"Verschwinde!", wiederholte Nana. Damien rappelte sich langsam auf und ging zur Tür. Er verschwand aus meinem Sichtfeld und dann hörte ich, wie er den Laden verließ. Nana entspannte sich augenblicklich. "Was war das?", fragte ich geschockt. "Ich traue ihm nicht. Er hat eine sehr dunkle Aura und scheint mir gefährlich. Hast du viel Kontakt zu ihm?", sagte Nana, die anfing die Kräuter zu verpacken. "Ja? Er ist ein guter Freund von mir?", antwortete ich, obwohl es eher eine Frage war. "Du solltest dich von ihm fernhalten.", riet mir Nana und schickte mich dann hinaus.
Verwirrt ging ich zum Wagen und stieg wieder Hinten ein. Ich sah zu Damien, der scheinbar völlig entspannt neben mir saß. Besorgt berührte ich sanft seine Hand, doch er zuckte zusammen und entzog sie dann meiner Reichweite. "Hast du alles bekommen, was du wolltest?", fragte mich mein Dad. "Ja. Ja, sie ist echt meine Rettung. Sie hat für alles irgendetwas, das helfen könnte.", antwortete ich ohne den Blick von Damien abzuwenden. "Das ist schön.", freute sich mein Dad und fuhr los. Während ich unverwandt Damien anstarrte, fiel mir etwas seltsames auf. Sollte er nicht eigentlich für einen Normalsterblichen total geschockt sein über das, was im Laden gerade passiert war. Ich wusste inzwischen, dass es übernatürliche Kräfte gab und ich hatte siebzehn Jahre gebraucht, um das zu verstehen. Und dabei hatte ich die gesamte Zeit besagte Kräfte in mir, für jemanden, der noch nie etwas mit Magie oder ähnlichem zutun hatte, wirkte Damien sehr gelassen.
Als wir vor unserem Haus parkten, stieg Damien immer noch schweigend aus und holte meine Tasche. Ich ging zum Beifahrersitz und holte meinen Teddy, um damit zur Haustür zu gehen. Damien folgte mir. Schnell gab ich noch meinem Dad Bescheid und ging dann ohne Umwege in mein Zimmer. Als Damien ebenfalls im Zimmer stand, schloss ich die Tür hinter uns und drehte mich dann zu ihm. Ich lehnte noch mit dem Rücken an der Tür und sah Damien dann abwartend an. Er stand jedoch an einem der Fenster und sah mit finsterem Blick hinaus. Ich glaubte schon, dass er den ganzen Abend so sein würde, als er sich durch die Haare fuhr und fluchte. Ich zuckte zusammen bei seiner harschen Wortwahl. "Was war das für ein Voodoo-Mist da gerade?", fragte er dann, als er wieder ruhiger war.
"Das war kein Voodoo.", antwortete ich, bevor ich wirklich nachdachte. Im nächsten Moment biss ich mir auf die Zunge, da Damien nun wusste, dass ich Ahnung davon hatte und ich Probleme haben würde mich da raus zureden. Damien drehte sich zu mir und sah mich skeptisch an. "Voodoo wird doch im Norden nicht wirklich praktiziert.", startete ich einen kläglichen Versuch. Damiens Gesichtsausdruck änderte sich kein bisschen. "Ach, was weiß ich denn. Sie ist so eine Art Schamanin, die müssen doch sowas können oder nicht?", meinte ich frustriert. "Hat sie das schon einmal gemacht?", fragte er dann. "Zumindest nicht in meiner Gegenwart. Also so etwas nicht.", murmelte ich. "Das heißt sie hat andere Kräfte genutzt.", stellte Damien ruhig fest. Geschockt riss ich die Augen auf. Ich hatte mich schon wieder verplappert.
"Was hat sie gemacht?", fragte er dann. "Mich geheilt.", nuschelte ich unruhig. Damien nickte: "Und was hat sie gegen mich?" "Sie sagt, dass dich eine dunkle Aura umgibt und du gefährlich bist.", antwortete ich leise. "Glaubst du ihr?", fragte Damien, während er langsam auf mich zu kam. "Ich weiß es nicht.", gestand ich. "Was, wenn sie recht hat?", wollte Damien wissen. Er stand inzwischen direkt vor mir und stütze seine Hände neben meinem Körper an der Tür ab. "Bis jetzt warst du mir doch nicht gefährlich, oder?", fragte ich unsicher. Mein Herzschlag hatte inzwischen doppeltes Tempo, während meine Hände zitterten wie Espenlaub. Nervös knetete ich meine Finger und drückte sie gegen meinen Körper, um das Zittern zu dezimieren.
Damien lehnte seine Stirn gegen meine. Seine Augen waren geschlossen, während er flüsterte: "Bist du dir da sicher?" Sein warmer Atem traf mein Gesicht und ich bekam dadurch eine Gänsehaut an den Armen. "Ja?", gab ich zögerlich von mir. Damien lachte rau: "Das klingt nicht sehr überzeugend." Ich atmete tief durch. Er sorgte sich um mich, machte mir kleine Geschenke, munterte mich auf und beschützte mich. Konnte Damien wirklich gefährlich für mich sein? Ich erinnerte mich an seine finsteren Gesichtsausdrücke und den hasserfüllten Blick bei Nana. Ja, er konnte gefährlich werden, aber er war es nie mir gegenüber. Das Zittern meiner Hände hörte augenblicklich auf, als ich diesen Entschluss gefasst hatte.
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Soulwalker
FantasySoulwalker ist eine uralte mystische Kraft und niemand weiß mehr so genau, was diese eigentlich bewirkt. Sicher ist nur, dass Gut und Böse seit Jahrtausenden darum kämpfen. Im größten Teil der Geschichte wurde die Kraft positiv beeinflusst, aber es...
