Nackte Tatsachen

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☆ Dakota ☆


»Wie geht es deinem Allerwertesten?«, frage ich River und drehe die Gabel in meiner Pasta.

Er kaut, schluckt und spült den Bissen mit einem Schluck Wasser herunter. »Die Wirkung der Tablette hat schon vor einer Weile nachgelassen«, erwidert er und schiebt den Coolpack unter seiner Arschbacke zurecht. »So lange ich nicht sitzen muss, geht es schon.«

Eine Welle Mitleid schwappt über mir zusammen und ich fühle mit ihm. »Wenn es dir die Nacht erleichtert, kannst du vorm Schlafen gehen noch eine Pille nehmen.«

»Danke, Frau Doktor.« Sein Lächeln wirkt gequält und ich frage mich, wie wir die nächsten Tage überstehen sollen.

Bisher war River derjenige, der den Großteil des Schnees geschippt hat, doch wenn er sich kaum bewegen kann und noch dazu Schmerzen hat, ist das definitiv keine Arbeit für ihn. Da werde ich mal meine Muskeln spielen lassen oder zu spüren bekommen, dass ich dringend an meiner Fitness arbeiten muss.

»Jederzeit.«

Nachdem ich mir den nächsten Happen in den Mund geschoben habe, schaue ich mich nach unserem neuesten Mitbewohner um. Captain Morgan. Unglaublich, auf was für Namen River kommt. Wobei seine Erklärung dafür durchaus einleuchtet. Und wie ich in den letzten zwei Stunden festgestellt habe, scheint der Kater auch auf diesen Namen zu hören, jedenfalls schaut er jedes Mal herüber, wenn man ihn ruft.

Einstein hat nur etwa zwei Meter von dem Kater entfernt Stellung bezogen und behält ihn im Auge. Bisher ist ihm das rote Fellknäuel noch nicht wirklich geheuer.

»Es liegt etwas in der Luft«, stellt River fest und deutet mit einem Zucken seines Kinns in die Richtung unserer tierischen Freunde.

Beide beäugen sich unentwegt, wobei der Kater ein wenig entspannter wirkt, denn er macht sich lang und streckt sich, als wäre die Umgebung nicht neu für ihn. Einstein schnaubt verächtlich.

»Was machen wir über Nacht mit dem Captain?« River runzelt die Stirn und beobachtet unsere pelzigen Mitbewohner. »Du kannst ihn nicht hier unten alleine lassen, dann zerstört er womöglich noch Quasimodo.«

Darüber habe ich auch schon nachgedacht.

Da der Kater kein Halsband trägt, sind wir uns nicht sicher, ob er irgendwo entlaufen ist oder doch eher ein Streuner, wobei er für eine herrenlose Katze zu gepflegt aussieht.

»Ich nehme ihn mit in mein Zimmer«, erkläre ich und greife zum Telefon, wo ich mich über vermisste Tiere in Aspen informiere. Die Leute suchen nach zwei Hunden, einem schwarzen Kater namens Gigolo, einem weißen Frettchen mit dem Namen Penelope und sogar nach Hahn Herrmann. Captain Morgan scheint niemandem abhandengekommen zu sein.

»Wo soll er sein Geschäft erledigen? Wir haben kein Katzentreu oder Sand.« Er denkt aber auch an alles.

»Vorhin habe ich ihn kurz rausgelassen, da er sich so verdächtig umgesehen hat. Da hat er gepinkelt und kam gleich wieder reingelaufen.«

River brummt und isst einen weiteren Happen. »Hoffentlich muss er nicht mitten in der Nacht.«

Captain Morgan springt wie von der Tarantel gestochen auf und stürzt sich auf Einstein, der ein überraschtes Bellen von sich gibt. Mit beiden Pfoten patscht er ihm ins Gesicht, widmet sich dann aber dem wedelnden Schwanz. Zuerst versucht der Hund noch, den verrückten Kater abzuschütteln, doch kurz darauf rollen sie über den Boden.

»Spielen sie gerade oder versuchen sie einander umzubringen?« River reckt alarmiert den Hals, um besser sehen zu können.

»Sieht ganz so aus, als würden sie einander besser kennenlernen.« Ich bin mindestens genauso verblüfft wie er. »Wer hat das Anstarr-Duell gewonnen?«

Snowed In With The SinWo Geschichten leben. Entdecke jetzt