15. Kapitel

56 3 0
                                        

Am nächsten Tag wachte ich erst gegen Mittag auf. Gähnend streckte ich mich und stand dann langsam auf. Verschlafen tapste ich ein Stockwerk tiefer in Julians Zimmer. Er lag völlig verknäuelt in seiner Decke und schlief noch tief und fest. Freudig sprang ich auf sein Bett und rief lauthals: "Aufstehen! Raus aus den Federn." Julian knurrte genervt, drehte sich um und wollte weiter schlafen. "Nix da! Wir gehen jetzt frühstücken und machen uns dann an die Arbeit.", meckerte ich, während ich ihm die Decke weg zog. "Ist ja gut, ich komm ja schon.", murmelte Julian und stand auf.
Nachdem wir gegessen hatten, ging Julian in den Saal, um die Girlanden aufzuhängen, sowie einen ersten Soundcheck zu machen. Ich suchte währenddessen nach Kuchenrezepten, um die Torte vorzubereiten. Gerade hatte ich ein paar Vorschläge rausgesucht, als es an der Tür klingelte.

Ich stand auf und machte auf. "Hey, ich hoffe ihr seid noch nicht fertig mit den Vorbereitungen?", fragte Heath. Er zog mich in eine Umarmung und ich sog seinen Duft ein. "Noch lange nicht! Komm rein. Ich weiß nicht, wie weit Julian ist, ich hingegen verzweifle am Kuchenrezept. Viel wichtiger ist aber: Was ist dein Kostüm?", begrüßte ich ihn. Heath lachte nur, nahm meine Hand und ging mit mir rein. Ohne Umwege ging er zur Couch und setzte sich, dann klopfte er neben sich und bedeutete mir damit mich auch hinzusetzen. "Zeig mir mal deine Vorschläge.", forderte er lächelnd. Ich gab ihm das Buch und musterte sein Gesicht, während er es durchblätterte. "Das sind teilweise echt schwierige Rezepte.", staunte Heath. "Du lenkst die ganze Zeit ab. Ich will wissen, wie dein Kostüm aussieht! Sag es mir, sag es mir, sag es mir!", bettelte ich ungeduldig. "Vergiss es.", lachte der Junge neben mir, "Du erfährst es schon noch früh genug. Lass uns lieber mit dem Kuchen anfangen." Ich baute mich vor ihm auf: "Nein! Das ist unfair." Wieder lachte Heath. "Hör auf zu lachen.", protestierte ich und warf mich auf ihn. Für einen kurzen Moment war er vollkommen geschockt, aber dann lachte er wieder laut los und kämpfte gegen mich, indem er anfing mich zu kitzeln. Ich prustete los und versuchte seine Kitzelattacken abzuwehren. "Heath, lass das. Stopp, nicht.", brachte ich zwischen dem Lachen heraus. Aber Heath dachte gar nicht daran. Er schlang seine Arme um meine Taille und warf mich auf den Rücken.

Ich versuchte ihn von mir runter zu drücken, doch war er wesentlich stärker als gedacht. Heath packte sich meine Handgelenke und drückte sie über meinem Kopf auf das Sofa. Egal was ich versuchte, es nützte nichts. Wie eine Schlange wand ich mich hin und her, immer wieder drückte ich meinen Rücken durch und versuchte mit den Beinen zu strampeln. Heath schlang seine Beine um meine und machte mich damit nahezu Bewegungsunfähig. "Hey! Du bist gemein.", protestierte ich wieder. Heath lachte ein raues, kehliges Lachen. "So schwach. Armes, armes Mädchen." Mit seiner freien Hand strich er über meine Wange. Ich funkelte ihn wütend an: "Ich bin nicht schwach!" Er musterte mich und schüttelte grinsend den Kopf: "Als ob. Ich könnte jetzt alles machen, was ich wollte und du könntest nichts dagegen unternehmen." "Wer sagt, dass ich nicht genau das will?", konterte ich. Heath sah mich verwirrt an. "Wie meinst du das?, fragte er. "Ich hab keine Ahnung, aber du bist verwirrt. Das reicht mir.", grinste ich. "Dann sag mir doch, was genau du wolltest.", sagte Heath. Ich musste schlucken. "Äh. Ich. Ja. Ähm.", stotterte ich. "Wusste ich es doch.", flüsterte Heath. Er legte seine freie Hand an meine Taille. Kurz zuckte ich zurück, als ich aber merkte, dass er mich nicht wieder kitzeln wollte, blieb ich ruhig. Ein Lächeln huschte über seine Lippen. Er sah von seiner Hand auf und mir direkt in die Augen.

Mein Herz überschlug sich und mein Atem wurde ganz flach. Im nächsten Moment lockerte Heath seinen Griff an meinen Handgelenken. Ich legte meinen Kopf in den Nacken, um seine Hand zu sehen. Plötzlich spürte ich seinen Atem an meinem Hals. Ein kleiner Schauer lief mir den Rücken runter. Ich spürte, wie Heath leicht lachte. Langsam glitt seine Hand meinen Arm hinunter und stoppte an meinem Schlüsselbein. "Dein Herz schlägt ziemlich schnell. Und? Ist es genau das, was du wolltest?", hauchte Heath. Er sah auf seine Hand an meiner Schulter. Ich bewegte mich nicht und sah ihn nur an, völlig gebannt von dem was er tat. Dann hob er seinen Kopf, sodass sein Gesicht direkt über meinem war. "So still?", fragte Heath. Ich roch seinen Pfefferminzatem und schloss dabei lächelnd die Augen. "Darf ich?", flüsterte Heath. Ich öffnete wieder meine Augen und sah ihn an. Er jedoch sah auf meine Lippen, die ich leicht öffnete, weil ich etwas sagen wollte, mir jedoch nichts einfiel und ich stumm blieb. Jetzt sah er mir erst in die Augen. Ich merkte, wie er seine Hand an meine Wange hob. Dabei musste ich lächeln. Auch Heath lächelte und senkte langsam seinen Kopf. Ich machte meine Augen wieder zu.

SoulwalkerWo Geschichten leben. Entdecke jetzt