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42 | TRAUMA

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42 | TRAUMA

YN POV

Es ist nicht so, als wäre es je mein Lebensplan gewesen, hier zu landen. Ich hatte eine sichere und glückliche Kindheit, vielleicht eine turbulente Jugend und liebende Eltern. Gut, Menschen zu analysieren und spezifisch kennenlernen zu wollen, ist nicht unbedingt etwas, was jeder tat. Vor allem nicht auf meine Weise. Meiner Kindheit konnte ich das jedenfalls nicht zuschreiben.

Wie konnte es sein, dass so viele kranke Menschen unterwegs waren? Und zog ich sie nur an? Suchte ich sie mir vielleicht bloß aus? Das schlimmste daran ist ja auch noch, dass ich Jungkook liebte. Auf einer kranken Art und Weise. Zum Norm gehörte hier jedenfalls keiner mehr.

Weder Jimin, Jungkook noch ich.

Aber dem allen würde ich kein Ende setzen können. Dafür war ich zu schwach, nicht erfahren genug, womöglich auch einfach nur naiv. Inzwischen dachte und glaubte ich sogar wahrhaftig, dass es die einzige Lösung war, Jimin zu töten, um hier lebend rauszukommen.

Von den Zeugen und der Beweislage her, würde ich wahrscheinlich sogar ungestraft davonkommen. Die würden mich bestimmt auch in eine Institution schicken, um meinen Kopf wieder auf die Reihe zu bekommen. An sich wäre das eine feine Sache.

Wiederrum wollte ich einfach keine andere Person töten. Jedenfalls nicht Jimin. Er würde für etwas bestraft werden, wofür er nichts konnte. Er sollte zu seinem alten, richtigen Ich zurückkehren.

Flüchtig kreuzte Kalin meine Gedanken. Jungkook. Die Folter. Ihren Mord.

"YN!" Ertönte Jimins manische, fast schon euphorische Stimme durch das Haus. Sofort drehte ich mich in meinem Bett um und nahm die Decke von meinem Kopf. Unter dieser fühlte ich mich warm und sicherer. Jetzt füllte bloß graues, steriles Tageslicht dieses kleine Zimmer. Das Gewitter hatte sich allmählich beruhigt, doch Starkregen sowie Nebel unterstrichen die trübe Stimmung dieses kahl werdenden Waldes.

Einige Sekunden später öffnete Jimin die Tür mit einem strahlenden Lächeln,  welches von einem Ohr bis zum anderen reichte. Und mir fiel sofort auf, warum: Seine blonde Haarpracht war zurück. Seine Wellen glänzten in einem goldenen, gesunden Ton, genauso wie seine Lippen, die er mit Balsam eingerieben haben muss. Sogar rosige Wangen glühten in ihrer vollen Pracht.

Er sah... normal aus.

"Wie gefallen dir meine Haare?" Fragte er und setzte sich mit etwas Abstand zu mir auf die Bettkante, woraufhin ich mich aufsetzte und ihn genauer betrachtete. Ein unschuldiges Funkeln lag in seinen wachen Augen. Er wirkte so, als wäre er bei Bewusstsein.

"Die sehen richtig schön aus, Jimin." Er kicherte nickend. "Ich weiß. Danke." Für mich fühlte es sich grad so an, als würde eine andere Person vor mir sitzen. Womöglich der richtige Jimin. "Kann ich dich was fragen?" Aufmerksam nickte er bei dieser Frage. Kein Hauch von irgendwelcher Negativität kam auf.

"Wo sind wir hier?" Sein Lächeln fiel nicht, wie ich es erwartet hatte. Stattdessen blickte er mit einem zufriedenen Schmunzeln durch den Raum. "Ich bin als Kind jeden Sommer hierher nach Japan gekommen. Das hier war das Haus meiner Großmutter. Ich dachte es wäre schön, wenn du diese Umgebung kennenlernst." Ich nickte verständlich.

"Und war das für dich als Kind ein sicherer Ort vor deiner Mutter?" Jimin schwieg kurz mit aufeinander gepressten Lippen. Irgendwas ging hinter seinen Augen wieder an. "Meine Mutter ist nur so krank, weil meine Oma krank zu ihr war." Verwirrt runzelte ich meine Stirn, bevor ich Jimins Haltung nachahmte. Vielleicht fand er so ein wenig Vertrauen zu mir. Ich wollte nämlich mehr hören.

"War deine Oma krank zu dir?" Fragte ich zurück. Jimin schüttelte sofort den Kopf. "Hier ist es sicher. Hier ist es immer sicher. Ich mach es sicher." Jimin beugte sich zu mir rüber, um mit seinen Händen mein Gesicht sanft zu umfassen. "Bald gibt es keinen Leid mehr. Du bist sicher hier mit mir."

Ich glaubte ihm nicht. Er war wiedermal nicht er.

Trauma. Tiefes, tiefes Trauma.

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AUTOR POV

Jungkook kämmte sich abermals mit seinen verwundeten Fingern durch die unbändigen, schwarzen Haare, die bereits so lang waren, dass er sich die Strähnen hinter's Ohr streichen konnte.

Er sah so aus, als wäre das Leben aus ihm gesogen worden. Seine Augen waren matt und seine blasse Haut erötete bei jedem kalten Windzug. Genauso sprach er immer weniger, handelte nur noch auf eigener Faust– wortwörtlich– und wurde von Tag zu Tag erratischer.

Während jeder versuchte, miteinander zu kommunzieren und Pläne auszutauschen, war Jungkook längst dabei, paar Typen anzuheuern und sie nach Japan zu schicken. Einfacher gesagt als getan: schließlich musste Jungkook im Gegenzug auch denen etwas geben.

Schlussendlich tat er eigentlich alles, also wirklich alles, um seine eigene Truppe an fähigen Leuten zusammenzustellen.

Deshalb waren es nicht nur Jungkooks Stiefel, die im Eis- und Schneematsch herumpampten, sondern auch die sechs anderen Stiefel der drei komplett schwarz angekleideten Männer. "Ist es noch weit?" Brummte der molligste aus der Truppe, eine tiefe Steilfalte seine tätowierte Stirn prägend. Genauso benetzte ein müder Dreitagebart das Doppelkinn des Mannes. "Hier." Antwortete Jungkook stumpf und bog in den Eingang der Altbauwohnung, während die drei Männer ihm spitz folgten.

"Wie gesagt, er ist Alkoholiker. Ich weiß nicht, was ihr noch von ihm verwerten könnt." Erwähnte Jungkook ein letztes Mal, bevor der letzte im Pack, ein eher jüngerer Mann, gerissen grinste. "Organe sind nicht das einzig Wertvolle, mein Junge." Murmelte der mittlere, und wohl auch älteste. Jungkook öffnete denen somit die Haustür, woraufhin die Männer ohne groß zu zögern in die Wohnung eintraten und sich direkt ins Wohnzimmer begaben.

Für Jungkook war dieser Anblick eine Schande. Sein Alter lag dort ach so unschuldig, schlafend und friedlich. Umzingelt von zig Bierflaschen und Fertiggerichten, einem laufenden Fernsehr und einem unverkennbaren Gestank von Selbstmitleid und Scheinheiligkeit. Jungkook konnte ihn keinen richtigen Vater nennen. Eher einen Feigling.

Eine tiefliegende Verspannung löste sich in seiner Brustgegend. Erleichterung traf ein. Ein plötzlicher Schub von Energie und Euphorie überkam Jungkook, als der gedämpfte Schuss kurz durch die Wohnung tönte, bevor es totenstill wurde.

Sein Vater hatte diese Welt ohne weiteren Wiederworten verlassen.

Jungkook verspürte tiefen Frieden.

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Hallihallo!

Die Updates bis zum Finale werden immer kürzer. (Natürlich werden die aller letzten nicht komplett kurz sein.)
Aber es symbolisiert so ein bisschen... die Zeit.

Mehr sag ich dazu nicht! :^D

- eure Lyn

AUTUMN FREAK | jjk & pjm x readerGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt