55. Home sweet Home

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Endlich sind wir da. Elijah hält vor unserem riesigen Eingang an, steigt aus und geht einmal um den Wagen, um zu mir zu gelangen. Er öffnet die Tür und schnallt mich ab. "Da währen wir, mein Engel." sagt er lächelnd und hebt mich wieder vorsichtig hoch. 

"Elijah ich kann selbst gehen, lass mich runter. Alle schauen uns an." 

"Niemand schaut uns an Baby. Sie wissen doch alle, dass ich ihnen die Augen ausstechen würde." sagt er etwas lauter, damit ihn auch alle seine Männer klar und deutlich hören können. Sofort senken sich ihre Blicke auf den Boden. 

Ich schüttle den Kopf über ihn und lehne meinen Kopf seufzend an seine Schulter. "Wirst du mir je wieder erlauben selbst zu gehen?" frage ich nur halb im Scherz. 

"Wohl eher nicht. Wenn ich könnte würde ich dich nicht mal mehr für eine Millisekunde aus den Armen lassen." Er schaut mich mit so schmerzerfüllten Augen an, dass sich alles in mir zusammenzieht. Ich sehe ihm an wie sehr er unter meinem Verschwinden gelitten hat. Wie konnte ich nur so rücksichtslos sein und ihm so viele Anschuldigungen an den Kopf werfen. Natürlich hat er hier genauso gelitten wie ich dort. 

Ich seufze leise. "Dann lass mich von jetzt an nie mehr los. Lass uns nie mehr los Elijah." sage ich mit einem sanften Lächeln und greife mir an den Bauch. 

"Oh Baby, ich würde euch für nichts auf dieser Welt los lassen. Ich verspreche euch mein Bestes zu geben um die Person zu werden, die ihr beide verdient habt." 

Ich weiß dass er das absolut ernst meint. Das sehe ich ihm an. Gerade als ich antworten will höre ich die Stimmen der vier nervigen Frauen auf einem Haufen, wie Elijah sie nennt, die aufgeregt auf uns zukommen.  Ich habe gar nicht gemerkt, dass wir schon fast im Wohnzimmer sind. Das Zimmer schaut so aus wie immer, nur steht jetzt ein Krankenhausbett in einer Ecke und eine große Kommode daneben. Ich nehme an, dass meine Medikamente und alles andere dort drinnen aufbewahrt werden. 

"Da seid ihr ja endlich! Wir haben uns schon Sorgen gemacht." höre ich die Stimme meiner Schwiegermutter während Elijah mich gerade auf das Bett legt. Ich schaue ihn mit einem 'war das Bett wirklich notwendig?' Blick an und er grinst schief.  "Mom, es dauert nun einmal seine Zeit so viel Papierkram zu erledigen. Ich weiß ihr macht euch alle Sorgen um Viv, aber bitte strengt sie nicht zu sehr an. Sie muss sich heute ausruhen." sagt er dann an alle gerichtet.

Er deckt mich noch zu, richtet mein Kissen und setzt das Bett auf damit ich halb sitze. Danach beugt er sich zu mir und gibt mir einen sanften Kuss auf die Stirn. "Ich muss noch einige Sachen erledigen und ihr habt bestimmt viel zu besprechen, wir sehen uns in ein paar Stunden okay? Ruf mich sofort an wenn was ist." Ich nicke lächelnd und mit einem letzten Kuss auf meinen Bauch verschwindet er dann. 

Sobald er aus dem Zimmer ist setzen sich die vier Frauen um mein Bett und schauen mich mit großen Augen an.  "Oh mein hübsches Kind, ich bin so froh dass wir dich wieder bei uns haben." sagt meine Schwiegermutter zu mir und nimmt sanft meine Hand. Als ich die Tränen in ihren Augen sehe, muss ich fast selbst weinen. "Ich bin auch so froh wieder bei euch zu sein. Mir geht es jetzt gut Alison, keine Sorge." lasse ich sie wissen. 

"Du bist das schönste was meinem Elijah je passiert ist, je passieren hätte können. Ich hätte es nicht ertragen noch ein Kind zu verlieren." sagt sie dann mit zittriger Stimme und schafft es nicht mehr ihre Tränen zurückzuhalten. Wie auf Knopfdruck rinnt auch mir die erste Träne über die Wange. 

Lauren, Becca und Olivia schauen sich an und verlassen dann alle den Raum. 

"Wie hast du es damals überwunden Alison? Wie konntest du mit diesem Schmerz umgehen?" frage ich sie dann schluchzend und drücke ihre Hand fest. "Oh mein Mädchen" sie wischt mir eine Träne weg und setzt sich vorsichtig zu mir ins Bett, um mich in den Arm zu nehmen.              "Ich wünschte ich könnte behaupten, ich hätte das alles super gemeistert und wäre stark geblieben. Zumindest für meine drei Kinder. Leider kann ich das nicht behaupten. Ich habe mich gehen lassen Vivian. Ich war ein Wrack, zu nichts mehr zu gebrauchen, zu nichts in Stande. Meine Kinder haben ihren Bruder und ihre Mutter verloren, mein Mann seinen Sohn und seine Frau. Er war auf einmal ganz allein und musste sich um alles kümmern. Ein Kind zu verlieren ist das schlimmste was eine Mutter erleben kann meine Liebe. Keine Folter der Welt kann auch nur ansatzweiße an diesen Schmerz rankommen." sie streicht mir sanft über die Haare und gibt mir einen Kuss auf den Haaransatz, als ich schluchze. "Ich wünschte ich wäre stark genug gewesen um mit diesem Schmerz umgehen zu können, aber ich war es nicht. Ich habe die schönsten Jahre meiner Kinder verpasst und konnte nicht für sie da sein. Dennoch sind sie zu wundervollen Menschen herangewachsen und dafür bin ich so unendlich dankbar. Aber du mein kluges, starkes Mädchen, du bist nicht wie ich. Du bist ganz und gar nicht wie ich. Du bist so stark, stur und klug. So ein herzensguter Mensch, du bringst das Licht in jedes Leben, dass du berührst Vivian. Egal wie kurz das sein mag, du bewirkst etwas. Du weißt wie es ist ohne Mutter aufwachsen zu müssen mein Kind, du weißt was es heißt kämpfen zu müssen, durchzuhalten und stark zu bleiben. Du wirst diesen Schmerz besiegen. Du wirst dich nicht von ihm einnehmen lassen, das weiß ich genau. Wir, deine Familie, werden dich dabei unterstützen wo es auch nur geht, aber auch ohne uns bist du stark genug alles zu erreichen und zu überstehen was du willst. Nur weil dein kleiner Sonnenschein jetzt nicht mehr bei uns ist, heißt es nicht das es kein Sonnenschein mehr ist." sie legt ihren Finger auf meine Brust. "Hier drinnen lebt er nämlich für immer und ewig. Du wirst ihn nie vergessen, aber du wirst stark für das kleine Wunder in dir bleiben. Für den Sonnenschein der von uns gegangen ist und für deine Familie und irgendwann werdet ihr dann alle vereint." 

Jedes ihrer Worte trifft mich mitten ins Herz und ich kann gar nicht mehr aufhören zu weinen. Auch Alison schafft es nicht mehr aufzuhören. Sie nimmt mich fest, aber dennoch vorsichtig, in den Arm und wir zwei weinen alles aus. Auch wenn ich keine Antwort auf ihre Worte geben konnte, weiß sie, dass ich ihr zugehört und sie verstanden habe. 

Ich bin ihr unendlich dankbar für ihre Worte und dafür, dass sie für mich die Mutter ist, die ich leider nie hatte. 

Falling for my ownerWo Geschichten leben. Entdecke jetzt