21. Kapitel

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"Warte, nochmal von Vorne. Ich komm nicht mehr mit. Wer ist Mrs. Shepperd und warum hat sie Mr. Haxley beurlaubt?", fragte mein Dad verwirrt. Genervt rollte ich mit den Augen, da ich nun das fünfte Mal versuchte ihm den Tag zu erzählen. "Also! Ich habe die Freunde von Heath kennen gelernt und einer von ihnen hat mich zum Sekretariat begleitet, weil er ein Date mit dem Konrektor hatte. Er hat mir erklärt, dass seine Geschichtslehrerin rassistisch ist und mit ihm ein Problem hat, weil er ja schwarz ist. Dann hat uns die Direktorin unterbrochen und Nik musste gehen und ich ihr folgen. Sie hat mir dann geraten, aufzupassen wen ich als Freunde wähle. Kommst du soweit mit?", fragte ich.

"Ja, ja. Alles gut. Erzähl weiter.", forderte mein Dad. "Okay. Ich hab ihr dann gesagt, dass Nik einen netten Eindruck machen würde und es vielleicht wirklich an der Lehrerin, also Mrs. Daniels liegt und nicht an ihm. Jedenfalls war sie dann eingeschnappt und hat mich stehen lassen. Ich glaube, dass sie ein Gespräch mit Mrs. Daniels gesucht hat und sie suspendiert hat, weil ihr durch meine Aussage etwas klar geworden ist." "Und wie kommst du darauf?", unterbrach mich mein Dad. Ich seufzte: "Würdest du mich ausreden lassen, wüsstest du das jetzt. Ich komme darauf, weil nicht Mrs. Daniels in ihrem Geschichtskurs aufgetaucht ist, sondern Mrs. Shepperd hat diesen übernommen. Verstehst du das jetzt?"

"Doch durchaus. Du bringst dich noch um Kopf und Kragen, aber ich bin doch stolz auf dich. Aber was war das jetzt mit deinem Musiklehrer?", fragte mein Dad. "Mr. Haxley hatte letzte Woche beschlossen eine Gesangsprüfung zu machen, von der ich nichts wusste. Durch pures Glück sollte meine Prüfung auf morgen verschoben werden, aber das hat sich jetzt erledigt. Als Damien und ich in dem Musikraum waren, hatte Damien angefangen Disneylieder auf dem Klavier zu spielen. Ist das nicht unglaublich? Und dann hat er gesungen und ich habe einfach mit gemacht.", erklärte ich verträumt.

Mein Dad sah mich erstaunt an: "Du hast gesungen? Freiwillig? Vor einer anderen Person?" "Ja, Heath hatte mir geholfen die Angst zu nehmen. Zumindest ein bisschen. Und bei Damien habe ich einfach nicht mehr nachgedacht.", lächelte ich, "Jedenfalls! Während Damien und ich gesungen haben, ist Mr. Haxley zur Tür herein gekommen. Ich hab mich so erschreckt, dass ich mich hinter Damien versteckt habe. Er hat uns echt böse angesehen und dann gesagt, ich zitiere: 'Eigentlich sollte ich Ihnen beiden Nachsitzen aufdrücken. Aber ich werde darüber hinwegsehen. Dafür möchte ich Sie Mister ab sofort in meinem Kurs sehen. Und Sie Miss Smith haben mit sehr gut bestanden. Jetzt aber raus aus meinem Raum.'" Während ich Mr. Haxley zitierte, ahmte ich seinen Tonfall nach, sodass mein Dad lachen musste. "Ich möchte aber nicht erleben, dass du irgendwann wirklich nachsitzen musst.", mahnte mein Dad, nachdem er sich wieder eingekriegt hatte, "Ach ja, eventuell siehst du einmal nach Julian. Er hat sein Zimmer heute noch nicht verlassen." "Okay. Ich geh schon.", seufzte ich.

"Julian? Bist du krank?", fragte ich, nachdem er nicht auf mein Klopfen reagierte. Julian saß auf seinem Bett, starrte die Wand an und ignorierte mich. Leise schloss ich die Tür hinter mir und ging zu ihm. "Was ist los mit dir?", versuchte ich es nochmal. Erst als ich mich neben Julian auf das Bett setzte und ihn berührte, reagierte er auf mich. "Was ist los?", wiederholte ich mich. "Du hattest recht.", sagte Julian, "Ich bereue, was ich getan habe." Ich verkniff mir meinen schnippischen Kommentar und wartete darauf, dass er weiter sprach.

"Warum war ich so doof?", wollte er nach einer Weile wissen. Ich zuckte mit den Schultern: "Das gehört wohl dazu. Das Blind sein und so." "Woher willst du das wissen?", erkundigte sich Julian. "Weil ich genauso blind war." "Hä? Wie meinst du das?", fragte er verwirrt. "Ich sag dir das direkt vorweg: Mach dir keine Hoffnungen! Aber ich hab mich in Heath getäuscht. Er war meine erste Verbindung hier und das hat mich geblendet. Er ist nicht das, was er zu sein scheint.", murmelte ich leise und wischte schnell die Träne an meiner Wange weg. "Wenn ich ihn für den Scheiß schlagen soll, dann sag das und ich mach das.", meinte Julian und nahm mich in den Arm. Ich lachte leise und schüttelte den Kopf: "Es gab schon genug Streit. Wir brauchen nicht noch mehr." "Heißt das, du bist mir nicht mehr böse?", fragte er vorsichtig. "Du kennst mich. Ich kann nicht lange auf dich böse sein, aber immer wenn wir streiten sollten, werde ich dir das vorwerfen.", antwortete ich, während ich meinen Kopf auf seiner Schulter bettete.

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