~ Eine Woche vorher ~
Ich sitze wie versteinert vor meinem Laptop, die Finger starr über der Tastatur.
Codezeilen flimmern über den Bildschirm, Zahlen und Firewalls rattern an mir vorbei, aber in meinem Kopf herrscht Stille.
Oder nein – Chaos.
Ein lautes, unbändiges Tosen, das ich einfach nicht loswerde.
Ich versuche, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Suche. Hacke. Finde diesen verdammten Mistkerl Jakob.
Er hat mir die Hölle eingebrockt – und glaubt, er kann einfach abhauen?
Nicht mit mir.
Nebenbei poppt wieder eine Nachricht von Alisa auf.
Ich lese sie nicht mal mehr richtig, sondern schließe das Fenster genervt.
Sie schreibt mir fast jeden Tag.
Wie’s in der Schule läuft.
Was für dämliche Sprüche sie ignoriert.
Wie sehr sie mich vermisst.
Und ich?
Ich... fliehe.
Nicht vor ihr – sondern vor dem, was sie in mir auslöst.
Seit diesem Kuss bin ich durcheinander.
Meine Gedanken – voll von ihr.
Ich brauch einen klaren Kopf. Und das geht nicht, wenn ich dauernd an ihre Lippen denken muss...
Müde lasse ich mich im Stuhl zurückfallen, starre an die Decke, als könnte sie mir Antworten geben.
Mein Handy vibriert schon wieder.
Ich greife danach, seufze und schalte es stumm. Dann werfe ich es achtlos aufs Bett.
Ich bin irgendwo in einem verrotteten Motel untergetaucht.
Draußen grau, drinnen stickig.
Ich esse kaum. Schlafe kaum.
Ich existiere. Mehr nicht.
Mit Kapuze auf dem Kopf schleiche ich aus dem Zimmer, hole mir eine Flasche Wasser aus dem Automaten und drehe mich dann langsam um.
Da steht sie.
Wieder.
Diese Frau.
Sie starrt mich an, als wäre ich das Highlight ihres Lebens.
Ich sehe sie nur kurz an – durch meine Kapuze – dann gehe ich wortlos an ihr vorbei.
Zuhause... wenn man das so nennen kann... stelle ich die Flasche auf den Tisch und gehe duschen.
Das Wasser hilft kaum gegen die innere Unruhe.
Nass, mit einem Handtuch um die Hüfte, starre ich mich im beschlagenen Spiegel an.
„Du solltest vielleicht mal schlafen, Idiot“, murmle ich mir selbst entgegen.
Doch kaum setze ich mich hin, klopft es an der Tür.
Ich gehe zum Fenster.
Natürlich.
Sie. Schon wieder.
Widerwillig öffne ich.
„Ja?“
Sie wirkt verlegen, aber ihr Blick wandert eindeutig dorthin, wo mein Handtuch aufhört.
Ich hebe eine Augenbraue.
„Was wollen Sie?“
„Ich… wollte dich fragen, ob du Lust hast, was essen zu gehen. Ich sehe dich ständig allein. Und… du wirkst so… interessant.“
Ihre Stimme tropft wie Honig. Zu süß, um echt zu sein.
„Kein Interesse“, knurre ich.
Ich will die Tür schon schließen, da blockiert sie sie mit ihrem Fuß.
„Ach komm schon…“
„Verzieh dich.“
Mein Blick ist eiskalt.
Sie zieht zurück, murmelt noch ein „Arschloch“ – und verschwindet endlich.
Ich seufze, lasse mich aufs Bett fallen und schlafe erschöpft ein.
---
Ein paar Stunden später.
Ich schrecke hoch.
Schweiß.
Panik.
Wie spät ist es?
Ich reibe mir die Augen, greife zum Handy –
und sehe Nachrichten.
Viele.
Von ihr.
Ich muss ungewollt lächeln.
Sie hat nicht aufgehört, zu schreiben.
Sie wartet…
Verdammt.
Ich leg das Handy beiseite.
Nein.
Wenn ich ihr antworte, zieh ich sie nur noch tiefer rein.
Ich darf das nicht zulassen.
Ich muss sie schützen – auch vor mir.
Die Tage vergehen.
Die Frau vom Motel gibt nicht auf.
Ständig steht sie vor der Tür, klopft, redet irgendeinen Mist – als wär ich ein Schuljunge, der auf dumme Spielchen reinfällt.
Aber ich habe null Interesse.
Nicht jetzt. Nicht an sie.
Ich will keine Ablenkung. Keine Nähe.
Und ganz sicher keine Frau, die mich nur anschaut wie ein Spielzeug.
Ich will...
nein, ich will nicht darüber nachdenken, wen ich will.
---
Eine Woche.
So lange geht das Theater nun schon.
Jakob bleibt spurlos verschwunden.
Er weiß genau, dass ich ihn jage. Und er weiß auch, wie hartnäckig ich bin.
Dann…
plötzlich vibriert das Handy.
Ich will es schon ignorieren.
Doch der Nachrichtenvorschau bricht mir fast das Herz:
~ Jake… Bitte antworte mir. Ich brauche— ~
Ich greife sofort zum Handy, öffne die Nachricht –
mein Magen verkrampft sich.
~ Alisa, was ist passiert?! ~
Stille.
Verdammte, eiskalte Stille.
Ich tippe erneut:
~ Alisa? ~
Und dann… kommt ihre Antwort.
~ Jake… Ich… der Typ von der Schule hat mich bedrängt… er hat mich angefasst… Ich habe Angst… Bitte komm zurück… ~
Ich starre aufs Display.
Sekundenlang.
Mein Atem stoppt.
Die Wut steigt höher bei dem Gedanken.
Ohne lange zu überlegen wähle ich ihre nummer.
Sie hebt ab...
„Er hat WAS gemacht?!“ Meine Stimme ist so kalt, dass ich mich selbst erschrecke:
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Danger and Love (Überarbeitet)
RandomJake vertraut niemandem. Nicht der Welt. Nicht sich selbst. Schon gar nicht seinem Herzen. Als Hacker lebt er im Untergrund - unsichtbar, unnahbar, und bereit, jeden auszuschalten, der zu nah kommt. Doch dann trifft er sie. Ein Mädchen aus dem Heim...
