The day after

39 3 0
                                    

Am nächsten Morgen war Riku vor mir wach, denn der Finne kam gerade aus dem Bad, als ich mich aufsetzen wollte.
Er hatte nasse Haare und ein gebrauchtes Tuch in der Hand, aus dem ich erschliessen konnte, dass er sich eine Dusche gegönnt hatte. “Morgen.”, flüsterte er mir etwas verkatert zu.

Ich brauchte einen Moment um zu Checken, wie ich hier hingekommen bin und was ich hier machte, weswegen ich auf Rikus Begrüssung nur mit einem nicken antwortete.

Er sah mir meine Unsicherheit etwas an, weshalb er sich vor mich auf den Boden hockte und seine Hand auf meine Schulter legte.
Mein Kopf hing zu Boden, denn mir war elend schlecht und ich fühlte mich zu schwach, um meinen Körper aufrecht zu halten.
Vorsichtig führte Riku die Wasserflasche an meinen Mund und half mir einen Schluck zu trinken. Das kühle Wasser floss meinen Rachen hinunter und kaum hatte es meinen Magen erreicht, kam es gefühlt in doppelter Geschwindigkeit wieder hoch.

Mit der Hand vor dem Mund rannte ich zum Bad, wo ich gerade noch den Kopf über die Schüssel halten konnte, bevor ich den ganzen Alkohol von gestern wieder ausspuckte. Riku zögerte nicht, mir hinterher zu eilen und setzte sich neben mich auf den Boden, um mir erneut Wasser und die emotionale Unterstützung zu liefern.
Auch dachte er an das Aspirin, welches Mikko letzte Nacht für uns bereitgestellt hatte und übergab mir dieses, als es schien, als ob nun alles von meinem Mageninhalt in der Toilette war.
Dankbar nahm ich diese Tablette an, spülte sie mit einem Schluck Wasser runter und hoffte, dass es bald besser gehen würde.

Doch von Besserung konnte man nicht sprechen.
Der Alkohol vertrug sich wohl nicht mit meiner Tagesration an Pillen gegen meine Krankheiten, weshalb ich den ganzen Tag etwas leiden musste.
Glücklicherweise hatte ich Riku an meiner Seite, der sich um mich kümmerte und mich pflegte.

Wir legten uns gemeinsam ins Bett und schauten einige Serien.
Es herrschte keinen grossen Redefluss zwischen uns beiden. Nicht etwa, weil wir nichts mehr zu sagen hatten, oder weil wir auf irgendeine weise genervt waren vom anderen, sondern eher, weil es uns beiden besser tat etwas zu schweigen und den Kater auszukurieren.

Am Mittag machten wir uns auf den Weg in den Essaal, wo die andern schon auf uns warteten. Wir schienen nicht die einzigen verkaterten zu sein, denn auch Jukka und Raul sassen am Tisch, hatten den Kopf in die Hände geschützt und versuchten die Augen vor der grellen Sonne, welche durch die hohen Fenster schien, mit den Handflächen zu verdecken. Während ich ein leises “Hallo” aus mir rausdrückte, zog Riku einen Stuhl heran und liess sich neben mich nieder.
“Wie geht’s euch?”, fragte Sami, der uns mindestens so schadenfreudig angrinste, wie Mikko es tat.
“Viel getrunken.”, antwortete Riku in einem erstaunlicherweise normalen Ton. Man merkte dennoch, wie sehr er sich zusammenreissen musste, um nicht so leidend auszusehen, wie Jukka, der seinen Kopf inzwischen auf den Tisch gelegt hatte.

“Und wie geht es euch?”, fragte Riku zurück, schaute kurz in die Runde und begann Jukka mit demselben grinsen anzusehen, wie der Manager und der Drummer. Vorsichtig legte er die Hand auf Jukkas Kopf, um ihm eine kleine Kopfmassage zu geben.

“Hat jemand eine Zigarette?”, fragte ich in die Runde, da mir bei dem Anblick von den beiden wohl nur noch die Flucht helfen würde.
Sofort löste sich Riku von Jukka und schaute zu mir, während Jukka, ohne den Kopf zu heben die Zigarettenschachtel aus seiner Jacke kramte und mir diese rüber reichte.
“Wir wollen gleich essen.”, versuchte Riku mich aufzuhalten, doch ich ignorierte es, nahm die Zigarettenpackung und ging auf die Terrasse, um etwas frische Luft zu schnappen. Um die Ironie zu vollenden, zündete ich eine von Jukkas Glimmerstengel an und genoss die Unreinigkeit, welche in meine Lunge wanderte.

Wie schon erwartet konnte ich nicht lange allein draussen stehen. Zu meiner Überraschung war es nicht Riku, der mich an meine Krankheiten erinnern wollte, sondern Sami.
“Geht es dir gut?”, fragte er, während er seine Hand auf meinen Rücken legte, um mir klarzumachen, dass er auf diese ernste frage auch eine ernste Antwort verlangte.
“Ja, alles gut. Und bei dir?”, fragte ich zurück, lächelte ihn an und zog erneut an der Zigarette.

The fight against the silence - 'til the last breathWo Geschichten leben. Entdecke jetzt