich gar nicht." „Entschuldige, wenn ich mich einmische, aber mir ist auch etwas aufgefallen. San, du wirkst so unwohl, wenn du dich zu einem Thema äußern sollst. In keiner meiner Klausuren hast du je deine eigene Meinung geschrieben. Du hast bewusst geschenkte Punkte weggeworfen. Kann es sein, dass du Angst davor hast deine eigene Meinung zu sagen?", schlussfolgerte der Referendar Mr Song, traf damit genau ins Schwarze, weshalb mir nichts anderes übrigblieb als zu nicken: „Ja, ich denke, dass viele meine Sichtweisen nicht nachvollziehen oder verstehen würden." Kurz tauschten die beiden älteren einen Blick aus, ehe Mr Jung vorschlug: „Nun, ich bin sehr interessiert deine Meinung zum vorherigen Thema zu hören und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass ich dich verstehen werde." „Sind Sie sich da wirklich sicher?", hinterfragte ich, was ihn zum Grinsen brachte: „Selbstverständlich. Ich bin Lehrer und habe die Pflicht mich um meine Schüler zu kümmern, also bitte, sag mir was du vorhin sagen wolltest." „Nun, ich wollte-" „San, wo bleibst du?!", wurde ich durch die energische Stimme meines Freundes unterbrochen, weswegen ich mich auch zur Tür umdrehte, wo dieser, mit Yeosang an seiner Seite, stand. „Woo, ich komme schon.", bestätigte ich, ehe ich mich zu den beiden Lehrkräften umdrehe, „Tut mir leid, ich muss los." Ich verbeugte ich einmal kurz vor ihnen, ehe ich zu meinem Freund eilte, der alles andere als erfreut darüber schien, dass er auf mich warten musste.

„Warum brauchst du solange?!", zischte Wooyoung wütend, packte mich dabei etwas fester am Arm, was zwar etwas schmerzte aber auszuhalten war. „Tut mir leid, der Lehrer-" „Ist mir jetzt auch egal, komm ich hab Hunger!", unterbrach er mich, zog mich dabei weiter hinter sich her in die Cafeteria, wo wir uns wieder auf unseren Stammplatz setzten, beziehungsweise die anderen setzten sich. Ich stellte mich an der Essenausgabe an, um für Wooyoung etwas zu essen zu kaufen. Dies tat ich, da Wooyoung sehr ungeduldig war und es hasste anstehen zu müssen. Mich wiederum störte es nicht. Was waren schon diese paar Minuten in der Schlage?

Der Biologie Unterricht verging wie im Flug, mag daran liegen, dass das neue Thema die verschiedenen Sexualitäten waren. Unter anderem auch Pädophilie. Auch dieses Mal startete der Unterricht wieder mit einer Diskussionsrunde, in der ich jedoch abschaltete.

„San, warte bitte. Ich möchte, dass du mir jetzt erzählst, was du vorhin sagen wolltest.", wurde ich erneut aufgehalten, wollte eigentlich sagen, dass Wooyoung auf mich warten würde, doch dieser würde sich mit mir vor der Sporthalle treffen und mich nicht wie das letzte Mal abholen kommen. „Mr Jung, es war wirklich nichts wichtiges." „Ich finde alles, was meine Schüler zu sagen haben ist etwas Wichtiges, also bitte, ich höre.", behaarte er, weshalb ich seufzte: „Also gut. Ich wollte vorhin sagen, dass mich interessieren würde, was ein Pädophiler denkt. Ehrlich gesagt würde mich das bei vielen interessieren. Ein Stalker zum Beispiel. Warum tut er das und was denkt er dabei? Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass meine Klasse das nicht so sehen würde wie ich. Für sie sind solche Menschen Monster, die es nicht mehr verdient haben zu leben..." „Meinst du denn, dass ein Mensch, der einem anderen Menschen so etwas unverzeihliches getan hat, noch weiter leben darf?", hinterfragte Mr Song, weshalb ich mit den Schultern zuckte: „Ich weiß es nicht. Eine Strafe sehe ich ja als angemessen, aber man sollte nicht Gott spielen wollen." „Ich verstehen, danke San, dass du uns deine Meinung zu dem Thema mitgeteilt hast.", bedankte sich Mr Jung, weshalb ich mich höflich verbeugte und den Raum verließ.

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