Blogpost #2

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Meine lieben Freunde, der leichten Unterhaltung.

Ich hatte einen verrückten Tag und eine verrückte Nacht. Verrückt genug, dass ich hier um halb vier in der Früh sitze und es einfach aus mir raus schreiben muss. Aber wie sagt man so schön? Niemand ist ehrlicher, als ein betrunkener Kerl mit Schlafdefizit. Okay, keine Ahnung, ob man sowas sagt, aber ich stelle diese Behauptung jetzt einfach mal auf.

Ich gebe zu, dass ich ein wenig faul war. Ich hätte mein nächstes Treffen mit Jude schon hinter mich bringen können. Ehrlich, ich hätte nur ein bisschen nachforschen müssen und schon hätten wir uns zufällig in ihrem Mathekurs oder so getroffen. Aber ich bin eben ein fauler Sack, der sein Karmakonto scheinbar in ein mieses Dispo überzogen hat. Anders kann ich mir diese Verkettung unglücklicher Umstände nicht erklären.

Ich hatte also den Tag damit verbracht, mir zu überlegen, was ich so alles mit Jude anstellen könnte, wenn wir erst mal über das Kennenlernen hinweg sind. An dieser Front machte ich auch gute Fortschritte, dank meiner Kumpels, die auch die ein oder andere gute Idee mitbrachten. Doch ich zögerte das zweite Zusammentreffen hinaus und ohne das könnte ich mir noch so viele Gedanken über Waldspaziergänge und Rosenblätter machen, es würde nichts bringen.

Trotzdem bin ich lieber mit Freunden feiern gegangen, um ein bisschen auf andere Gedanken zu kommen, anstatt mich meiner Aufgabe zu widmen.

Naja, lange Rede kurzer Sinn, dreimal dürft ihr raten, wer natürlich auch aufgetaucht ist. Ganz richtig und hundert Punkte für dich, es war selbstredend Jude.

Vielleicht ist sie ja einer dieser Menschen, denen man eigentlich ständig begegnet, aber es erst merkt, wenn man sich mal unterhalten hat. Gruselig, oder?

Jedenfalls war sie da, und ich gefickt. Leider nur im Übertragenden sinne.

Was soll ich ihr sagen? Ich hatte keinen Plan, wie ich das angehen sollte, geschweige denn, ob ich sie überhaupt ansprechen würde.

Aber keine Sorge meine Lieben, ich habe Eier bewiesen. Ich meine so richtig, ich bin zu ihr hin gegangen und hab sie angesprochen. Immerhin hatte sie mir ein nächstes Mal versprochen, und das Universum hat mir ein nächstes Mal geschenkt. Das auszuschlagen, wäre ja fast schon Grenzdebil.

Wenigstens schien sie genauso wenig mit mir gerechnet zu haben, wie ich mit ihr. Nicht mal erkannt hat mich die Kleine, was schon ein kleiner Stich für mein geschundenes Ego war.

Dennoch blieb ich am Ball, jetzt hatte ich mich schon überwunden, da ließ ich mich von so einer Kleinigkeit nicht aufhalten.

Aber es wäre scheinbar nicht Jude, wenn sie mir nicht wieder einen Strich durch die Rechnung machen und mich aus dem Konzept bringen würde.

Falls ihr euch noch erinnert, habe ich letztes Mal gesagt, dass sie meine Beute ist und ich der Jäger bin. Für den Abend heute, möchte ich diese Aussage jedoch korrigieren.

Meine kleine Jude sieht zwar aus wie ein Kätzchen und verhält sich auch so aber fuck, heute Nacht da war sie eine Raubkatze! Und zwar keine der netten Sorte, sondern die Art, vor der man besser schnell davonläuft, ehe sie dich mit Haut und Haaren verschlingt.

Zugegeben, das war schon irgendwie sexy. Frauen, die wissen was sie wollen und vor allem, was (oder wen) sie NICHT wollen, findet man nicht an jeder Straßenecke, das kann ich euch sagen!

Und Jude weiß, was sie nicht will - ungünstigerweise ist es eine Beziehung oder eine Romanze.

Nennt es wie ihr wollt.

Das einzige Zugeständnis, das ich schließlich bekommen habe, war die Chance, trotzdem zu versuchen sie umzustimmen.

Ich bin eigentlich kein Freund von aussichtslosen Kämpfen, doch wenn mich ein heißer Tiger in seinen Käfig einlädt, kann ich einfach nicht nein sagen.

Wahrscheinlich komme ich da nicht wieder Lebend raus, oder ich beiß mir an ihr einfach meine weißen Beißerchen kaputt.

Aber ich werde alles tun, um das Blatt wieder zu wenden. Einen ersten Schritt habe ich in diese Richtung auch schon gemacht. Auf eine, nicht ganz höffliche Art und Weise, habe ich ihr meine Handynummer untergejubelt. Ich kenne Mädchen, sie wird sie tagelang anstarren, es nach drei Tagen nicht mehr aushalte und mir dann eine Nachricht schreiben. So läuft das immer, und so wird es auch dieses Mal sein. Und falls nicht, musste ich eben irgendwie nachhelfen.

Im Augenblick, gibt es für mich nur zwei Sachen, die zu hundert Prozent sich sind.

Erstens: Ich gebe nicht auf, ehe ich Jude für mich erobert habe, koste es was es wolle.

Zweitens: Ich dominiere dieses Spiel und ich werde alles dafür tun, damit es wieder nach meinen Regeln gespielt wird.

Sie dich vor Jude, heute warst du vielleicht der Tiger aber bald bist du wieder das schüchterne Stubenkätzchen, das du in Wirklichkeit bist.

Und nun kommen wir zu dem interessanten Teil für euch. Was haben wir gelernt?

1. Plant euer zweites treffen selber, sonst macht das Universum es für euch.

2. Habt verdammt nochmal Eier und nehmt Chancen an, wenn sie sich euch bieten. Ihr werdet es mehr bereuen, wenn ihr es nicht tut.

3. Ein Nein, ist und bleibt ein Nein. Man kann es noch ein paar Mal versuchen, aber wenn man dann immer noch ein klares Nein bekommt, sollte das jeder Kerl akzeptieren. Aber wenn es ein Nein mit Hintertür ist, dann stürzt euch auf diese Tür, als wäre es das Letzte, was ihr tut.

4. Lasst euch nicht entmutigen. Es ist nervig, ein Mädchen von sich zu überzeugen, das kann ich euch sagen. Aber wenn ihr sie wirklich wollt, dann lohnt sich der Aufwand. Also dranbleiben und Chancen nutzen, wenn man sie bekommt.

5. Lasst euch nicht von den Frauen verwirren. Ich weiß, dass ist nicht so einfach, ich meine, what the Fuck, was geht bei denen im Kopf ab. Die haben Persönlichkeiten, da kriegt man ein Schleudertrauma. Aber Jungs, keine Sorge. Man lernt damit umzugehen, wenn ihr die Frau erstmal besser kennt.

6. Und das Wichtigste, was wir heute gelernt haben. Ergreift die Initiative, um aus dem Stadium des ersten Kennenlernens heraus zu kommen. Sonst dümpelt ihr da ewig rum und kommt nicht weiter. Macht es wie ich und gebt ihr eure Handynummer, wenn sie ihre nicht rausrücken will.

Und an die glücklichen Loser, die nach dem ersten Post schon erfolgreich eine Nummer einstecken konnten. Ich hasse euch, aber bitte lest weiter. Bald wird es auch für euch wieder interessant. In der Zwischenzeit müsst ihr nur zusehen, dass IHR auch interessant für SIE bleibt. Also haut in die Tasten eurer Smartphones und verschickt ein paar nette Texte.

Bis dann,

Philip


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