10. Kapitel

58 4 0
                                        

Im nächsten Moment lag ich auf dem Brett und merkte selbst die kleinsten Wellen. Ich wollte mich aufrichten, hatte jedoch Angst umzukippen. Vorsichtig blickte ich auf, um Heath zu suchen. Dieser paddelte gerade zu mir. "Versuch dich hinzusetzen.", rief er mir zu. Hastig schüttelte ich den Kopf: "Ich fall dann runter." "Okay, dann such dir eine gemütliche Position auf dem Board und paddel ein wenig hin und her.", schlug er vor. Langsam rutschte ich auf dem Brett hin und her, bis ich der Meinung war, dass ich mich frei bewegen konnte. Die ersten Bewegungen waren sehr zögerlich, aber je länger ich paddelte, desto sicherer fühlte ich mich. "Sehr gut! Aber nicht so weit raus, komm erstmal wieder her.", rief Heath hinter mir und ich paddelte zurück. "Sieht gut aus, aber denk daran, dass du immer die Spannung in deinem Körper halten musst. Ist sie einmal weg, bist du vom Board runter. Und jetzt versuchst du dich aufzusetzen!" Er legte sich selbst auf sein Brett und zeigte mir, wie er sich aufsetzte.

Ich tat es ihm gleich und saß etwas wacklig auf. Heath nickte anerkennend. Für einen Augenblick entspannte ich mich und grinste ihn an. Genau in dem Moment kam eine etwas stärkere Welle und ich kam stark ins schwanken. Ich krallte mich noch ans Brett, aber es war zu spät. Mit der nächsten Wellenbewegung kippte ich mitsamt dem Brett um. Unglücklicherweise sog ich vor Schock die Luft ein, als ich gerade ins Wasser traf. Meine Lungen füllten sich mit dem Salzwasser und ich versuchte aufzutauchen. Dabei krachte ich jedoch gegen mein Board, sodass mir schwarz vor Augen wurde. Ich verlor die Orientierung und begann wild zu strampeln. Bevor sich mein Bewusstsein verabschieden konnte, hörte ich eine tiefe Stimme in mir: "Beruhig dich und entspann deine Muskeln. Vertrau mir!" Instinktiv entspannte ich mich und versuchte meinen Herzschlag zu normalisieren. Ich spürte wie der Druck um mich herum kleiner wurde und mich dann eine Hand ergriff.

Prustend kam ich wieder an die Wasseroberfläche. Gierig sog ich die Luft ein und begann nun kontrolliert mit den Beinen zu strampeln. "Du hast mir so einen Schrecken eingejagt! Tut mir wahnsinnig leid, ich hab dir die richtige Falltechnik nicht erklärt.", sprudelte Heath drauf los. Er hatte einen Arm um meine Taille gelegt und mich fest an sich gedrückt. Mit dem anderen Arm hielt er sich am Board fest. "Ist doch nichts passiert.", krächzte ich. "Das nennst du nichts passiert? Du hast eine Platzwunde an der Stirn und warst mehrere Minuten unter Wasser. Es ist unglaublich, dass du überhaupt bei Bewusstsein bist und klar antworten kannst.", polterte er drauf los. Verwirrt fasste ich an meine Stirn und bemerkte etwas Blut, sowie ein leichtes Pochen. Ich schloss meine Augen und stöhnte leicht auf. Wie sollte ich das nur meinem Dad erklären. "Alles okay?", fragte Heath dann besorgt. "Ach Quatsch! Das ist doch nichts. Hast du Hunger? Ich hab total Hunger, wollen wir essen gehen?", lenkte ich ihn ab.

Auch am Strand angekommen sah Heath mich weiter zweifelnd an. Er blieb immer in meiner Nähe, um sicher zu gehen, dass er sofort eingreifen konnte, wenn ich umkippen sollte. Zusätzlich verweigerte er jegliche Hilfe von mir und schleppte die Boards allein zum Auto. "Jetzt mach dich nicht so verrückt! Das sieht nur so schlimm aus! Das ist bestimmt einfach mal gar nichts.", beruhigte ich den Jungen. Ohne darauf zu reagieren, half er mir ins Auto, schnallte mich an und machte die Tür zu. Als er sich selbst hinsetzte, kramte er nach einem Taschentuch und reichte es mir. Ich nahm es entgegen und wischte damit über meine Stirn. Es kribbelte leicht, doch das ignorierte ich einfach. "Und? Ist nicht mehr schlimm oder?", fragte ich Heath. Als er mich ansah, klappte ihm die Kinnlade runter. In Trance legte er seine Hände auf meine Wangen und zog mich leicht zu sich. Ich sah ihn etwas überfordert an, doch er war komplett auf meine Stirn fokussiert. "Das ist unmöglich. Da war soviel Blut. Das kann nicht sein.", nuschelte er. "Was ist unmöglich?", flüsterte ich. Ich hatte das Gefühl normal zu reden, würde irgendwas kaputt machen. "Da ist nichts!", meinte er leicht verstört und strich mit seinem Daumen über meine Stirn. "Wie nichts?", fragte ich zweifelnd und riss meinen Kopf los, um mich im Spiegel anzusehen. "Krass!", murmelten Heath und ich gleichzeitig.

SoulwalkerWo Geschichten leben. Entdecke jetzt