#Braveheart

120 8 2
                                        

<<Every man dies, but not every man lives.>> - Mel Gibson (Braveheart)


Ich habe keine Ahnung, wann ich letzen Endes gegangen war. Zuerst hatte ich noch ihre Möbel, so weit es ging, an die Wandgeschoben, so dass nur noch ein kleiner Spalt zwischen den Schränken, dem Sofa und der Wand war. Freya hätte das zwar auch allein geschafft, aber das war immerhin meine Chance, mich als Gentleman zu präsentieren.
Und während ich fleißig am Möbelrücken war, schlief die Prinzessin einfach auf dem kleinen Sofa ein.
So leise wie möglich, hatte ich mich schließlich aus dem Staub gemacht, um in meinem Zimmer schließlich selbst in mein Bett zu fallen.

~~~


„Sieh ihn dir an, hat er neuerdings eine Umschulung zum Maler gemacht?"
„Mach noch ein Foto, man weiß ja nie, wann man das mal gebrauchen kann." 
„Wann ist der überhaupt nach Hause gekommen?"

Genervt von den viel zu lauten Stimmen, drückte ich meinen Kopf weiter in mein weiches Kissen hinein.

"Seit ihr nicht zusammen nach Hause gegangen?"
"Nein, ich konnte Amanda ja wohl schlecht allein durch die Straßen ziehen lassen! Chase hätte eigentlich schon vor mir zuhause seien müssen."
"Offensichtlich nicht, aber kurz mal zurück zu dem Teil wo du-"

Murrend öffnete ich meine Augen ein kleines Stück und unterbrach Mason. „Haltet die Klappe, ich will schlafen." 
Conner und Mason tauschten einen kurzen Blick, ehe sie sichgröllend zu mir ins Bett warfen. Das war es dann wohl mit meinem Plan auszuschlafen. Warum hat Gott mich bloß mit diesen Mitbewohnern gestraft? 

„Wo warst du die ganze Nacht? Und warum siehst du aus, als hättest du im Farbkasten gebadet?", bombardierte mich Conner sogleich mit einem Haufen an Fragen.
Mühsam richtete ich mich ein kleines bisschen auf, lehnte meinen Rücken an das Kopfteil meines Bettes.
Sowohl Conner, als auch Mason lagen schon fertig angezogen und hellwach auf meiner hellgrau, weiß karrierten Bedwäsche. 
„Ich war noch unterwegs", brummte ich und fuhr mir mit der Hand ein paar Mal übers Gesicht, um ersteinmal richtig zu Vertand zu kommen. 
„Mitten in der Nacht? Bist du in eine Farbfabrik eingebrochen? Wenn ja müssen wir das wissen, um dein Alibi zu bestätigen!"
„Wenn einer von uns bescheuert genug wäre, in eine Fabrik einzubrechen, dann wärst das du", brummte ich Mason entgegen und versuchte träge meine Haare auf dem Kopf ein wenig zu richten. Ich sah nach dem Schlafen meistens aus, wie ein Vogelscheuche.  
Schulterzuckend rollte Conner sich von meinem Bett runter und steuerte meine Tür an., „Wo er recht hat, hat er recht, Mason." 

Jener machte es sich immer gemütlicher in meinem Bett, klaute sogar meine Decke und wickelte sich ein, wie ein Bourito. Der würde also nicht so schnell verschwinden wie Conner, der gerade durch meine Zimmertür hinausschlüpfte. Aus Erfahrung wusste ich aber, wie anstrengend es war mit Mason in einem Bett zu schlafen. Er war einfach zu aktiv, selbst wenn er schlief. Entweder schubste er dich aus dem Bett oder rollte sich so viel herum, dass man sich kaum entspannen konnte.
„Du nervst", zischte ich deswegen und erhob mich aus dem weichen, knartschendem Bett.
„Du auch Bruder", murmelte er in meine Decke und drehte sich auf den Bauch. 

Mit einem letzten Kopfschütteln, verschwand ich in unser kleines Gemeinschaftsbad und entledigte mich erstmal meiner Klamotten.
Zugegeben, ich sah wirklich aus, als hätte ich eine Farbfabrik überfallen. Mein Pullover und mein Gesicht waren mit rosa Farbe bestrichen, auch an meinem Hals und auf meinen Händen war einiges an Farbsprenkeln.
Meine blonden Haare standen in alle Richtungen ab, und auch da hatte ich die ein oder andere eigefärbte Strähne. Gähnend warf ich einen Blick auf die Uhr in dem kleinen Badezimmer.
Es war tatsächlich schon fast fünf, solange habe ich das letzte Mal in meiner High-School Zeit geschlafen.
Blind griff ich nach meiner Zahnbürste, sowie der Zahnpasta und begann mir träge die Zähne zu putzen. Es ekelte mich beinahe schon an, dass ich mir heute Nacht nicht noch die Zeit dafür genommen hatte. 

Mit frischgeputzten Zähnen fühlte ich mich gleich schon ein bisschen wacher und wollte gerade unter die Dusche springen, als jemand begann gegen die Tür zu schlagen.
„Ich will Duschen! Ihr hattet den ganzen Tag Zeit, um ins Bad zu gehen. Das sind jetzt meine Fünfzehn Minuten."
Das hämmern verstummte, so dass ich gerade wieder eine Hand an den Duschvorhang legte, als Conners Stimme durch die Tür zu mir drang, „Du hast Besuch. Und den willst du nicht warten lassen, Alter."
„Kannst du ihn nicht wegschicken?!"
„Gut, dann sag ich Freya wohl, dass du keine Zeit für sie hast."

Als ich ihren Namen hörte, zog ich mir eilig meine Boxershorts über, sprintete zur Tür, entriegelte sie und riss sie beinahe aus den Angeln, als ich sie öffnen wollte. 
„Freya ist hier?"
Conner grinste mich nur schelmisch an und zuckte mit den Schultern.
„Keine Ahnung warum. Sie meinte ihr hättet das gestern Nacht ausgemacht." Bei den Worten ‚gestern Nacht' wurde sein Grinsen noch ein bisschen größer.
„Das ist nicht so, wie du jetzt denkst", murrte ich und schob mich an meinem Mitbewohner vorbei. Meine Dusche hatte ich vollkommen vergessen, oder viel mehr war sie nicht länger interessant. Conner ließ mich zwar in den Flur treten, seine Hand griff jedoch nach meinem Unterarm und hielt mich noch einen kurzen Moment zurück.
„Sag mal, das mit Freya ist aber immer noch nur Teil deines Projektes, oder?" In seinem Blick konnte ich etwas Sorge erkennen.
Verwirrt sah ich ihn an, „Na klar. Wie kommst du darauf, dass es anders seien könnte?"
„Naja, also es wundert mich schon, dass sie jetzt hier ist und du wie ein verrückter aus der Dusche springst, wenn du ihren Namen hörst."
Ein kleines Lächeln stahl sich auf meine Lippen, als ich Conner eine Hand auf die Schulter legte und diese leicht drückte. 
„Mach dir keine Sorgen. Freya ist bloß kompliziert, da muss ich jede Gelegenheit nutzen. Das ist alles."
Nach einem letzten prüfenden Blick fand Conner sein Grinsen wieder und ließ von mir ab, „Na dann, viel Spaß."

Your ChoiceWo Geschichten leben. Entdecke jetzt