53. Es tut mir Leid

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Als ich die Augen aufmache scheint mir das Mondlicht entgegen. Ich will mir eine Strähne aus dem Gesicht streichen, aber die Nadel in meinem Arm hindert mich daran. Ich schaue langsam nach oben und sehe den Infusionsbeutel, der an dem Schlauch hängt, der von meinem Arm ausgeht.

"Viv, endlich." höre ich die zittrige Stimme von Elijah der sich förmlich auf mich stürzt und mich in den Arm nimmt. "Du hast mir solche Angst eingejagt." Er setzt mich vorsichtig auf und streicht mir über mein Gesicht. "Geht es dir gut? Was war denn vorhin los mit dir?" fragt er besorgt und ich schaue ihm einfach leer in die Augen. "Ob es mir gut geht?" frage ich kalt und lege den Kopf schief. "Meinst du das ernst Elijah? Fragst du mich ernsthaft ob es mir gut geht? Nachdem du mir sagst, dass wir unser Kind verloren haben? Ob es mir gut geht?" Ich lache und drücke ihn von mir.

"Ja, ja Elijah mir geht es blendend. Mir ging es noch nie besser." Ich reiße die Nadel aus meinem Arm und Blut spritzt dabei raus. "Es ist meinetwegen tot. Ich konnte es nicht beschützen. Mein Kind ist in MIR gestorben. IN MIR." Ich stehe auf und halte mich sofort am Bett fest, weil sich alles dreht. "Vivian." Elijah springt sofort auf und hält mich, damit ich nicht falle. Ich schaue ihn mit Tränen in den Augen an.

"Nein. Nein es ist nicht meine Schuld. Du bist schuld daran. Das alles ist wegen dir passiert. Weil du deinen verfickten Schwanz nicht unter Kontrolle hattest und ihn in dieses Weib stecken musstes. Nach uns. Vielleicht sogar nach der Nacht in der wir unser totes Kind gezeugt haben."

Ich schlage ihm mit der Faust gegen die Brust. "Du hast ihn umgebracht, du hast unseren Sohn umgebracht. Er wäre so wunderschön, klug und lustig geworden. DU HAST IHN MIR WEGGENOMMEN!" kreische ich ihn an und Ohrfeige ihn mehrmals. Er sagt nichts. Er wehrt sich nicht und schaut mir auch nicht in die Augen. Ich schlage weinend auf ihn ein und er gibt keinen Ton von sich. Die fast unsichtbare Träne, die seine Wange runterläuft zeigt mir aber, dass er mir zuhört und es nicht an ihm abprallt.

Tief in mir weiß ich eigentlich, dass keiner von uns beiden Schuld an dem Verlust unseres Kindes trägt. Es fällt mir gerade nur einfach leichter, jemanden zu beschuldigen, als einzusehen dass niemand etwas dafür kann. Es war wohl einfach unser Schicksal. Ich bin normalerweise ein Mensch, der denkt alles im Leben hätte einen Grund und man sollte dankbar sein, dass es nicht schlimmer gekommen ist. In diesem Moment kann ich aber leider nicht so denken. So gerne ich das auch tun würde, der Schmerz und die Leere in mir sind einfach zu groß.

Große starke Arme schlingen sich plötzlich ganz sanft um meinen Körper und drücken mich an eine harte Brust. "Ich weiß" sagt er mir rau in Ohr. "Ich weiß Vivian."
"Lass mich los." schreie ich und versuche ihn weinend von mir zu drücken.

"Shh, es wird besser. Ich verspreche dir das es mit der Zeit besser wird." Er streicht mir durchs Haar und lässt nicht locker, egal wie fest ich ihn von mir drücke. "Der Schmerz wird nicht weggehen, ich weiß." Er legt sein Kinn auf meinen Kopf und hält mich ganz dicht an sich, während ich mir wörtlich die Seele aus dem Leib heule. "Aber wir gewöhnen uns daran, versprochen. Wir werden das zusammen durchstehen." Schluchzend schlinge ich nun meine Arme um seine Taille, weil ich es einfach nicht aushalte. Ich weiß, dass ich es nicht alleine überstehe. "Es tut mir Leid Elijah. Das was ich gesagt habe war nicht fair." Ich löse mich ganz leicht von ihm, um ihm in die Augen schauen zu können. "Für dich muss es genauso schlimm sein..." Ich seufze und versuche meine Hand an seine Wange zu legen, aber es geht nicht. Ich kann meinen Arm nicht so hoch heben. "Ist schon gut." sagt er sanft und hält meine Hand in der Luft auf, als ich das Gesicht verziehe. "Baby, du musst dich jetzt hinlegen okay?" Er greift mir vorsichtig an meinen Bauch. "Für unser anderes Kind. Wir konnten nichts dagegen tun, dass wir ein Kind verloren haben. Das andere beschütze ich mit meinem Leben, das schwöre ich dir."

Er lehnt seine Stirn kurz an meine. "Ich liebe euch Vivian. Ich liebe dich." sagt er an ein Flüstern grenzend. Ich muss schmunzeln und schaue ihn mit Tränen in den Augen an. "Wir dich auch." sage ich und greife auch auf meinen Bauch. Ich lege meine Hand direkt über seine.

Wir schauen uns noch eine Weile an, aber sobald er merkt dass ich mir schwer tue auf den Beinen zu stehen, hilft er mir dabei mich hinzulegen. "Ich will hier nicht bleiben Elijah. Können wir nicht nach Hause? Bitte." seufze ich als er mich zudeckt. 

"Du hast deinen Arzt doch gehört Baby. Du brauchst 24 Stunden Pflege und musst hier für den Notfall bleiben."  Ich seufze erneut und nehme seine große Hand in meine. "Du bist doch da und Becca könnte doch eine Weile bei uns wohnen. Lauren könnte bestimmt auch kommen. Außerdem hab ich auch Olivia und wenn du darauf bestehst, können wir ja einen Arzt nach Hause holen, der mich dann täglich untersuchen kann." versuche ich ihn zu überreden und schaue ihn mit großen Augen an.

Jetzt ist er es, der seufzt. Er schüttelt stumm den Kopf und fährt sich durchs Haar. "Du bist eine gefährliche Frau Vivian Jones." sagt er nur halb im Scherz.

Ich grinse. "Das nehme ich als ein Ja." sage ich und er schüttelt wieder den Kopf, diesmal schmunzelt er dabei. "Na gut, morgen früh hole ich dich hier raus und wir können nach Hause."

Falling for my ownerGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt