<<Everyone has a chapter they don't read out loud. >>
Wir waren tatsächlich ungefähr eine halbe Stunde nach Kim und Freya gefahren, solange hat es gedauert, bis Jax und Emily wieder zu uns gestoßen sind.
Aber anders als ich es erwartet hatte, war Jax nicht gerade ein Sonnenschein, als er zurück auf die Terrasse kam und Emily wirkte auch nicht, als hätte sie gerade eine heiße Nummer geschoben.
Ihr rosa Lippenstift saß noch so perfekt wie eben und wie sie erhobenen Hauptes an mir vorbeilief, wirkte es nicht unbedingt, als würde sie gerade ihren persönlichen Walk-of-Shame zurücklegen.
Jax hingegen war sichtlich unzufrieden mit der Situation und wollte sofort fahren, als er erfuhr das Kim schon auf dem Heimweg war.
Nachdem wir Amanda bei sich zuhause rausließen und sie uns, trotz Protest, Geld für die Taxifahrt in die Hand gedrückt hatte, waren wir nun endlich zuhause angekommen.
Und was soll ich sagen? Mal wieder war es Mitten in der Nacht, ich hatte leicht einen sitzen und konnte an nichts und niemanden außer Freya denken.
So kann sich das Blatt wenden - gedacht hatte ich mir das nämlich eher andersrum.
Aber was solls, ich hatte ein viel größeres Dilemma, das mich wach hielt, als das mein Plan auf eine gute Art und Weise nach hinten losgegangen war.
Diese beschissene Wette war meine Idee gewesen und wenn ich ihr die Wahrheit sage, dann müsste ich mich wohl oder übel mit Freundschaft abspeisen lassen.
Sicher würde Freya keinem Date zustimmen, jedenfalls nicht freiwillig und nicht in nächster Zeit. Aber weder sie zu Kidnappen und in einem schicken Restaurant an einen Stuhl zu binden, noch solange zu warten bis sie von sich aus mit mir auf ein Date gehen würde, waren für mich akzeptable Optionen.
„Fuck Freya, du bringst mich echt um den Verstand," fluchte ich leise und wälzte mich in meinem Bett hin und her.
Unsere Komplette Beziehung war auf einer einzigen großen Lüge aufgebaut, sie jetzt wegen der Wette anzulügen würde den Kohl ja eigentlich auch nicht fett machen, oder?
Aber anders als am Anfang, hatte ich ein extrem schlechtes Gewissen dabei, sie wieder anzulügen.
Ob ich es mir eingestehen wollte oder nicht, sie war mir auch, abgesehen von der Challenge, ans Herz gewachsen. Dabei kannte ich sie doch erst ein paar Wochen. Wie konnte sich jemand in so kurzer Zeit so tief in mein verkrüppeltes Herz schleichen?
Wie sehr ich sie mochte hatte ich spätestens nach heute Abend gemerkt. Mein Kopf konnte mir vielleicht weiß machen, dass ich mich nicht zu Freya hingezogen fühle aber mein Körper spricht da eine ganz andere Sprache.
Wenn sie mit einem anderen Kerl spricht werde ich Eifersüchtig, wenn sie mich anlächelt schlägt mir mein Herz bis zum Hals und ich habe sogar schon von ihr geträumt!
Ich bin Chase Rush, ich träume nicht von irgendwelchen Mädchen! Aber Freya hat es geschafft, mich sogar bis ins Land der Träume zu verfolgen. Also was soll ich da noch groß leugnen?
So ein Mädchen wie sie, hatte ich noch nie getroffen. Eigensinnig, lustig, unvorhersehbar und zum Teufel nochmal wunderschön!
Wie sollte ich denn bitteschön mit so einem bezaubernden Wesen nur befreundet sein? Das war faktisch unmöglich!
Und mich wurmte es, dass sie sich so dermaßen gegen mich sträubte. Es machte mich auf eine, für mich neue Art, unsicher und gleichzeitig reizte mich gerade das, so unwahrscheinlich an ihr. Sie spielt nicht nur das Hard-to-get Spiel, sie ist es wirklich. Sie kennt ihren Wert und gleichzeitig hat sie auch keine Ahnung, wie atemberaubend sie wirklich sein kann.
Ein richtiges Date könnte vielleicht wirklich was zwischen uns verändern, wenn sie sich darauf einlässt.
Ich würde diese Challenge Sache einfach so schnell wie möglich abhandeln, nur solange weiter schreiben bis sie mir sagt, dass sie sich in mich verliebt hat und dann nie wieder ein Wort oder einen Gedanken daran verschwenden.
Vielleicht würde das ja klappen? Vielleicht könnte aus mir und Freya wirklich was werden. Ich sollte es zumindest versuchen, sonst würde mich das ständige ‚Was wäre wenn' bis in alle Ewigkeit quälen.
Also müsste ich noch einmal lügen. Ich schwöre bei Gott, es wird das letzte Mal sein, das ich Freya anlügen würde.
Fuck, vielleicht hat sie auch einfach was viel besseres verdient.
Nein, nicht vielleicht. Sie hatte etwas viel Besseres verdient! Aber ich war zu egoistisch, um sie deswegen ziehen zu lassen.
In der Hoffnung, dass mich mein innerer Monolog besser schlafen lassen würde, schloss ich meine Augen und versuchte meine Gedanken an alles und jeden auszublenden.
Aber auch nach zehn weiteren Minuten lag ich Hellwach in meinem Bett und öffnete mit einem genervten stöhnen die Augen erneut, um schließlich nach meinem Handy zu greifen.
Ich öffnete die App, die ich für meinen Blog erstellt hatte und begann mir ein paar Nachrichten durchzulesen, die ich an mein Board geschrieben bekommen hatte.
Das habe ich schon seit bestimmt einer Woche nicht gemacht, früher, in der Zeit vor Freya, konnte mich keine Frau, keine Party und keine Prüfung davon abhalten, jeden Abend meine Nachrichten zu checken.
Aber seit ich und Freya uns auf diesem seltsamen Weg zwischen Freundschaft und mehr befanden, hatte ich meinen Blog und alles was damit zu tun hatte, ziemlich schleifen lassen.
Ohne Mason und Conner, die mich ab und an daran erinnerten mal was zu posten, wäre bestimmt schon eine ganze Weile kein Beitrag mehr von mir gekommen.
Genau darum drehten sich auch die meisten Kommentare, immer gepaart mit der Frage, wann ich mal wieder was von Jude posten würde. Einer schrieb ganz direkt, wie weit ich damit wäre die Kleine zu veraschen.
Harte Worte, die leider den Nagel auf den Kopf trafen.
Die Leute wollten immer mehr von der Challenge, obwohl ich ihnen am liebsten gar nichts mehr geben würde.
Doch ich betrieb den Blog schon lange genug, um zu wissen, wie es läuft. Wenn du wirklich willst, dass ein Thema vom Tisch ist, dann ist es am schlausten es schnell zu Ende zu bringen. Einfach einen Beitrag zu löschen und das Thema fallen zu lassen, war praktisch unmöglich. Irgendwer würde das Ganze immer wieder aufbringen und die Leute würden erst Ruhe geben, wenn man ihnen gibt was sie wollen.
Und ich wollte definitiv das dieses Thema in den Tiefen der Vergessenheit versinkt, wenn ich damit durch bin. Jeder neue Post dazu, war mit viel Herzklopfen und Angst verbunden.
An manchen Tagen würde ich Freya einfach gerne sagen, wo sie unfreiwillig reingeraten ist aber ich brachte es einfach nicht übers Herz. Sie damit zu verlieren, war für mich keine Option. Dafür war die Chance zu groß, dass doch alles gut gehen könnte.
Reintheoretisch war mir ja klar, dass es ein ziemlich unwahrscheinlicher Zufall seien müsste, in dem Freya herausfindet, wer hinter dem Blog steckt. Aber da war immer diese leise Stimme in meinem Hinterkopf, die mir sagte, dass alle Lügen irgendwann rauskommen würden.
Mason hatte beim letzten Bierreport spaßeshalber vorgeschlagen, den Blog einfach zu löschen. Doch jedem von uns war klar, dass das auch keine Option war.
Dieser scheiß Blog war das Erste in meinem Leben, dass ich allein geschafft habe. Niemand hat mir geholfen, ich habe mir mein Netzwerk, meine Community und meinen Ruf selbst aufgebaut. Es war ein zu großer Teil meines Lebens, den ich noch nicht loslassen konnte.
Also hatte ich mich einfach dafür entschieden, den Weg mit dem geringsten Widerstand zu gehen. Ich würde diese verteufelte Challenge zu einem schnellen Ende verhelfen und wenn Freya dabei nicht hilfreich seien würde, würde ich mir einfach ein plausibles Ende aus den Fingern saugen. Noch zwei oder drei Postings, damit es realistisch wirkte und dann hätte ich die Sache erledigt.
Hoffentlich.
„Lieber Gott, wenn du mich da heile rausbringst, dannschwöre ich, ich sitze jeden Sonntag in der Kirche!", murmelte ich und starrtemit müden Augen hoch an die weiße Decke.
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Your Choice
Teen Fiction"Ich mag es nicht, dass andere Typen dich anschauen, als würdest du ihnen gehören", flüsterte ich leise, verharrte weiterhin in meiner Position. Mehr als zufrieden bemerkte ich, wie ihr Körper von einem leichten Schauer geschüttelt wurde und ihr Ate...
