39. Kapitel

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Ich seufzte. Mein Magen zog sich bei der Erinnerung schmerzhaft zusammen. "Ich rede nicht gerne darüber. Und ich habe es bis jetzt auch nie getan.", flüsterte ich leise, während ich meine Finger knetete. Damon sah mich abwartend an. "Es ist das gleiche Prinzip. Er sagte, wenn ich es nicht täte, würde ich ihn nicht lieben. Und obwohl ich nicht wollte, habe ich es über mich ergehen lassen. Ich dachte, das würde dazu gehören. Vielleicht schäme ich mich sogar dafür, aber hauptsächlich bereue ich es.", murmelte ich. "Was hast du getan?", fragte Damon.

Ich schluckte, bevor ich antwortete: "Ich wollte es wirklich nicht, aber ich dachte ich würde ihn lieben und habe deswegen nach langen Diskussionen immer eingewilligt. Es reichte ihm aus, wenn ich einfach nur da lag und erregt aussah, obwohl ich Schmerzen hatte. Damit komme ich, glaube ich, aber noch klar. Schlimmer war das Andere. Es war widerlich und ich habe jedes Mal einen Brechreiz unterdrücken müssen. Er sagte, ich solle es an Bananen üben, aber das war ein riesiger Unterschied! Bananen schmecken und die muss ich mir auch nicht bis in den Rachen hineinschieben. Erst vor einem Monat meinte ich, dass er sich jemanden suchen solle, der das gerne machen würde, da ich das nicht mehr machen konnte. Vielleicht kannst du dir denken, wie er reagiert hat."

"Er hat dich dazu gezwungen, ihm einen zu Blasen?", fragte Damon schockiert. "Ich weiß nicht, ob gezwungen das richtige Wort ist. Ich hab ja zugestimmt, nachdem er sagte, ich würde ihn nicht lieben, wenn ich es nicht täte. Und es ist ja nicht so, dass er mit seinem Ding vor meiner Nase rum gewedelt hatte. Wobei, doch das hat er.", flüsterte ich und rieb mir wieder über den Arm. Wütend schlug Damon auf den Felsen, sodass ein kleiner Riss entstand. Vor Schreck zuckte ich zusammen und sah ihn an. Er hatte den Kopf gesenkt und zitterte leicht. "Hätte ich das gewusst, hätte ich ihn in der Gasse umgebracht.", knurrte er.

"Lass das bitte. Das erinnert mich an ihn. Zuerst hat er auch nur Gegenstände geschlagen, wenn er wütend wurde. Und vor zwei Wochen hatte er dann gegen eine Wand direkt neben meinem Gesicht geschlagen. Er hatte sich zwar direkt danach entschuldigt und ich dachte, das wäre nur ein Versehen gewesen, aber du weißt ja, was in der Gasse passiert ist.", flüsterte ich nervös. "Tut mir leid.", sagte Damon sofort, "Ich habe nicht nach gedacht." Verzweifelt raufte er sich die Haare: "Ich mache nur Fehler. Jetzt musst du doch ein schlechtes Bild von mir haben. Ich bin ebenso wütend und gewaltorientiert und ich küsse dich ohne deine Erlaubnis, was ebenso grausam ist, wie das was er getan hat."

Schüchtern zog ich die Beine an und schlang meine Arme darum. "Kannst du da nicht rechtlich gegen vorgehen?", fragte Damon, als er sich wieder gefangen hatte, "Ist das nicht schon Vergewaltigung oder zumindest sexueller Missbrauch?" Ich schüttelte langsam den Kopf: "Ich glaube nicht. Ich habe schließlich eingewilligt. Hätte ich mich gewehrt, geschrien oder wenigstens Nein gesagt und er hätte es trotzdem getan. Dann könnte ich wohl etwas machen, aber so. Ich bin selbst dran Schuld." Ich ließ meinen Kopf auf die Knie fallen und versuchte ruhig zu atmen, um nicht schon wieder weinen zu müssen.

"Scheiße, man. Er hat dir echt alles kaputt gemacht.", flüsterte Damon. "Ich weiß, aber ich will mich nicht davon aufhalten lassen. Ich werde zwar nicht mit jeder x-beliebigen Person darüber reden, was mir passiert ist, aber es hilft ungemein, dass ich jetzt jemanden habe mit dem ich theoretisch darüber reden könnte. Das erleichtert alles irgendwie. Verstehst du?", murmelte ich und er nickte langsam. "Dann hast du das Prinzip verstanden. Es geht nicht darum allen alles zu erzählen, sondern überhaupt darüber sprechen zu können." Er rückte zu mir und nahm mich in den Arm. "Jetzt musst du mir nur noch dein Verhalten mit dem Arm erklären.", meinte er.

"Siehst du die Narbe?", fragte ich und zeigte ihm mein Handgelenk, "Das ist der Rest. Also das, was davon übrig geblieben ist. Ich dachte, ich könnte die seelischen Schmerzen nicht mehr ertragen. Zuerst habe ich mit bloßen Händen gegen Dinge geboxt, bis meine Knöchel geblutet haben. Aber das konnte man nicht so gut verstecken, weswegen ich auf eine Rasierklinge umgestiegen bin. Ich wollte mich nicht umbringen, wirklich nicht. Nur der körperliche Schmerz hat den Seelischen ersetzt und einfacher gemacht. Alles kam mir einfacher vor, wenn ich diese kleinen Schnitte meinem Arm zufügte. Ich habe mich einmal erschreckt und tiefer geschnitten, als beabsichtigt. Deswegen die Narbe." Damon sah stumm auf meinen Unterarm und strich mit dem Daumen darüber. "Vermutlich ist das so eine psychische Reaktion. Sobald mir etwas zu schwierig vorkommt oder ich verzweifelt bin, fang ich unterbewusst an dort zu kratzen.", murmelte ich.

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