Der Krieg war zu Ende. Hogwarts wurde wieder aufgebaut, damit alle Schüler ihr Schuljahr wiederholen können. Das Schloss lag im Dunkeln, wie immer wenn der Hogwartsexpress Hogsmead erreichte. Harry stieg mit seinen Freunden aus und setzte sich in eine, von Thestralen gezogene Kutsche. Er fühlte sich unbehaglich mit dem Gedanken daran, dass er wieder ganz normal zur Schule gehen sollte. Hogwarts war sein Zuhause, das war keine Frage, aber der Krieg hatte ihn verändert. Er hatte Angst davor, zurückzukehren. Ihn kannten alle, er war der Held des Krieges, er hatte Voldemort getötet und er hatte zweimal den Todesfluch überlebt. Doch heldenhaft fühlte er sich nicht, dazu waren zu viele Menschen gestorben, zu viel Leid entstanden. Doch da war mehr, als die Angst davor, nicht mehr 'einfach nur Harry' sein zu dürfen. Viel mehr war es die Angst, Draco Malfoy wiederzusehen. Der Gedanke an den blonden Jungen versetzte ihm einen Stich ins Herz. In seinem fünften Schuljahr waren sie ein Paar gewesen. Auch noch heute liebte er den Jungen, doch im Krieg hatten sie sich verloren. Eine Mauer aus Gut und Böse trennte sie. Draco Malfoy war ein Todesser geworden und trug das Dunkle Mal. Harry war das komplette Gegenteil von ihm. Egal was passieren würde, sie würden nicht akzeptiert werden. Dabei wünschte sich Harry nichts sehnlicher, als den Slytherin wieder in seine Arme zu schließen. Und Harry hasste sich dafür, denn eigenlich widerte ihn Dracos Taten an. Er hatte versucht, Dumbeldore zu töten, obwohl er gewusst hatte, was er für ihn getan hatte. Trotzdem hatte Draco Harry das Leben gerettet, als er ihn verraten sollte. Er war ein schlechter Schauspieler gewesen. Harry hielt den Zauberstab von Draco in der Hand, den er ihm im Kampf abgenommen hatte. Hermine musterte ihren besten Freund, „Alles in Ordnung, Harry? Wenn du reden willst..." Doch Harry winkte ab, „Will ich nicht." Sie fuhren schweigend zum Schloss.
Draco Malfoy hatte sich hinter einer Ecke versteckt, um den Blicken der Schüler zu entgehen. Er fühlte sich elendig, denn er wusste, dass jeder ihn hier hasste, sogar die Lehrer. Aber er konnte es verstehen, denn er hasste sich auch selbst. Er hatte schlimme Fehler gemacht, das wusste er. Doch der schlimmste Fehler war, dass er zu schwach war. Die letzte Kutsche war weggefahren und so konnte Draco sich endlich auf den Weg zum Schloss machen. Er strich sich über den linken Unterarm, krempelte den Ärmel hoch und schaute auf sein Dunkles Mal. Eine Träne rollte ihm über die Wange. Was hatte er nur getan? Er hörte leise Schritte, richtete hastig seinen Ärmel, denn niemand sollte sein Schandmal sehen und bemerkte, dass es Luna war, der die Schritte gehörten. Sie schaute ihn mitleidig an, aber lächelte. Draco versuchte, ihr Lächeln zu erwidern, was ihm aber nicht so recht gelang. „Hallo, Draco. Wieso bist du noch hier?" fragte sie ihn in ihrem verträumten Ton. Malfoy blickte zu Boden. Er hatte Luna wirklich gern. Sie war damals in ihrem fünften Schuljahr die gewesen, die ihn gesehen hatte, als alle anderen wieder das größere Ziel nur im Blick hatten. Er zögerte kurz, bevor er auf ihre Frage antwortete: „Ich wollte die Blicke der anderen meiden." Sie legte den Kopf schief, „Heißen die anderen Harry Potter?" Draco schaute überrascht auf, Luna war immer sehr direkt, aber auf eine einfühlsame Art. Dracos beste Freundin Pansy Parkinson war das auch immer für ihn gewesen, doch sie wiederholte das Schuljahr nicht, sondern zog mit ihrer Freundin Daphne Greengras nach Norwegen, um die Gegend zu erforschen. Er vermisste sie, doch wusste, dass er hätte mitkommen können. Er hatte sich allerdings dagegen entschieden, denn sein Herz schickte ihn nach Hogwarts. „Auch und vor allem." sagte Draco schließlich. Luna merkte, dass er die Wahrheit sagte, „Du vermisst ihn, oder? Ich glaube, er vermisst dich auch." Draco schüttelte den Kopf, „Er hat was besseres verdient, als einen Todesser." Schweigend liefen sie zum Schloss hinauf. Doch die Nähe tat Draco tut. In der großen Halle saßen alle Schüler und aßen. Draco schien die Einweisung der Erstklässler verpasst zu haben. Er setze sich zögerlich an den Rand des Slytherintisches und suchte die Halle nach dem grünen Augenpaar, in das er sich verliebt hatte. Doch er musste nicht lange suchen. Harry sah älter aus, erwachsener. Aber immer noch hübsch, vielleicht sogar noch ein bisschen hübscher als früher. Genau in dem Moment, in dem Draco ihn so sehnsüchtig an sah, blickte Harry auf und erwiderte kurz den Blick des Slytherin, ehe ihre Verbindug brach, da sich einige Erstklässler zwischen sie stellte und Draco böse anfunkelten, „Wehe, du tust ihm etwas. Dann kriegst du es mit uns zu tun." sagte einer von ihnen. Draco war nicht nach Stress, dazu war er zu müde. Sein Stolz war im Krieg gestorben, genauso wie seine Kraft. Er sagte es nicht besonders laut, doch jeder hörte es und lauschte gespannt, schließlich wussten alle Jahrgänge, bis auf die neuen, dass er mit Harry Potter zusammen war, „Keine Sorge, ich würde ihm nie etwas tun. Nicht nochmal." Harry hatte ebenfalls aufmerksam zugehört. „Was meint er mit 'Nicht nochmal'?" fragte Ron. Harry antwortete leise, „Unsere Trennung", bevor er laut zu den Erstklässlern sagte, „Ich denke, ich kann mich selbst verteidigen." Beschämt gingen die Kinder mit den Vertrauenschülern in die Gemeinschaftsräume. Die restlichen Schüler folgten ihnen schnell. Draco stand ebenfalls auf und beeilte sich zu seinem Zimmer. Er hatte ein Einzelzimmer bekommen, da sich alle anderen weigerten, mit ihm ein Zimmer zuteilen. Auf der einen Seite vermisste er das Zimmer, in dem er seine Kindheit verbracht hatte, doch auf der anderen Seite war er ungestört. Harry blieb noch in der Halle sitzen und schaute dem blonden Jungen hinterher. Er wusste einfach nicht, was er fühlte. Ginny rutschte neben ihn auf die Bank. „Ihm geht es schlecht, schlechter als jemals zuvor." Er schaute das rothaarige Mädchen an, sie lächelte mitleidig. „Dir auch." Harry nickte, „Ich weiß nicht, was ich denken soll." Sie nahm in den Arm. Der Krieg hat auch von ihr Opfer gefordert. Und sie wusste, wie weh das tat.
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Lest we all die unbloomed
FanfictionTeil 2 von "Dunkle Schatten werden uns finden" Harry und Draco wiederholen ihr siebtes Schuljahr. Doch der Krieg hat sie alle verändert und nichts ist mehr so, wie es damals war. (Auch hier kommen wieder negative Gefühle, Selbstmord, -Verletzung, v...