Da die Party erst am Abend stattfinden sollte, hatten wir genügend Zeit und Kathy fuhr gemütlich zu sich nach Hause. Ihr Haus war riesig, sodass man es eigentlich Schloss nennen sollte und jedes Mal, wenn ich sie besuchte, staunte ich aufs Neue. Von außen war es wie eine alte Ritterburg, aber innen war sie ausgestattet mit dem modernsten Schnickschnack. Kathy schloss die imposante Eingangstür auf und wir traten in den Flur. Dort stellten wir unsere Ranzen ab und zogen die Schuhe aus. Die Stimme von Kathys Mutter drang aus der Küche heran: "Da seid ihr ja endlich! Ich mache Pancakes, wollt ihr auch welche? Sky, wie geht es deinen Eltern? Ich hab ja lange nichts von ihnen gehört." Wir gingen in die Küche und Kathy umarmte ihre Mom zur Begrüßung. "Hallo Mrs. Hope. Ja alles bestens und gerne hätte ich ein paar Pancakes.", begrüßte nun auch ich die hochgewachsene, blonde Frau. "Wie oft habe ich dir schon gesagt, dass du mich Maria nennen sollst. Mrs. Hope, das klingt so alt und so alt fühle ich mich noch nicht.", lächelte sie und nahm mich in den Arm. Ihr leichtes Rosenparfüm stieg mir in die Nase dabei. Ich liebte diesen Geruch, er versprach Geborgenheit. "Tut mir leid, Maria. Die Gewohnheit.", murmelte ich. "Schon gut, Kleines. Ist ja nichts Dramatisches. Würdet ihr mir ein wenig zu Hand gehen?", fragte Maria. "Klar Mom. Sky du deckst den Tisch und ich wasche ab. Mom du machst die Pancakes.", schlug Kathy vor und band sich eine Schürze um die Hüfte. Ich brauchte nicht nachfragen, wo sich was befand, da dieses Schloss wie ein zweites Zuhause für mich war. Innerhalb weniger Minuten hatte ich alles beisammen, was man für Pancakes brauchte. Dann nahm ich ein Geschirrtuch und trocknete das fertige Geschirr von Kathy ab. Es dauerte nicht lange, bis wir mit allem fertig waren und am Tisch saßen und die Pancakes genossen. Maria redete währenddessen ununterbrochen von ihren Kunden und wie verrückt manche doch seien, bei ihren Wünschen für ihr Haus. Als wir aufgegessen hatten, räumten wir alles auf und Kathy und ich wollte eigentlich in ihr Zimmer gehen, doch ich bekam eine SMS von meiner Mom. "Sorry Kathy, ich muss nochmal nach Hause. Wir sehen uns heute Abend.", verabschiedete ich mich, nahm meine Sachen und machte mich daran nach Hause zu gehen.
Während ich die Straßen entlang wanderte, kam ich an einer alten, maroden Kirche vorbei. Aus irgendeinem Grund verspürte ich eine unglaubliche Neugierde und ging auf den Friedhof. Ich durchstreifte die Grabsteine und blieb vor einem verrotteten Stein stehen. Gerade so konnte ich die Inschrift erkennen: "Scarlett "Sky" Blacksmith; geboren am 5.10.1886 und gestorben am 6.9.1902; du bist zu früh von uns gegangen. In Liebe deine Eltern und dein älterer Bruder Richard." Ich fuhr mit den Fingern den Namen entlang, als ein Bild vor meinem inneren Auge aufblitzte. Ich sah ein Mädchen lachen, dass große Ähnlichkeit mit mir hatte. Das Bild verschwamm und ein neues tauchte auf. Ein junger Mann, mit braunen Haaren und blauen Augen lächelte mir entgegen. Er breitete die Arme aus und das Mädchen aus dem Bild davor lief ihm entgegen. Im nächsten Moment wurde alles dunkel und ich hörte Schreie. Keuchend ging ich zu Boden. Sobald ich den Stein nicht mehr berührte, verschwanden die Bilder. Ich sah den Grabstein wieder an. Da entdeckte ich am unteren Ende des Steines eine weitere Gravur, die jünger war, als der Rest: "Ich warte auf dich." Mir lief ein kalter Schauer über den Rücken. Noch einmal betrachtete ich die Inschriften und für einen Moment sah es aus, als würde mein Name dort stehen. Geschockt hielt ich die Luft an. Um mich herum war es totenstill, bis ein lautes Knacken es unterbrach. Ich schreckte hoch und sah ein paar Reihen weiter einen Fremden, der mich beobachtete. Plötzlich schrie in mir eine Stimme: "Verschwinde!" So schnell es ging, suchte ich das Weite und rannte fast den restlichen Weg nach Hause.
Als ich zu Hause ankam, hörte ich schon von draußen, dass sich meine Eltern wieder stritten. Vor der Haustür blieb ich stehen und lauschte ein wenig. Der Streit war heftiger als sonst. „Nein. So halte ich das nicht mehr aus. Du sagst mir nie, wo du bist, was passiert ist oder überhaupt. Das kannst du nicht mit mir machen.", schrie meine Mom. „Aber Schatz, ich mach das doch nicht mit Absicht. Es ist nicht gegen dich gerichtet. Versteh doch, ich bin es nicht gewohnt Bescheid zu sagen. Das musste ich nie." „Das ist mir egal. Ich will, dass du gehst. Ich brauch eine Auszeit. Fahr zu deinem Onkel und bleib da!" Da platzte ich ins Haus: „Was? Mom? Dad? Was soll das?" Ich sah in das Gesicht meiner Mutter, sie hatte geweint. Ihre Augen waren gerötet und ihre Nase auch, selbst jetzt bebten ihre Lippen noch. Aber auch mein Vater hatte geweint. Man sah es nur nicht so deutlich. Er strich sich immer wieder durchs Haar und rieb sich die Augen. Er lächelte schwach: „Kleines, es ist eigentlich alles in Ordnung. Nur deine Mutter und ich brauchen ein wenig Zeit, um wieder zu uns zu finden. Und deswegen Besuche ich über die Ferien diesen Großonkel Ben. Aber keine Sorge, es hat absolut nichts mit euch zu tun." Meine Mom nickte nur stumm. Mir liefen Tränen über das Gesicht und ich schüttelte stumm meinen Kopf. „Am Ende der Ferien kommen wir aber alle wieder zusammen oder?" Meine Eltern tauschten Blicke aus. Sie wussten es nicht. „Ich möchte mit Dad zu Ben.", sagte ich dann. „Was? Nein auf keinen Fall! Du bleibst hier.", schrie Mom sofort. Dad sah mich lediglich fassungslos an. „Ma, bitte versteh doch. Gerade ist Sammy gestorben und ich schaff das nicht. Ich brauch ein bisschen Raum. Ich muss es schaffen, damit umzugehen, aber das kann ich nicht hier." Sie nickte stumm. „Dann pack morgen all deine Sachen. Und bleib nicht zu lange auf der Party." „Oh verdammt die Party. Ich muss los. Tschüss." Ich zückte mein Handy und rief Julian an. „Hey kannst du mich von zu Hause abholen? Aber bitte beeil dich." Seine Antwort wartete ich gar nicht erst ab. Ich flitzte noch mal in mein Zimmer und suchte nach meinem Lippenstift. Schnell schmierte ich ihn mir über die Lippen, verwuschelte nochmal meine Haare, zog mir andere Klamotten an und war dann fertig vor der Tür.
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Soulwalker
FantasySoulwalker ist eine uralte mystische Kraft und niemand weiß mehr so genau, was diese eigentlich bewirkt. Sicher ist nur, dass Gut und Böse seit Jahrtausenden darum kämpfen. Im größten Teil der Geschichte wurde die Kraft positiv beeinflusst, aber es...
