Teil 43

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Sie lagen keuchend nebeneinander im Bett und keiner sagte ein Wort. Damien fühlte sich seltsam leer seit ihre Gefühle wieder aus seinem Kopf verschwunden waren, und ihm fiel einfach nichts ein das nach dieser kataklystischen Erfahrung, zu sagen angemessen war. Für jemanden der sein ganzes Leben darauf vorbeireitet worden war in keiner Situation sprachlos zu sein, war es ein seltsames Gefühl.

Damien drehte sich zur Seite um sie wenigstens anzusehen, er fühlte sich fast verlegen und ein wenig unsicher. Eine weitere seltsame vollkommen neue Erfahrung.

Sie lag auf dem Rücken und starrte an die Decke. Sie konnte sich nicht entscheiden welches ihrer rasenden Gefühle am stärksten war. Einerseits war sie so glücklich, glücklicher als sie je in ihrem Leben gewesen war. Sie fühlte sich warm, sicher und vollkommen, vielleicht das erste mal in ihrem Leben vollständig und ganz.

Doch sie war immer noch gefangen, an einem Ort an dem sie jeder auf seine Art hasste, sogar Damien. Und sie war alleine. So alleine mit all ihrer Verwirrung und den vielen neuen Eindrücken. Eine Träne lief ihr über die Wange, bevor sie sie aufhalten konnte und sie fühlte wie Damien neben ihr erstarrte. Es war einfach alles viel zu viel, viel zu schnell, viel zu allumfassend.

Mit einem kleinen leisen Fluch wischte sie sich die Träne weg und rollte sich aus dem Bett. Das Gefühl seines Blicks auf ihrer Haut, die Verwirrung und die gekränkten Gefühle die sich in ihr breit machten, und nicht ganz ihre eigenen zu sein schienen, trugen noch zu ihrer eigenen schwindelerregenden Gefühlsachterbahn bei und schnell floh sie vor ihm ins Bad, konnte es nicht ertragen weiter in seinem Blickfeld zu sein. Denn sie wusste er würde ihr jede ihrer Emotionen vom Gesicht ablesen. Im Moment war das keine besonders gute Idee, und lag auch nicht in seinem Interesse.

Sie stellte sich unter das warme Wasser und ließ einen Teil ihrer Sorgen von sich abwaschen, entspannte sich wieder.

Es war so perfekt gewesen, so absolut vollkommen. Sie hatte sich in ihm verloren und eine Weile alles vergessen, sogar ihren Namen. Einen Moment war sie niemand, ohne sorgen und nur mit dem einen Zweck, den sie im selben Moment erfüllte.

Ein kleines verträumtes Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht und in diesem Moment veränderte sich etwas in Ihr.

Emma hatte ihr Leben gelebt in der Gewissheit für andere zu leben, nach Regeln die nicht ihre eigenen waren. Sie hatte immer gewusst was sie zu tun hatte, was sie zu wollen hatte und der Schatten ihres Vaters und ihrer Pflicht hatte über all ihren Entscheidungen und Wünschen gehangen. Noch dazu hatte sie die erhöhten Anforderungen zu meistern die mit ihrer unehelichen Geburt und ihrer unbekannten Mutter einhergingen, was im Klartext bedeutete das ihre ganze Welt sie ganz genau beobachtet hatte, förmlich darauf wartend dass sie einen Fehler machte, der gravierend genug war um sie endlich an ihren Platz zu verweisen. Da unten bei den anderen Bastarden und Frauen.

doch jetzt? Alle alten Regeln galten nicht mehr, sie fühlte sich hell erleuchtet, so als könnte sie zum ersten mal in ihrem Leben selbst entscheiden wer sie war und was sie wollte. Der Schatten unter dem sie sich hatte verstecken müssen war endgültig fort, weggebrannt, von ihrem Eigenen Feuer.

Emmas lächeln wurde breiter, sie hielt ihr Gesicht in den warmen Strahl und genoss das Gefühl des Wassers auf ihrer Haut, stellte sich vor wie langsam aber stetig die alten Zwänge und Ängste endgültig von ihr abfielen und wirbelnd mit den Wassermengen im Abfluss verschwanden.

Sie hatte immer noch Probleme. Sehr gegenwärtige, dringende Probleme, die im Grunde alle auf den Mann im anderen Zimmer hinausliefen. Sie hatte die Möglichkeit zur Flucht, ihre Freiheit war da, kitzelte an ihren Fingerspitzen. Doch zu fliehen hieße die Rückkehr zu allem was sie in den letzten Tagen zu hinterfragen gelernt hatte. Und den Abschied von Damien, und mit ihm allem was sie hier zu lieben gelernt hatte.

Es war ein unlösbarer Konflikt, der sich in ihrem Herzen austrug, doch sie wusste das sie dem gewachsen war. Denn zum ersten Mal in ihrem Leben beschloss sie sich bewusst dazu ihre eigenen Bedürfnisse und ihr Glück an erste Stelle zu Stellen, weit vor die albernen Zwänge die man ihr ein ganzes Leben lang beigebracht hatte.

Emma aalte sich noch ein paar Minuten unter dem warmen Wasser, bevor sie den Strahl abstellte und langsam aus der Dusche stieg. Es war ein ganz neues Set an Entscheidungen und Überlegungen die mit ihrem Selbstbekenntnis einher gingen. Während sie sich die Haare kämmte, dachte sie darüber nach was sie jetzt am liebsten anziehen würde. Etwas das tatsächlich nur ihren eigenen Vorlieben entsprach. Es musste weich sein, das stand fest, aber wie wollte sie aussehen? was fühlte sie denn gerade?

Die sich öffnende Tür riss sie aus ihren Gedanken, Damien kam herein. Er war immer noch nackt, was ihr ihre Eigene Nacktheit bewusst machte. Unwillkürlich fiel sie ein wenig in sich zusammen, in dem Instinktiven Drang sich zu bedecken. Emma runzelte die Stirn, verharrte einen Moment und richtete sich dann wieder kerzengerade auf. Dann lächelte sie Damien an, der neben der Tür stehen geblieben war und er lächelte Strahlend zurück.

Sein lächeln war so erleichtert, das Emma kicherte und langsam auf ihn zu schlich.

„Hast du dir etwa Sorgen gemacht?" Sie fuhr ihm mit einer Hand den Arm hinauf bis zu seinem Bizeps folgte der Gänsehaut die ihre Berührung bei ihm auslöste.

„Schon ein bisschen. Ich weiß das es dir fast so gut gefallen hat wie mir." Damien räusperte sich und hob dann zögernd die Hand an ihr immer noch lächelndes Gesicht. „Was ist denn danach passiert?" Emma konnte in seinem Gesicht lesen wie in einem Buch. Und was sie sah ließ ihr fast wieder die Tränen in die Augen steigen. Diesmal wären es allerdings Freudentränen.

Er war so wunderbar besorgt um sie und so offensichtlich fasziniert und interessiert, fast begierig auf einen Einblick in ihr inneres. Sie schmiegte ihre Wange in seine Hand, drückte ihr Lippen auf sein Handgelenk und verstärkte seine Instinktive Reaktion mit der er sie näher an sich zog und die sie in den letzten Wochen bestens kennengelernt hatte, indem sie einen kleinen Schritt auf ihn zuging.

„Ich bin Duschen gegangen." Emma lächelte ein wenig verlegen, zuckte dann fast unmerklich die Achseln und beugte sich vor. Das Bedürfnis in zu küssen und wieder ins Bett zurückzukehren war definitiv ganz allein ihr eigenes. Damiens Stirn runzelte sich und er hielt sie zurück. „Ich interessiere mich vor allem für die Zeit zwischen diesen beiden Fixpunkten." Emma hatte nicht wirklich Lust ihm ihre Offenbarung zu erklären. Und ihm von dem Davor erzählen würde sich jetzt nicht gut anfühlen. Einen Moment sah sie ihn prüfend an.

„Ich will nicht darüber reden also nur so viel. Ich bin hier nicht zu Hause oder frei und" Sie hob selber eine Hand an sein Gesicht als er den Mund aufmachte „das ist gerade ok weil du hier bist. Ich mag dich nämlich wirklich sehr. Und dein Körper ist eine Offenbarung" Diesmal hielt er sie nicht auf als sie sich zu ihm hochstreckte.

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⏰ Letzte Aktualisierung: Jan 15, 2025 ⏰

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