Tief einatmen und das Ausatmen nicht vergessen.
Ein und aus, immer weiter und dann bringst du es einfach hinter dich.
Warum war ich eigentlich so nervös? Ich meine, dass wir auf ein Date gehen, war ja schon ausgemacht! Und ich hoffe schwer ich habe die letzten drei Tage nicht umsonst damit verbracht, das perfekte Date zu planen.
"Hier, du sahst aus als könntest du ein Bier gebrauchen." Schmunzelnd hielt mir Freya eine grüne Flasche entgegen und ließ sich, nachdem ich sie ihr abgenommen hatte, neben mich auf ihr Sofa fallen.
Ihr Kopf landete auf meiner Schulter und sie schnappte sich die Fernbedienung, um durch die Kanäle zu zappen.
"Ist irgendwas?", fragte sie nach einiger Zeit, in der wir eine Datingshow schauten, ich aber auf keinen ihrer Sarkastischen Kommentare einging und stattdessen lieber das Etikett von meiner Flasche pulte.
"Ich muss mit dir über was reden", begann ich schließlich und nahm einen großen Schluck von meinem mittlerweile lauwarmen Bier, um meine trockene Kehle zu befeuchten.
"Wenn ein Gespräch so anfängt, endet es meist nicht gut für mich." Freyas Kopf löste sich von meiner Schulter, damit sie sich mir zuwenden konnte. Ihre Haare hingen ihr verwuschelt über die Schultern und ihr dunkelgrüner Einteiler hatte die ein oder andere Falte davon getragen.
"Hör mal, wenn es um Jax Prügelei ging, dann tut es mir echt leid. Ich hätte mich da raushalten sollen, vor allem nachdem mir Kim erzählt hat, was er abgezogen hat. Aber ich konnte in dem Moment nicht einfach dastehen und nichts tun."
"Nein! Darum geht es nicht, wirklich! Es ist eher etwas anderes, also ... eigentlich ist es sogar was cooles. Ich habe mich gefragt ob du diesen Samstag was vorhast? Ich habe mir eine Überraschung für dich überlegt." Nervös drehte ich die Flasche in meinen Händen und mied es Freya ins Gesicht zu sehen.
Verrückt, wie eine Frau vollkommen neue Seiten in dir hervorbringen kann. Sonst war ich nicht gerade der schüchterne Typ und es ist zwar schon etwas her, dass ich ein Mädchen nach einem Date gefragt habe aber damals hatte ich bestimmt keinen Puls, der gleich meine Blutbahnen platzen lassen würde.
Ein erleichtertes Lachen erhellte den Raum und Freya ließ sich, merklich erleichtert, in das helle Sofa zurücksinken. Ein schiefes Lächeln hing auf ihren rosa bemalten Lippen, die ich in diesem Moment wirklich gerne küssen würde.
"Verdammt Chase! Ich dachte du servierst mich jeden Moment ab!" Lachend boxte sie gegen meine Schulter und ließ sich schließlich wieder gegen mich sinken.
"Also, was sagst du? Haben wir am Samstag ein Date?" Sachte legte ich einen Arm um ihre Schulter und fuhr ihren blanken Oberarm rauf und runter.
"Ich muss zuerst arbeiten, aber ich wäre so gegen sieben fertig."
"Perfekt!", rief ich erleichtert, was sie nur wieder zum Lachen brachte. "Ich hol dich direkt von dort ab, wir haben nämlich ein bisschen was vor."
"Verrätst du mir was?" Ihre rechte Hand legte sich auf meinem Bauch ab und begann leichte Kreise über den Stoff meines T-Shirts zu malen. Aufgeregt zuckten meine Bauchmuskeln unter ihren Fingern.
"Nein. Nur so viel, Amanda war mir eine ziemliche Hilfe."
"Also habt ihr zwei euch wieder vertragen?"
Ich überlegte kurz, was ich darauf antworten sollte. Rein technisch gesehen war bei uns beiden eine alte Rutine wieder eingekehrt und da sie oft mit Conner in unserer WG rumhing, begegneten wir uns auch häufig.
Aber ich konnte immer wieder spüren, dass sie mir nicht vollkommen vertraute und dass sie nach Anzeichen suchte, die mich doch noch überführen würden.
"Wir bessern uns", murmelte ich also schließlich und versuchte Amanda aus meinem Kopf zu verdrängen und mich nur auf dieses wundervolle Geschöpf zu konzentrieren, dass mich als ihr lebendiges Kissen missbrauchte.
"Ich weiß Amanda ist stur, wenn sie von etwas überzeugt ist aber ich weiß, dass du sowas nicht mit mir abziehen würdest. Das habe ich ihr auch gesagt." Ihre Hand stoppte keine Sekunde und strich immer weiter über meinen Unterbauch. Wohlige Schauer liefen meine Wirbelsäule hinunter, gepaart mit Galle, die in mir aufstieg, als ich ihre Worte verarbeitete.
Mir wurde auf einmal schlecht. Schlecht, weil ich mich vor mir selbst ekelte.
"Ich habe mich am Anfang ziemlich gewehrt, aber ich freu mich auf unser Date. Es bedeutet mir viel, dass du mich nicht aufgegeben hast. Das macht dich zu einem ganz besonderen Mann, ich hoffe das weißt du." Lächelnd schaute sie zu mir herauf, und sah mir dabei direkt in die Augen.
Manchmal hatte Freya diesen alles durchdringenden Blick drauf, bei dem man dachte, sie könnte einem nun direkt in die Seele schauen und jedes deiner dunkelsten Geheimnisse in einem Wimpernschlag entdecken. Ab und an wünschte ich mir tatsächlich es wäre so.
Dann könnte ich vielleicht aufhören mich vor mir selbst zu ekeln.
"Und du bist eine ganz besondere Frau, die mehr als nur mein Herz berührt hat. Du hast mich verändert Freya und dass es ist etwas, dass du wissen solltest, ganz egal was passiert. Du bist der Grund, warum ich ein anderer Mensch geworden bin - du und niemand anders."
Sie starrte mir nur weiter in die Augen und beobachtete, wie ich mich langsam zu ihr hinunter beugte.
Es fiel mir zwar schwer meinen Blick von ihrem zu lösen aber ihr wundervollen geschwungenen Lippen waren definitiv kein schlechterer Anblick. Im Gegenteil, im Moment konnte kein Kunststück oder irgendetwas anderes auch nur im Ansatz mit diesem Anblick mithalten.
Ich war so kurz davor sie endlich zu küssen, meine Nase strich gegen ihre und ich bekam noch einmal die Chance, ihren fruchtige Duft von Zitrone und Lavendel einzuatmen.
Ihr warmer Atem strich schon gegen meine leicht geöffneten Lippen, als auf einmal die Türklingel ging und wir erschrocken zusammenfuhren.
Unsanft rasselten unsere Köpfe gegeneinander und wir beide stöhnen synchron schmerzvoll auf.
"Scheiße", murrte ich, während Freya aufsprang und zur Gegensprechanlage sprintete.
Ich hörte gedämpft, wie sie mit jemandem sprach und nach kurzer Zeit mit zwei großen Schachteln Pizza zurückkam.
"Die Pizza ist da." Ihre Wangen hatten einen tiefen rot Ton angenommen und ihre Stimme klang leise und belegt. Eilig stand ich auf und nahm ihr die Schachteln ab.
"Das Karma scheint was gegen uns zu haben." Oder gegen mich, fügte ich in Gedanken hinzu und stellte die Kartons auf dem Wohnzimmertisch ab.
"Aber wenn uns kein Mitbewohner und kein Pizzabote stört, verspreche ich dir, hat sich das Warten gelohnt hat."
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Your Choice
Novela Juvenil"Ich mag es nicht, dass andere Typen dich anschauen, als würdest du ihnen gehören", flüsterte ich leise, verharrte weiterhin in meiner Position. Mehr als zufrieden bemerkte ich, wie ihr Körper von einem leichten Schauer geschüttelt wurde und ihr Ate...
