Hannes lehnt lässig an dem Geländer einer Kellertreppe, er richtet sich auf, als ich die Straße runterlaufe. "Hey.", sage ich freudig und werde prompt an der Taille zu ihm hingezogen. Verlangend und doch zärtlich küsst er mich. "Hi. Ich hab es einfach nicht mehr ausgehalten.", flüstert er. Zur Abwechslung trägt er seine Haare heute offen. Jetzt sieht er mehr aus, wie der Rocker.
Ich folge ihm in den Keller, aus dem man leise ein Schlagzeug hört. Der Keller ist geräumig, aber mit aller möglichen musikalischen Technik vollgestellt. Kabel verlaufen von Mikrophonen in Mischpulte und Verstärker, es ist so wirr, dass ich Angst bekomme zu stolpern. Hannes hält mir die Tür auf und ich trete ein. Kaum habe ich den Raum betreten, schallt es aus den Lautsprechern: "Oh Yes! Unsere Groupie Zahl hat sich verdoppelt. Dirty Socks for the Win!" Es ist Georg, dessen lange schwarze Haare zu einem unordentlichen Dutt gebunden sind. Fred zieht sich vor Scham seine Beanie über die Augen. "Georg Tim, Tim Georg.", stellt Hannes uns vor. "Die Mütze hinterm Schlagzeug ist Fred und unser erster Groupie Vivian sitzt da auf der Couch.", Hannes zeigt auf ein kleines altes Sofa, was direkt an der Wand gegenüber dem Schlagzeug steht. Vivian sieht genauso aus wie auf dem Gig. Sie trägt ein schwarzes Crop Top, schwarze Hotpants und Netzstrumpfhosen. Ihr Makeup ist total dunkel und ihre schwarzen Haare sind zu zwei Zöpfen gebunden. Den Bewegungen ihres Mundes zu urteilen, kaut sie Kaugummi. Schüchtern setze ich mich neben sie. "Hallo Nummer Zwei. Cooles Outfit.", kommentiert sie kauend. Mein schwarzes T-Shirt und meine schwarzen kurzen Hosen wirken langweilig im Vergleich zu ihr. "Danke.", sage ich trotzdem. "Wenn du jetzt auch noch jemanden findest, verdreifachen sich unsere Groupies.", witzelt Georg. "Ach du bist doch 'n Arsch.", mault Fred. Hannes beendet diese Sticheleien, indem er seinen E-Gitarre an den Amplifier anschließt. Die elektronischen Geräusche unterbrechen die Unterhaltung schlagartig. "Lass einfach üben.", sagt er. Mir werden zwei Ohrstöpsel hingehalten. "Solltest du besser tragen.", ist Vivians einziger Kommentar. Unsicher nehme ich sie entgegen. Ist das nicht etwas zu übertrieben? Als ich sehe, dass sie selbst zwei weitere hervorholt, wird mir klar, dass sie es ernst meint und verstopfe meine Ohren. Nichtsdestotrotz ist es verdammt laut. Die Jungs halten sich kein Bisschen zurück und der Schall wird heftigst von den Kellerwänden hin und her geworfen. Vivian genießt einfach die Musik und was anderes kann man bei dieser Lautstärke eh nicht machen. Der einzige Unterschied zum Gig ist, dass sie einige Passagen immer wieder durchgehen und generell die Songs immer wieder unterbrechen, um sich zu unterhalten. Was sie sagen, kann ich aufgrund der Ohrstöpsel nicht hören.
Nach circa einer halben Stunde steht Vivian unvermittelt auf. Die Jungs lassen sich nicht aus dem Konzept bringen. Sie läuft an mir vorbei und verlässt den Keller. Kurze Zeit später ist sie mit einem Sixpack Wasserflaschen zurück. Wortlos drückt sie mir zwei in die Hände und stellt dann eine auf Georgs Keyboard und eine weitere auf Freds Snare. Dirty Socks hat aufgehört zu spielen und Georg und Fred genießen ihre Trinkpause. Hannes lässt sich neben mir auf die Couch fallen und ich biete ihm eine Wasserflasche an. Er nimmt sie entgegen und sagt irgendwas. Seine Stimme ist total dumpf. Ich entferne einen Ohrstöpsel, um ihn zu versehen. "Magst du unsere Musik eigentlich?", wiederholt Hannes seine Frage. "Es ist definitiv keine Musik, die ich in meiner Freizeit höre,", gebe ich zu, "aber es macht Spaß dir zuzusehen. Und ihr klingt echt gut." Hannes grinst glücklich. Vivian klatscht in die Hände: "Feedback Runde. Nummer Zwei irgendwelche Anmerkungen?" Sie sieht mich direkt an. "Feedback?", hilfesuchend wende ich mich zu Hannes, der einfach nur Achselzuckend seine Wasserflasche leer macht. "Du musst auch nicht.", meldet sich Fred von hinten. "Aber du darfst gerne.", fügt Georg schnell hinzu. Alle Augen sind auf mich gerichtet und meine Ohren werden rot. "Also ich hab keine Ahnung. Für mich klingt ihr super.", ich kann mir denken, dass dieser Kommentar wenig bringt. Georg grinst breit. "Wir haben's drauf Jungs." "Nichts habt ihr drauf.", fährt ihm Vivian dazwischen. "Du darfst nicht so nett sein Nummer Zwei. Sonst werden sie arrogante Schweine." Sie stupst Georg auf die Nase. "Deine langen Töne sind noch viel zu schwach, du musst auf deinen Atem achten. Fred deine Einsätze sind top, aber vielleicht probierst du mal dein geschlossenes Becken etwas enger zu schrauben. Müssen wir mal sehen, ob es dann besser klingt." Jetzt dreht sie sich zu Hannes und mir. "Du bist heute viel zu nervös. Lass dich von Nummer Zwei nicht so aus der Ruhe bringen." Sie ist eine harte Kritikerin. "Mein Groupie ist wenigstens nett.", mault Hannes und steht wieder auf. "Dafür ist meiner ehrlich.", seufzt Georg. Fred dreht nur an einer Schraube an den Dingern, die wahrscheinlich das geschlossene Becken sind. Vivian hat inzwischen wieder neben mir Platz genommen. Zaghaft lehne ich mich etwas zu ihr rüber. "Darf ich mir als Groupie eigentlich einen Song wünschen?", überwinde ich mich zu fragen. Sie grinst teuflisch. "Na logo, wir wollen doch schließlich die Show genießen. Wünsch dir was Nummer Zwei.", spornt sie mich an. "Äh..., könntet ihr vielleicht den Song spielen, bei dem Hannes singt.", bitte ich. Georg strahlt: "Ha! Ich wusste der Song ist Bombe. Machen wir Tim. Keine Frage." Er streckt Hannes zu Zunge raus. Mit hängenden Schultern schlurft Hannes zu einem Mikro und steckt das Kabel an. Vivian nickt mir anerkennend zu. "ZWO DREI VIER!", brüllt Georg ins Mikrofon und ich stecke mir hastig den Ohrstöpsel ins Ohr.
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Von Kellner zu Kellner
RomanceTim hat einen dämlichen Wunsch, nämlich, dass sein Traummann eines Tages durch die Tür der Gaybar kommt, in der er kellnert. Eventuell könnt es ja Hannes sein, der in genau dieser Gaybar von einem Typen sitzen gelassen wird. Als Tim dann auch noch M...
